Wir sind stehengeblieben https://undinepeter.blog/…/friedrich-i-barbarossa-1152…/ , nachdem das deutsch-römische Reich wieder einen Höhepunkt seines Glanzes und Ansehens nach außen erreicht hat. Auf dem Reichstag zu Würzburg (1157) erschienen Gesandte aus Burgund, Frankreich, Dänemark, England, Spanien und Konstantinopel.

Der König von England übersandte kostbare Geschenke und schrieb dem Kaiser: „England und was sonst zu unserer Herrschaft gehört bieten wir Euch dar, damit alles zu eurem Wunsche eingerichtet werde. Zwischen unseren Völkern sei Einigkeit und sicherer Verkehr, doch so, dass Euch als dem Größten der Befehl verbleibe, wogegen uns der Wille zum Gehorsam nicht fehlen wird.“
Nur in Italien wurde das Ansehen des Kaisers ganz offen missachtet.
Zu den gewalttätigen Übergriffen Mailands gegen kaisertreue Städte kam der wachsende Widerstand des Papsttums. Sein grimmiger Gegner, der fanatische Kämpfer für die Oberherrschaft des Papsttums war der Kardinal Roland. Auf dem Reichstag zu Besacon warf er als päpstlicher Gesandter die trotzige Frage auf: „Von wem hat denn der Kaiser das Reich, wenn nicht vom Papst?“
In seiner Empörung über solch päpstliche Anmaßung zog Graf Otto von Wittelsberg das Schwert, und er hätte zweifellos den stolzen Priester niedergestochen, wenn nicht Friedrich selbst diesen mit seinem eigen Leib geschützt hätte. Friedrich erklärte damals feierlich: „Eher werden wir die Krone niederlegen, als dass wir zugleich mit unserer Person in den Staub ziehen lassen.“ Er hatte damit Erfolg.


In der Lombardei waren die Städte durch Handel und Gewerbefleiß zu Reichtum und hoher Blüte gelangt. Zugleich regte sich in ihnen ein mächtiger Freiheitssinn. Dieses Streben nach Unabhängigkeit war so gewaltig, dass bald die kaiserliche Oberhoheit nur noch dem Namen nach bestand. An der Spitze der Bewegung stand Mailand, das dabei seine Übermacht zur Unterdrückung schwächerer Städte missbrauchte.
In glänzender Heerfahrt brach Friedrich im nächsten Jahr nach Italien auf. Er sprach die Reichsstadt über Mailand aus und begann es zu belagern. Nach vier Wochen zwang Hunger die Einwohner, sich zu unterwerfen und dem Kaiser zu huldigen. Doch schon im nächsten Jahr empörten sie sich aufs neue, und abermals sprach der Kaiser die Acht über die Stadt aus. Inzwischen haben sich auch das Verhältnis zum Papst immer mehr verschlechtert. Und als gar der bisherige Kardinal Roland als Alexander III. den päpstlichen Thron bestieg, sprach dieser den Bann über den Kaiser aus.
Alexander III. sah seine weltgeschichtliche Aufgabe darin, die im letzten Jahrhundert errungen Weltstellung der römischen Kirche zu behaupten. Er hat diese Feuerprobe unter den schwierigsten Verhältnissen bestanden, durch Sorgen, Mühen und Gefahren hindurch, aber auch mit unerschütterlichem Mut und schließlich Erfolg.
Über keinen der beiden Gegner, weder über die Lombardei noch über den Papst, vermochte Friedrich endgültig Herr zu werden. Zwar: Über Mailand verhängte er 1162 ein entsetzliches Strafgericht, und auch den Gegenpapst, den er gegen Alexander III. eingesetzt hatte, vermochte er 1167 nach Rom zu führen; aber festhalten konnte er diese Erfolge nicht. Hierzu hätte er die gesammelte Kraft Deutschlands voll einsetzen müssen. Deren größter Teil aber befand sich jetzt in den Händen des Welfenherzogs.
Heinrich der Löwe hatte seinen nordischen Besitzungen durch glückliche Kriegszüge gegen die wendischen Stämme jenseits der Elbe, im heutigen Mecklenburg und Holstein, erweitert, und dieses Gebiete eingedeutscht und zum Christentum bekehrt. Infolge seiner stürmischen Tatkraft fürchteten ihn die Wendenhäuptlinge mehr noch als Gott selbst.
Rücksichtlos hatte er dabei vielfach in die Rechte anderer Fürsten, besonders der benachbarten Bischöfe, eingegriffen, sodass sie sich zu einem Bund gegen ihn zusammenschlossen.
Aber siegreich erwehrt sich Heinrich aller seiner Feinde. Zum Zeichen seines Sieges stellte er damals vor seiner Burg Dankwarderode in Braunschweig einen ehernen Löwen auf. Er lebte ganz und gar im Bannkreis seiner ebenso kraftvollen wie rücksichtslosen Machtpolitik; nationale Interessen spielten dabei für ihn keine Rolle, wenn sich auch mächtig dadurch gefördert wurden.
Als ihn der Kaiser bei einer persönlichen Zusammenkunft im Frühjahr 1176 in Chiavenna um Heeresfolge nach Italien bat, ja anflehte, vielleicht sogar fußfällig verweigerte er sie.
Die Freundschaft zwischen Hohenstaufen und Welfen war seit diesem Tag endgültig zerbrochen. Die Streitkräfte mit denen Friedrich nunmehr zu Felde zog, waren zu gering, um ihm das Übergewicht in der Lombardei zu verschaffen.
So kam es zu dem Gefecht vom Legnano, in dem der Kaiser trotz größter persönlicher Tapferkeit, eine vollständige Niederlage erlitt, die von den schwersten Folgen begleitet war. Alles in Italien war verloren.
Unter diesen Umständen sah sich der Kaiser zur Nachgiebigkeit veranlasst. Er vollzog einen ehrlichen Wechsel seiner Politik gegenüber der Kirche. Sofort knüpfet er Unterhandlungen mit Alexander an. , um durch dessen Vermittlung einen Frieden mit den Lombarden zu erlangen.
Die denkwürdige Zusammenkunft fand 1177 in Venedig statt. Vor dem Eingang der Markuskirche erwartete Alexander im päpstlichen Schmuck den Kaiser mit seinem großen Gefolge. Friedrich fiel vor dem Papst nieder, worauf dieser ihm den Friedenskuss gab und ihn in die Kirche führte. Hier erteilte er ihm, unter dem Jubel von Lobgesängen, vor dem Altar seinen Segen.
Der Kaiser söhnte sich nun völlig mit dem alten Gegner aus. Mit den Lombarden wurde ein Waffenstillstand geschlossen, währenddessen an einem dauerhaften Friedensvertrag gearbeitet werden sollte.
In den Zeremonien jener Festtage lag für Friedrich im Licht des Zeitgeistes zwar keine unerträgliche persönliche Demütigung, aber sie offenbarten doch den grundsätzlichen Sieg des Papsttums.
Politisch betrachtet ist dieser Friede von Venedig keineswegs eine Niederlage des Kaisers. Als ebenbürtige Macht stand das Kaisertum neben dem Papsttum, und Friedrich Barbarossa war unbestritten der erste Herrscher Europas.
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Im dritten und letzten Teil zu Friedrich Barbarossa, erfahren wir, wie es mit Heinrich dem Löwen weitergeht, vom Herzogtum Sachsen, dass aufgeteilt wurde, zugunsten der benachbarten Bischöfe und von der Verbindung mit Sizilien – ein Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung.