Dänemark: Hier ruht ein dunkles, sehr dunkles Stück Geschichte…

Manchmal gibt es Wege, die man lieber meiden mag. Es sind oft Wege, die von einer unglaublichen Grausamkeit der Menschen zeugen. Und doch muss man an diese Orte gehen, um deutlich zu machen, was in unserer Geschichte tatsächlich vorgekommen ist.

Wie immer muss man solche Orte suchen, also die, die im Stillen über Ereignisse berichten, die so manch einer wohl nie für möglich gehalten hätte.

Ich will jetzt nicht lange um den „heißen Brei“ herum reden: Wir waren heute in Oksbøl, einem kleinen Ort in Dänemark. Hier ruht für die Dänen ein dunkles, sehr dunkles Stück Geschichte, über das sie weniger gern reden, Auskunft geben oder überhaupt etwas wissen wollen. Ja, ähnlich der Verbrechen wie die der Polen, Tschechen oder Russen, genießen auch die Dänen das Privileg NICHT für die Verbrechen an der deutschen Bevölkerung „gerade“ stehen zu müssen. Und laut einiger Zeitungsberichte, wollen sie das auch gar nicht. Denn bis heute streiten die Dänen darüber, ob sie in dem Fall der Internierungslager, wo vor allem deutsche Kinder qualvoll zu Tode kamen, unmenschlich gehandelt haben.

NACH Kriegsende flüchteten viele deutsche Familien, es waren vor allem Mütter, Großmütter, Großväter und viele kleine Kinder. Sie alle kamen hier, im dänischen Lager ums Leben. Die meisten darunter hat man einfach verhungern lassen.

Auf dem Gelände im damaligen besetzten Dänemark war gegen Ende des Zweiten Weltkriegs ein Flüchtlingslager errichtet worden, in dem zwischen 1945 und 1949 bis zu 35.000 deutsche Flüchtlinge und Vertriebene untergebracht waren. Anfang 1945 waren Tausende Menschen aus dem Ostteil des Deutschen Reichs vor der sowjetischen Armee in den Westen geflohen.

Die Dänen internierten die deutschen Flüchtlinge zu jener Zeit hinter Stacheldraht. Die hygienischen Verhältnisse waren katastrophal. Wer die Flucht über die Ostsee überlebt hatte, litt an Unterernährung und unter Seuchen. Bis zu 35 000 Menschen, großenteils Kinder, Frauen und alte Leute, waren in dem Barackenlager untergebracht.

Wer heute nach Oksböl fährt, findet nichts mehr von dem Lager vor. Wohl aber den parkartigen Friedhof, der vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gepflegt wird. Zunächst waren an diesem Ort rund 1300 Tote beigesetzt. Durch Zubettungen weiterer Kriegstoter wurde der Friedhof wesentlich vergrößert. Heute ruhen hier 1796 Kriegstote – 121 Soldaten und 1675 Flüchtlinge.

Wer über diesen Friedhof mit mächtigen Eichen, getrimmten Rasenflächen und trassierenden Rhododendrenreihen geht, der kann gedanklich nur schwer eintauchen in die Zeit nach Kriegsende.

Wie konnte das dänische Volk nur so handeln? Die Antwort ist einfach: Hass wurde geschürt. Über die bekannten, aber weniger widerlichen Propagandaattacken, hetzte man ein Volk gegen das andere auf. Darauf berufen sich einige Dänen heute noch. Die Briten haben es uns ja so befohlen, und der Deutsche sollte sterben. Er wurde für uns als der Teufel dargestellt, der Unheilbringende. Wir mussten so handeln.

Wie bitte? Was haben denn die Kinder, darunter viele Neugeborene und Säuglinge, verbrochen? Die Wut, hervorgegangen aus geschürter Propaganda war also größer als das eigene Herz und die Menschlichkeit?

Dabei haben die Dänen den Zweiten Weltkrieg gut überstanden. Die deutsche Besatzungsherrschaft war sehr milde, sodass keinerlei Rachegefühle berechtigt waren. Die Dänen hatten wegen ihrer Zustimmung zur kampflosen Besetzung des Landes durch die Deutschen im Frühjahr 1940 nach dem Krieg Mühe, von den siegreichen Alliierten nicht als Kollaborateure angesehen zu werden. Das war wohl auch der Hauptgrund für die unverständliche damalige Haltung der Ärzte.

