Von Ottos Ruhm, Hoheit und Macht, und einem Kaisertum, dass allein auf dem deutschen Volk ruht (936-973)
Auf Otto waren die herrlichen Eigenschaften des Vaters in vollem Maße übergangen, nur fehlten ihm dessen weise Mäßigung und Besonnenheit. Er war von hoher Gestalt und kräftigem Körperbau-, im Verkehr heiter und freundlich, seine Bewegungen rasch und heftig.

Von seiner Würde als Herrscher hatte er eine weit höhere Auffassung als sein Vater: während dieser sich begnügt hatte, Primus inter pares – der Erste unter Gleichen – zu sein, war Otto bemüht, sich zum wirklichen Herrn über die Herzöge zu machen. Und in der Tat: Er schuf den deutschen Einheitsstaat. Aber nicht leicht erreichte er dieses Ziel: kein König hat mehr Kämpfe mit aufrührerischen Großen zu tun gehabt.
941 empörte sich sogar sein Bruder Heinrich, der selbst den Thron für sich beanspruchte. Doch der Anschlag wurde entdeckt, Heinrich gefangen und eingekerkert. Als Otto in Frankfurt das Weihnachtsfest feierte und den Gottesdienst im Dom bewohnte, war sich Heinrich, der aus Haft entronnen war, dem König zu Füßen. Otto hob ihn auf und verzieh ihm großmütig. Fortan blieb Heinrich dem Bruder treu ergeben.
Nachdem Otto die ersten großen Aufstände niedergeworfen hatte, gedachte er, die Herzogtümer dadurch abhängiger von der Krone zu machen, dass er sie nur an Verwandte vergab. Aber diese Erwartung erfüllte sich nicht. Neue Aufstände – von Sohn und Schwiegersohn, denen sich andere Große anschlossen – mussten in schweren Kämpfen niedergeworfen werden.
Die Folge war, dass Otto seine Innenpolitik abermals änderte. Er stützte sich von jetzt an, in besonderem Maße auf geistliche Würdenträger – Erzbischöfe/Bischöfe und Äbte. Sei waren den weltlichen Fürsten gleichberechtigt, bedeuteten aber eine geringere Gefahr, da bei ihnen die Erblichkeit nicht in Frage kam. Durch diesen Bund mit der Kirche schuf Otto eine kräftige Stütze der Königsgewalt. Die Kirche wurde in straffer Abhängigkeit gehalten. Bischöfe und Reichsäbte vom König ernannt. (Diese geistlichen Fürstentümer sind für die deutsche Geschichte von größter Bedeutung geworden, bis sie Napoleon 1803 aufhob).


Nach außen erhob sich Deutschland zu mächtiger Größe. Als die Slaven jenseits der Elbe versuchten, die deutsche Oberhoheit, die Heinrich I. begründet hatte, wieder abzuschütteln, übertrug Otto den Kampf zwei getreuen Gefolgsmännern, dem Markgrafen Gero und Herrmann Billung, dem Stellvertreter des Königs in Sachsen. Dieser Kampf vollzog sich unter entsetzlichen Grausamkeiten von beiden Seiten. Schließlich mussten sich die Slaven nach Ottos entscheidendem Sieg seiner Herrschaft beugen. In den unterworfenen Slawenländern wurden neue Bistümer gegründet; sie wurden dem Erzbistum Magdeburg unterstellt, dass Otto ebenfalls gegründet hatte.
Weithin erscholl Ottos Ruhm durch seinen Sieg über die Ungarn, die 955 wieder in Deutschland einfielen, diesmal im Süden des Reiches. Otto schlug sie in der Schlacht auf dem Lechfeld derart aufs Haupt, dass sie das Wiederkommen für immer vergaßen. Sie zogen sich in ihre Lande zurück, wurden sesshaft und nehmen um 1000 das Christentum an.
Als die Herrscher von Frankreich und von Burgund schwer mit ihren Vasallen zu kämpfen hatten, riefen sie Otto zu Hilfe. Ihm hatten sie es zu verdanken, dass sie die Krone behielten.
Italien aber unterwarf Otto seiner eigenen Herrschaft. Er kam der Königswitwe Adelheid, die von einem Vasallen schwer bedrängt wurde, zu Hilfe, machte sich zum König von Italien und vermählte sich mit Adelheid.
962 setzte ihm der Papst in der Peterskirche in Rom die römische Kaiserkrone auf. Dadurch gingen in der Vorstellung der Völker Hoheit und Macht der römischen Imperatoren, wie einst auf Karl den Großen, dem Herrscher des Frankenreiches, so nunmehr auf den deutschen König über.

Seit Otto ruhte das Kaisertum nicht mehr auf den germanisch-römischen Völkern, die in Karls Reich vereint gewesen waren, sondern allein auf dem deutschen Volk.

(Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation – so bezeichnete man es in späterer Zeit – hat dem Namen nach bis 1806 bestanden, aber die wirkliche Kaiserherrlichkeit und – macht war bereits um 1250 zu Ende.
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Nächste Woche lesen wir dann weiter: Das Papsttum wurde unter Otto zum ergebenen Werkzeug der weltlichen Macht. Die Römer mussten versprechen, keinen Papst ohne Einwilligung des Kaisers zu wählen.
Bisher veröffentlicht https://undinepeter.blog/deutsche-geschichte-von-den-uranfangen-bis-zum-ende-des-dreisigjahrigen-krieges-nach-albert-thummel/aus der Reihe: „Deutsche Geschichte“ nach Albert Thümmel.