Böhmen, Mähren, Mährisch-Schlesien – unvergessenes Sudetenland

Nun habe ich mich doch etwas mehr im Text verloren. Lassen wir also zu Böhmen Worte und Bilder gleichermaßen sprechen. Es gibt wirklich viel zu erzählen über diese Region. Vielleicht auch, weil man viel zu wenig darüber liest oder hört. In den vergangenen Tagen habe ich immer überlegt, noch zu kürzen.., aber dann fehlte immer irgendwas, um die Geschichte und die Landschaft dieser herrlichen Region beschreibend „rund“ zu halten.

Ich hoffe, ich konnte es so ganz gut lösen, und so mancher der vielleicht noch nie etwas von Böhmen /Mähren gehört hat, kann sich ein erstes Bild machen. Vor allem um dem auch nachzuspüren, was die Menschen, die einst von hier vertrieben wurden, verloren haben.

Böhmen: „Starke Berge umzäunen und schützen es, es ist durchrädert von regelmäßig und klug angeordneten Flüssen. Seine Bäche schwemmen Goldkörner, seine Wälder geben festes Holz, seine Felder gesundes Brot.“ So die Worte des Schriftstellers Hans Watzlik aus Unterhaid. In seinem heimatgebunden Erzählwerk sieht er Böhmen als eine von „Gott auf die Erde aufgebrochene Rose“.

Im Nordwesten Böhmens rahmen Fichtel- und Erzgebirge, Oberpfälzer und Böhmerwald das Egerland, Bayerns Eingangspforte in das Sudetenland.

Nordmähren wird vom Altvatergebirge, dem südöstlichen Teil der Sudeten und dem Gesenke erfüllt. Sein Schlesiervolk gilt als zäh, arbeitsam, voll Heimatstolz und trotzdem für das Neue aufgeschlossen.

Typisch böhmisch? Hier seien Böhmen und typisch Böhmisches im landespatriotischen Geist gemischt: Der Saazer Hopfen, , der Pilsner erst zu Pilsner macht; böhmisches Kristall, das vorwiegend aus deutschen Landschaften kommt; die Holzschwemme auf der Moldau, die Wallfahrt nach Maria Kulm; der häusliche Kunstfleiß des Dudelsackbauers im Egerland, des Spitzenklöpplers im Erzgebirge; die kühne wuchtige Sprache des Böhmischen Barocks als steingewordenes Idiom von k.k-Glanz und Kaiserreich: Volksgut wie das „Nickelgehn“, da sind ie Berge gehörte wie ein deftiges „ Offaschüsselhrenna“, die „Haxnotusche“ oder der Becherbitter ins Egerland.

Wie wirkte der Landstrich auf unsere großen deutschen Dichter und Denker?

> Der Geheime Rat von Goethe, der im Böhmischen 13 Sommer verbrachte, hatte hier seine zweite Heimat gefunden,

> Heinrich von Kleist das „Spiel der Engel im Sande“ entdeckt.,

> Detlev von Liliencron dann auch „Wunder auf Wunder“ erlebt.

> In der Landschaft zwischen Eger und Braunau hatte Alexander von Humboldt „der drittschönste Aussichtspunkt der Welt“ überwältigt,

> Ludwig Richter Burgen kopiert

> war Richard Wager „dem Schönsten, was er kannte“ begegnet,, darunter jenem Hirten unterm Schreckenstein, der ihn zum Pilgerchor des Tannhäuser inspirierte.

> Aus Böhmens Hauptstadt hat Franz Kafka einmal bündig gestanden:“Prag lässt nicht los.

> Bei Aussig notierte Theodor Körner die Worte zum Dialog“Der Schreckenstein und der Elbstrom“.

Das geflügelte Wort von den „böhmischen Dörfern“ einmal geprägt, um etwas total Unverständliches unverständlich zu lassen? Die Sudetendeutschen (Böhmen, Mähren, Sudetenschlesien), einst vom Frieden so entwurzelt wie andere vom Krieg, leben inzwischen über die ganze Welt verstreut. Ihr Schicksal ist die Vertreibung geblieben, doch ihr landsmannschaftlicher Zusammenschluss blieb häufig ungebrochen.

