Görlitz, das Gerhart-Hauptmann-Theater – Wie man einem Volk seine Geschichte raubt

Eigentlich bin ich mit einem ganz anderen Thema beschäftigt, doch dann ereilt mich gestern Abend bei meinem „Rundgang“, was gibt es Neues aus meiner Heimatstadt, diese Nachricht. Um ehrlich zu sein, dürften einen in diesen Tagen, wo ein bestimmtes Gedankengut vorherrscht, solche Nachrichten gar nicht mehr überraschen, den sie rasseln allerorten nur so herunter.

Aber es gehört sich, die Vergehen an unserem deutschen Kulturgut zu benennen.

Im Zusammenhang des gegenwärtigen Vorgehens des Intendanten Morgenroth klingt die Frage des Dichters Hauptmann, drei Tage vor seinem Ableben: „Bin ich noch in meinem Haus“ fast schon zynisch. (siehe Beitrag am Ende)

Unter der Fuchtel des Intendanten Morgenroth:

Das Theater Görlitz/Zittau gibt seinen Namen frei wie eine Sportarena.

Rückblick: 1946 erlebte Görlitz die erste Wiedereröffnung eines deutschen Theaters nach dem Krieg überhaupt. In diesem Jahr beschloss außerdem der Görlitzer Stadtrat die Umbenennung des Theaters in Gerhart-Hauptmann-Theater.

Mit dieser Umbenennung fanden damals viele schlesische Flüchtlinge wieder ein Stück Heimat, denn ein „zurück“ gab es nicht mehr.

Wieder soll ein Teil ostdeutscher Geschichte verloren gehen. …….

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Wie auch immer man die Absichten zu diesem Vorgehen benennen mag, und wie sehr man auch den Kontext verklären mag…,

Die Nachricht ist deutlich und der Beigeschmack mehr als fade.

„Mit einem im Kulturbereich ungewöhnlichen Aufruf wendet sich das Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau an die Öffentlichkeit. Unternehmen oder Privatpersonen können ab dieser Spielzeit die Namensrechte an beiden Spielstätten des Theaters erwerben und den Namen des Literaturnobelpreisträgers ersetzen, das geht aus einer Pressemittelung des Hauses vom 3. September hervor.“

Bei Erfolg der Aktion sieht Daniel Morgenroth darin das Potenzial für ein „Erfolgsmodell für viele Theater deutschlandweit“.

Vorschläge zur Umbenennung liegen auch schon vor, etwa: „Allianz-Theater, oder Coca-Cola-Theater. (Sächsische Zeitung 3.9.2024)

Wer war Gerhart Hauptmann?

Er wurde am 15. November 1862 in Ober Salzbrunn in Schlesien geboren und verstarb am 6. Juni 1946 in Agnieszków, deutsch: Agnetendorf in Niederschlesien. Er war ein deutscher Dramatiker und Schriftsteller.

Die Villa Wiesenstein in Agnetendorf war die letzte Wohnstatt des Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers Gerhart Hauptmann. Das Haus ist heute ein Museum.

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Am Ende des Beitrages, findet ihr noch einen, von mir im vergangenen Jahr verfassten Beitrag zu Gerhart Hauptmann, so auch im Kommentar.

Noch eine persönliche Anmerkung;: Auch wenn man schon ziemlich abgehärtet ist, was die Gemeinheiten dieser Mischpoke betrifft, versetzt es einem doch einen mächtigen Stich, mitten ins Herz. Schließlich treiben deren „Angestellte“ ihr Unwesen in den „sozialen Netzwerken“ und hauen dann solche Parolen raus wie: „Gerhart Hauptmann kann gerne dauerhaft abgelöst werden. Er war ein großer Fan von Adolf Hitler und nannte ihn noch 1942 den Sternenschicksalsträger des Deutschtums“.

Ja, dieser erbärmliche Troll und Handlanger eines Syndikats, sagt es schon: Schicksalsträger des Deutschtums sind nicht willkommen. Und daher gibt es Intendanten wie einen Herrn Morgenroth, der das in Umsetzung bringt.


8 Antworten zu “Görlitz, das Gerhart-Hauptmann-Theater – Wie man einem Volk seine Geschichte raubt”

  1. Wenn ein austauschbarer Intendant derartige Ideen öffentlich vorträgt, so frage ich mich dann nur, wer so jemanden unter Vertrag nimmt und wieweit die Kompetenzen geklärt sind. Mal‘ sehen, wie lange noch auf der Oper in Frankfurt (Main) noch „Wahres, Schönes, Gutes“ auf dem Giebel steht..

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  2. Es wird soviel Geld für diverse Projekte im Ausland ausgegeben, z.B. für Fahrradwege in Peru, für’s Gendern in Afrika, für Kriege, die uns nichts angehen. Für die Kultur im eigenen Land hingegen bleibt immer weniger übrig. Dann kommt dazu noch so ein geschichtsvergessener, ehrfurchtsloser Intendant , der marktwirtschaftlichen Schindluder betreibt.

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    • Schon irre, wenn ein „Feingeist“ die eigene Gebäudefassade verunstalten will. Das Innere des Musentempels kann er dann noch mit Bandenwerbung aufhübchen..

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      • Und die Spitze des Eisbergs scheint noch nicht erreicht. Heute kam vom „Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau“ dann die Nachricht (als Post auf Facebook) , dass man die KI befragt hat, und Vorschläge zu Sponsoren wie Mc. Donalds und Apple erhalten hat. Wenn man deutlich machen möchte, wieviel man von seinem Land und seiner Geschichte, seiner Kunst und Literatur hält, dann wohl so… – Nämlich nichts. Oberstes Ziel: Alles aus der Vergangenheit, was mit dem deutschen Volk zu tun hat, gehört ausgelöscht. Anders lässt es sich nicht mehr erklären

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      • 20 Jahre wohnte ich einst in einem Gerhart-Hauptmann-Ring.. – als diese neue Straße so benannt wurde, in den 60ern, war zwar nicht alles besser – aber vieles. Würde mich nur noch interessieren, wie unsere Multi Fachfrau in Sachen Kultur so einen Ausverkauf sieht.

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