Wer hat`s gewusst? Das Brauchtum erklärt sich aus früheren volkstümlichen Festen zum Ernteausklang und Winteranfang – von Mitte November bis Anfang Januar (einer Zeit der Stürme und des unvorhersehbaren Wetters).
Mitte November: Dichte Nebelfelder ziehen übers Land. Die Menschen versammeln sich am Feuer, tragen das Licht nach draußen in die Dunkelheit. Einige wissen noch um unsere damit verbundenen alten Bräuche und Traditionen. Manche wissen sogar um die wahren Ursprünge dieser, das sind allerdings sehr wenige.



Am 11.11. berührt uns ein uralter Übergang. Die Erntezeit endet, das Licht zieht sich zurück – und wir treten in die stille Hälfte des Jahres. In alten Zeiten entzündeten Menschen Lichter, um Wärme und Hoffnung zu teilen. Sie ehrten die Erde, die Tiere, die Ahnen – und das Licht in sich selbst.
In dem Zusammenhang erinnern wir uns: Vom ersten Auftreten christlicher Missionare bis zur endgültigen Ausrottung des alemannischen Heidentums brauchte es ganze 700 Jahre.
Auch beim Heiligen Martin und dem Martinstag handelt es sich um eine christianisierte Version eines einst heidnisches Brauchtums. Die katholische Kirche macht heute daraus keinen „Hehl“ mehr, dass auch dieser Brauch in ihre christlichen Riten hin geändert wurde. Wie sollte es auch anders sein? Die Menschen wurden nahezu allesamt bekehrt und haben sich dem zwangsverordneten Glauben gefügt
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Wer weiß heute noch davon,
» dass die mannigfachen Volksbräuche, die sich um das Fest des „Heiligen“ am 11. November ranken, eine Entlehnung aus dem germanischen Wodanskult sind?
» dass ab dem 11. November an über den Heiligen Nikolaus am 6. Dezember, bis hin zur christlichen Weihnacht und den zwischen der Wintersonnenwende und dem Dreikönigstag gelegenen Zwölf Nächten sich der heidnische Glaube der Wilden Jagd zieht?

» dass der „Schimmelreiter“, Wotan symbolisiert?
» dass der Martinsumzug mit den Martinslaternen auf einem alten Brauch beruht, um der Dunkelheit der immer kürzer werdenden Tage den Kampf anzusagen?
» dass die Martinsfeuer mit der „Sonnenwende“ und kelto-germanischen Erntedankfesten in Verbindung gebracht werden?
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In alten Büchern gestöbert:
Zu St. Martin gehören die Attribute des Pferdes, Mantels und Bettlers, die wir auch bei Wotan wiederfinden, der, von seinem blauen Mantel umhüllt, nicht nur sein achtfüßiges Pferd Sleipnir reitet, sondern der auch ab und an als einäugiger Wanderer unter den Sterblichen wandelt.


Bereits zum Martinstag erschienen einige “Wilde Gestalten” des Volksbrauchs, die uns in mehreren Alpenbräuchen wie dem Perchtenlauf, oder auch in der Gefolgschaft von Sankt Nikolaus immer wieder begegnen.

„Wer kommt denn da geritten?
Herr Wude, Wude Nikolaus.
Lass mich nicht lange bitten
und schütte deinen Beutel aus!“
Die Laternenprozessionen oder Fackelumzüge gehen auf vorchristliche Feuer- und Lichtbräuche zurück. Dabei sollten die Feuer die bösen Geister vertreiben. Jugendliche und Erwachsene zogen durch die Felder, um die bösen Geister zu vertreiben und für das kommende Jahr Fruchtbarkeit und Segen zu bringen.
Die ursprünglichen Laternen waren übrigens Rüben, Kürbisse kamen alle erst später aus den heutigen USA zu uns nach Europa. In der Schweiz ist dieser Brauch in seiner urigsten Form mit den „Räbäliechtli“-Umzügen noch lebendig.

„Jahresende, Zeit der Sammlung“.
Es ist eine dunkle und neblig-trübe Zeit. Wie der Bär in seine Höhle, so verschwindet die kraftlose Sonne in die Tiefe, ins Reich der Frau Holle.
Altheidnisches Brauchtum lebt weiter in Allerseelen, Allerheiligen, Volkstrauertag und anderen Totengedenktagen. Auch der Martinstag mit seinen Laternenumzügen, an dem die Kinder “Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne” singen und Martinsgans gehören dazu.
Kurz: Das Martinsbrauchtum erklärt sich aus früheren volkstümlichen Festen zum Ernteausklang und Winteranfang. Von Mitte November bis Anfang Januar (einer Zeit der Stürme und des unvorhersehbaren Wetters), ziehen die Jagdtruppen Wotans durch die Wälder oder marschieren über den Himmel, oftmals von feurigem Glanz umgeben.

Bewahren wir uns unser Wissen über die alten Bräuche und Traditionen, reichen diese weiter und stellen richtig. So wie wir es auch mit unserer gesamten Geschichte tun sollten.
