Weiter geht es mit „Deutscher Geschichte“ nach Albert Thümmel – nach der Kaiserkrönung Ottos des Großen (962). Stehen gebelieben sind wir bei https://undinepeter.blog/…/11/10/otto-i-der-grose-912-973/.
Unter Otto I. wurde das Papsttum zum ergebenen Werkzeug der weltlichen Macht. Die Römer mussten versprechen, keinen Papst ohne Einwilligung des Kaisers zu wählen.

Gegen Ende seiner Regierung ließ der Kaiser seinen Sohn Otto zum deutschen König und römischen Kaiser krönen und vermählte ihn mit der byzantinischen Prinzessin Theophano, die ihm als Mitgift Unteritalien brachte. Es war wie ein Schlussstein am Gebäude seines ruhmreichen Lebens – Welches ansehen das Reich damals genoss, zeigt sich auf Ottos letztem Reichstag in Quedlinburg. Da huldigten ihm die Herzöge von Polen und Böhmen, und Gesandte erschienen aus Dänemark, Rom, Süditalien, Afrika, von den Russen, Ungarn und Bulgaren.
Otto der Große starb in der unbestrittenen Stellung eines Kaisers des Abendlandes.
In der Folgezeit freilich hat der Besitz der Kaiserwürde das deutsche Volk unendlich viel kostbares Blut gekostet und ihm auch sonst schweres Unheil gebracht, denn in dem Kampf um Italien versäumten die späteren Kaiser ihre nächste Aufgabe: Die Festigung ihrer Königsmacht in Deutschland. (Sie haben es nicht hindern können, dass die Macht der Fürsten immer mehr zunahm, bis der König kaum noch etwas bedeutete. Und damit zerfiel die Einheit Deutschlands).
Und doch wird man die Politik der deutschen Kaiser aus den damaligen Zeitverhältnissen heraus verstehen müssen. Otto und seine Nachfolger strebten nach der Herrschaft über Italien und nach der Kaiserkrone: Weil ihr Ansehen in Europa dadurch vermehrt wurde, weil Oberitalien infolge seines lebhaften Handels damals das reichste Land des Erdteils war; ferner gewannen die Deutschen durch seine Eingliederung in das Reich unmittelbaren Anschluss an den Weltverkehr, der vom Orient und Italien nach Frankreich ging, und schließlich war es für die deutschen Herrscher wichtig, in Rom Herren zu sein, weil es der Sitz des geistlichen Oberhauptes der deutschen Bischöfe war, die über mehr als die Hälfte des deutschen Landes geboten.

In den langen und schweren Kämpfen Ottos in Italien wurde den Deutschen der Unterschied zwischen ihrem Wesen und dem der „Welschen“ zum ersten Male deutlich bewusst. Sie lernten sich allmählich zu fühlen als ein zu einem festgewordenen Staat verbundenes Volk, als Nation. (Das Wort „deutsch“ aber, das soviel wie „volkstümlich“ bedeutet und ursprünglich nur die Sprache des Volkes bezeichnete – im Gegensatz zur Kirchensprache, dem Lateinischen – wurde erst im 12. Jahrhundert auch für das Volk selbst und für das Land gebraucht: bis dahin kannte man nur die Namen der einzelnen Stämme.)“
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Morgen lesen wir dann von Otto II., dem Nachfolger (973-983), welcher die Zügel der Regierung im jugendlichen Alter von 19 Jahren ergriff.
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Fotos:
„Gestalter der Geschichte“ Kaiser Verlag
Historischer Atlas, Manfred Scheuch