Jakob Grimm hat mit ebenso tiefer Gelehrsamkeit wie poetischer Ahnung aus den kirchlichen Legenden die Götter und Göttinnen Walhalls wieder herausgewickelt.

Er hat in den Heiligenlegenden Übertragungen von Göttergestalten aufgefunden (so waren z. B. Wotan zu Sankt Martin, Freyr zu Sankt Leonhard, Baldur zu Sankt Georg, Frigg und Freya zur Madonna geworden).
Er hat endlich in zahllosen Spielen, Aufzügen, Festen, Gebräuchen und abergläubischen Vorstellungen des Volks, in Sage, Märchen, Schwank die Spuren der bald gewaltig schreitenden, bald leise schwebenden Germanengötter dargewiesen.
Und so hat er denn unsre ehrwürdigen Götter, welche anderthalb Jahrtausende vergessen und versunken unter dem Schutte gelegen, wieder herausgegraben und aufgestellt in leuchtender Herrlichkeit.
Denn das Gewaltigste und das Zarteste, das Heldenhafteste und das Sinnigste, ihren tragischen Ernst und ihren kindlich heitern Scherz, die Tiefe ihrer Auffassung von Welt und Schicksal, von Treue und Ehre, von freudigem Opfermut für Volk und Vaterland, ihr ganzes so feines und inniges Naturgefühl haben unsre Ahnen in ihre Götter und Göttinnen, Helden, Zwerge, Riesen hineingelegt.

Weil ja auch die Germanen ihre Götter und Göttinnen nach dem eignen Bilde geschaffen haben; wie Zeus, Hera, Apollo, Athena hellenische Männer und Frauen, Jünglinge und Jungfrauen, nur ins Große gemalt, idealisiert, eben vergöttlicht sind, so erblicken wir in Odin und Frigg, in Baldur und Freya nur die Ideale unsrer Ahnen von Weisheit, Heldentum, Treue, Reinheit, Schönheit und Liebe.
Und dies ist die hohe, ehrfurchtwürdige Bedeutung, welche dieser Götterwelt auch für uns verblieben ist.
Diese Götterehre ist das Spiegelbild der Herrlichkeit unsres eignen Volkes, wie dies Volk sich darstellte in seiner einfachen, rauhen, aber kraftvollen, reinen Eigenart.
In diesem Sinn ist die germanische Götter- und Heldensage ein unschätzbarer Hort, ein unversiegender „Jungbrunnen“ unsres Volkstums; das heißt, wer in rechter Gesinnung darein niedertaucht, der wird die Seele verjüngt und gekräftigt daraus emporheben; denn es bleibt dabei; das höchste Gut des Deutschen auf Erden ist: – sein deutsches Volk selbst.
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Quelle: Felix Dahn und Therese Dahn
Walhall die Götterwelt der Germanen (E. Doepler)
Foto Jacob Grimm: Kulturlexikon Bertelsmann Verlag
Eine Antwort zu “Der Götterglaube der Germanen – eine Verehrung der segensreichen Mächte des Lichts”
Die Wirklichkeit der Seele spricht heutzutage eine andere Sprache.
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