Böhmen erhielt den Namen von dem keltischen Stamm der Bojer, die hier Jahrhunderte v. u. Z. siedelten. Die Kelten zogen um 200 v. u. Z. weiter westwärts, einige blieben zurück, ihnen folgten um 200 v. u. Z. Germanen (Langobarden und Quaden) nach Böhmen und Mähren. Einige darunter verließen die urbar gemachten Gebiete um 600 v. u. Z.

Kleine slawische Stämme Tschechen und (Morawer) Mähren nahmen einen Teil des gerodeten, kultivierten und bebauten Teils des Landes ein.

Ab dem 9. Jahrhundert kamen wieder Germanen aus den Stämmen der Franken, Thüringer und Flamen nach Böhmen und Mähren. Sie gründeten Dörfer und Städte – die Namen Böhmen und Mähren blieben erhalten. Die Siedler wurden von den Herrschern gerufen, wie in Schlesien, Pommern, West- und Ostpreußen. Es war überall eine Landgabe und keine Landnahme.

———————————————————————

Noch ein kurzer Blick auf Ereignisse aus der langen Geschichte Böhmens (ausführlicher in den Beiträgen im Kommentar)

Trotzig saßen sie auf ihren festen Burgen inmitten ihrer weiten Besitzungen. Sie schlossen unter sich Bündnisse ab, oder führten nach Belieben gegen sich das Schwert. Zum Schrecken war die Burg des Ritters dem friedlichen Bürger geworden, sodass kein Weg, keine Straße sicher war und die Frachtwagen nur unter großem Geleite zu ihrem Ziele gelangen konnten.

Historiker datieren dieses Ereignis ab 1291. Andere sind skeptisch, ob es überhaupt so stattgefunden hat.

Doch tauchen immer wieder Berichte auf, die besagen, dass in Zeiten des schwachen Königs Johann von Böhmen das räuberische Handwerk zu rechter Blüte gedieh. Könige Johann brauchte des Geldes immer gar viel, was ihn endlich dazu brachte, königliche Städte, Schlösser und Güter an den Adel zu versetzen. Infolgedessen, gewann dieser unverhältnismäßig an Macht – Übermut und Prunksucht kannten keine Grenzen.

Das Konzil (1414-1418) sah einst drei Hauptaufgaben vor sich: die Lösung der Papstfrage (Beseitigung der Kirchenspaltung, des Schismas), die Kirchenreform und die Angelegenheit des böhmischen Reformators Hus. Die erste Entscheidung fiel über Hus. Dieser, Professor an der Universität Prag, war ein eifriger Anhänger des Engländers Wiclifs, der in den letzten Jahrzehnten immer entschiedener gegen die Verweltlichung der Kirche, gegen grundlegende Lehren und gegen die päpstliche Oberhoheit aufgetreten war. Beide, Wiclif und Hus, werden vom Konzil zu Ketzern erklärt, Hus 1415 vor den Toren von Konstanz verbrannt.

27 Führer des Aufstandes wurden als Hochverräter auf dem Alten Markt in Prag hingerichtet, viele andere erhielten schwere Gefängnisstrafen, 480 Edelleute wurden ihrer Güter beraubt. Die protestantischen Prediger wurden aus dem Land gejagt, die Jesuiten und die Mönchsorden kehrten zurück.

(Das Konzil von Konstanz war nicht nur die glänzendste, sondern auch die größte Kirchenversammlung des ganzen Mittelalters.)

Die erste große Schlacht des Dreißigjährigen Krieges fand 1620 am Weißen Berg bei Prag statt. Die Liga, der Bund der Katholiken, siegte über die Union, den Bund der Protestanten. Die Folge war ein fürchterliches Strafgericht gegen die protestantischen Führer in Böhmen, Mähren und Schlesien.

Danach ist noch viel geschehen. Doch an dieser Stelle mache ich einen Zeitsprung in das Jahr 1945.

Kurz vor Kriegsende 1945 und noch weit darüber hinaus (siehe Ereignisse ab dem 20. Mai 1945) wurden die Bewohner dieses herrlichen Landstrichs völkerrechtswidrig vertrieben und auf ihrer Flucht auf brutale Weise ermordet. Die Auswüchse dieser Grausamkeiten lassen sich kaum in Worte fassen.


Bilder-Quellnachweis:

„Böhmen und Mähren Herzland Europas“ Belser- Edition Reisebilder mit Aufnahmen von Wolfgang Müller und Heinrich Pleticha

„Jenseits von Oder und Neiße“ Burda-Verlag – Bildbände 1973


Hinterlasse einen Kommentar