Also wir persönlich, könnten nicht einfach so „zuschauen“ wie kleine Kinder verhungern, ganz gleich, wer oder was uns den Auftrag dazu erteilt hätte. Doch hier , in Oksbøl waren es sogar Ärzte…, denen das langsame Töten, „leicht von der Hand ging. Grausam! Einfach nur grausam.

Auch das sollte man dazu wissen: Der amtierende dänische Justizminister Ninn-Hansen weigerte sich damals denn auch beharrlich, die Archive zu öffnen, und verwies auf die amtlich beschlossene Geheimhaltungsfrist bis zum Jahr 2005. Dieser Fall macht wieder deutlich, wie wenig von einer Gleichheit vor dem Gesetz gesprochen werden kann. Während deutsche Täter auch nach mehr als einem halben Jahrhundert mit der ganzen Härte des Gesetzes verfolgt werden, genießen Mörder auf Seiten der Sieger Straffreiheit und können jeder Rücksichtnahme gewiss sein.

Der Sieger schreibt nicht nur die Geschichte, sondern hält auch Gericht – aber einseitig: nur über die Besiegten!

Der Hohn schlechthin: Heute ziert ein Stein den Friedhof, auf dem steht: „50 Jahre danach – Deutsche danken Dänemark“. Wofür bitte sollen wir uns bedanken?

Achim war bereits schon zu Beginn sehr ungehalten, über die Art der Bebilderung, Nicht-Beschilderung, aber das hat ihn dann doch in Rage versetzt. Mich natürlich auch. Mehrmals geschluckt, wurde er immer lauter, und sein Unmut war kaum noch zu überhören. Denn als wir an der nachgebauten Baracke vorbeikamen, sah man außen Aufnahmen von glücklichen Deutschen, die am Grammophon saßen, ein fröhliches Lachen auf dem Gesicht und Scherze machten. Wann soll das gewesen sein? Gleich vor dem Verhungern, oder später ? Wie geschmacklos. (Davon habe ich kein Foto gemacht, man findet es aber auf den Seiten des Museums).

Denn gekrönt wird das Ganze, von einem in 2022 ins Leben gerufenen Museum, wo heute Wanderer Kaffee und Kekse serviert bekommen, und selbstverständlich die falsche Geschichte. Ein riesiges Areal, um die Menschen weiter im Unwissen zu halten. Und sie können es, weil von der Erlebnisgeneration niemand mehr die Wahrheit berichten kann, denn sie haben diese Welt längst verlassen, und die Wahrheit, das Erlebte mit ins Grab genommen. Aber wir Kinder sind noch da! Es ist unsere verdammte Pflicht die Wahrheit nach außen zu tragen, denn die Toten können es nicht mehr tun.

Doch eine schöne Begegnung gab es noch: Die Libelle auf dem Grabkreuz. Sie blieb da einfach so sitzen, als wenn sie uns etwas erzählen wollte. Vielleicht war sie eines der Kinder, das auf unmenschliche Weise aus dem Leben gerissen wurde. Wir sind eins mit der Natur, und wenn wir diese Welt verlassen, bleiben wir eins mit der Natur. Ich bin sicher, dass uns die Libelle genau das vermitteln wollte. Die Seelen unseres Volkes sterben nicht, sie sind immer da. Man muss nur gut hinsehen, hören und es richtig aufnehmen.

Die Bilder, die ihr seht, sprechen für sich. Und es fällt sehr schwer, solche Gänge einfach mal „zu verarbeiten“.

Sechzig Jahre lang kündeten von der Tragödie in den Baracken hinter dänischen Stacheldraht nur die vielen Kindergräber auf den Friedhöfen. Dank Forschern wie Kirsten Lylloff und Helge Hagemann weiß man inzwischen, dass auch die Dänen, die sich traditionell viel auf ihre Toleranz zugute halten, nicht nur eine, sondern Tausende Leichen im Keller haben – deutsche.


2 Antworten zu “Dänemark: Hier ruht ein dunkles, sehr dunkles Stück Geschichte…”

Hinterlasse eine Antwort zu wildgans Antwort abbrechen