Wer war Jakob Böhme?

Zitiert aus den alten Schriften des Joachim Leopold Haupt aus dem Jahre 1838. Und im Anschluss an die Sage erfahrt ihr noch mehr über den „Schuster-Philosophen“ Jakob Böhme.

„In der Landeskrone ist ein großer Schatz, welchen Jakob Böhme einst gesehen hat. „Als er die Schafe hütete, stieg er einst in der Mittagsstunde auf die eine Stunde von Görlitz liegende Landeskrone. Auf dieser fand er einen Eingang, und als er hineinging, erblickte er eine große Bütte mit Geld. Er erschrak aber so sehr darüber, dass er eiligst zurückging, ohne sich etwas von dem Gelde zu nehmen. Als er nachher mit andern Knaben mehrmals auf den Berg stieg, konnte er den Eingang nicht mehr finden.“

Und so hat e sich zugetragen:

„Zwischen Geröll und Trümmergestein ließ der Knabe seine Schafe weiden, indes er durch das wildgewachsene Gebüsch auf dem Gipfel streifte und dabei wie von ungefähr den Eingang zu einer großen Höhle entdeckte.

Jakob trat zögernd näher. Ein wundersames Licht schimmerte von den felsigen Wänden und ließ ihn deutlich den rötlichen Steinbelag des Bodens erkennen, der sich in der Tiefe verlor. Der erstaunte Hirtenbub drang weiter vor und fand zu seiner wachsenden Verwunderung, dass die seltsame Dämmerung zunehmend heller wurde. Deutlich konnte er alles erkennen und wusste gar bald um die Wahrheit dessen, was das Volk von der Landeskrone erzählte: dass sie bis obenauf angefüllt sei mit einem unermesslichen Schatz von Gold und Edelsteinen, der so groß und gewaltig sei, dass ihn niemand zu heben vermöge.

Aber Jakob war schon damals ein Schatzsucher anderer und besonderer Art. Was konnte es ihm frommen, ein reicher Mann zu werden, wenn er vielleicht Schaden nähme an seiner Seele? Mochte nicht möglicherweise ein böser Zauber haften an diesen gleißenden Herrlichkeiten? Hatten etwa die unterirdischen Mächte einen Bann oder gar Fluch gelegt auf diese lockenden Reichtümer? Oder kamen sie nicht allein der Landeskrone zu, diesem sagenumtankten Zauberberg der Heimat.

Sinnend und vom Abenteuer des Unerhörten angerührt, stand der Hirtenknabe aus Altseidenberg im Glanze des Goldes und der Juwelen. Seine heißen Finger zuckten fiebrig. Aber er ballte sie zur Faust. Nein, Jaköble, so glaubte er bestätigend, eine innere Stimme zu vernehmen, nein, Jaköble, das ist nicht deine Welt, die gehört dir nicht zu!

Und langsam ging der barfüßige Junge auf den kühlen roten Steinfließen wieder zum Ausgang zur Höhle zurück, vor dem seine Herde graste, als kümmere sie diese Pforte zum Glück nicht das geringste.

Da war dem Burschen so leicht wie nur einem sein kann, der recht getan hat.“

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Jakob Böhme, wer war das eigentlich?

Zeitgenössisch Jacob Böhme, (* 1575 in Alt Seidenberg bei Görlitz; † 17. November 1624 in Görlitz) war ein deutscher Mystiker, Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel nannte ihn den „ersten deutschen Philosophen“, weil er als erster philosophische Werke in deutscher Sprache verfasste.

Für Böhme war die Natur der Lehrmeister.

Böhme sprach, er habe von der ganzen Natur und ihrer instehenden Geburt seine ganze Philosophie, Astrologie und Theologie studiert und nicht von Menschen und durch Menschen; keck behauptet er: „(…) so kann mich auch kein Mensch darin unterrichten.

Nun, man darf zurecht annehmen, Böhmes Ansichten passten weder in die Zeit, noch zu den Vorgaben der Pfaffen. Das Leben wurde ihm also schwer gemacht.

Mühsam und mit schlaffen Schulter stieg Meister Jakob Böhme die Rathaustreppe hinab. Er fühlte sich müde und verbraucht, an diesem Dienstag, dem 26. März 1624. Warum ließ man ihm nicht seinen Frieden? Warum hatte eben, als er aus der Ratsstube kam, eine Rotte roher Lästermäuler ihm mit Hohn überschüttet? Hatte er nicht immer zurückgezogen und arbeitsam gelebt, seit er 1599 als 24-jähriger, Bürger dieser Stadt geworden war?

Auf dem Untermarkt blieben ein paar Neugierige stehen, als der kleine unscheinbare 49-jährige sein Weg durch die Neißgasse zur Brücke nahm. Unterm Arm trug er die schriftliche Rechtfertigung, die der Rat nicht hatte annehmen wollen. Erschöpft saß er dann in seinem Hause. Schreiben konnte er heute nichts mehr.

Besonders schlimm hetzte der Oberpfarrer Gregor Richter gegen ihn. So sprach dieser Richter: „Ist es nicht schlimm genug, wenn so ein simpler Schuster seine Schuhbank verkauft und sich auf Schreiben verlegte? Schreckliches hatte er beim Schuster Böhme zu lesen bekommen: „Der Leser soll wissen, dass in Ja und Nein alle Dinge bestehen. Das eine, als das Ja, ist eitel Kraft und Leben. Das Nein ist ein Gegenentwurf des Ja oder der Wahrheit, auf das die Wahrheit offenbar und etwas sei… Außer diesen beiden, welche doch in stetem Streite stehen, wären alle Dinge ein Nichts und stünden stille ohne Bewegnis.“ Und dann gar dies: „Darum stehe ein jeder zu, was er tut! Es ist ein jeder Mensch sein eigener Gott und sein eigener Teufel.“

Fast dreihundert Jahre später, als der „Philosophus Teutonicus“ unter den Gelehrten längst als einer der bedeutendsten deutschen Dichter anerkannt war, setzte die Stadt dem einst Geschmähten und Verfolgten ein Denkmal.

Der schreibende Schuster-Philosoph hat Görlitz in der Welt bekannt gemacht, in mancherlei Hinsicht.

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Die Aufnahmen /Beitragsfotos stammen aus dem Jahr 2024, als ich mit meinem Göttergatten auf den Spuren Jakob Böhmes auf der Landeskrone wandelte und später an seinem Grab auf dem Nikolaifriedhof stand.

Die anderen Aufnahmen stammen aus dem Görlitzer Sagenbüchlein


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