„Sie seind nichts dann Tyrannen, schinden die Leut, unser Schweiß und Blut vertön sie mit Hoffieren, mit unnützen Pracht, mit Huren und Buben. Es hat Gott geboten in Deuteronomio, es soll der König nicht viel Pferd bei sich haben und einen großen Pracht führen; auch soll ein König das Gesatzbuch täglich in Händen haben.

Was tun aber unsere Fürsten?
Sie nehmen sich des Regiments nicht an, hören die armen Leute nicht, sprechen nicht Recht, halten die Straßen nicht rein, wehren nicht Mord und Raub, strafen kein Frevel und Mutwill, vertedingen nicht Witwen und Waisen, helfen nicht den Armen zu Recht, schaffen nicht, daß die Jugend recht erzogen würd zu Guten, fürdern nicht Gottes Dienst, so doch um solcher Ursach willen Gott Oberkeit eingesetzt hat, sonder verderben allein die Armen je mehr und mehr mit neuen Beschwerden, brauchen ihrs Macht nicht zu Erhaltung Friedens, sonder zu eignem Trutz, daß je einer seim Nachbauren stark genug sei, verderben Land und Leut mit unnötigen Kriegen, Rauben, Brennen, Mörden… „
Kommt uns das möglicherweise bekannt vor?
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Schauplatz „Blutrinne“: Ein Hohlweg, der als Hauptfluchtweg diente und sich der Überlieferung nach mit Blut füllte. Wir haben diesen Ort heute besucht. Er liegt auf einem Berg in Bad Frankenhausen.





Wie eine Spirale windet sich die Blutrinne um den Berg. Die heutige Zufahrt werden die Landsknechte nicht genommen haben, als sie am 15. Mai 1525 mit Artillerie, Reiterei und Fußtruppen die Bauern von allen Seiten angreifen. Der Angriff kommt plötzlich und überraschend: ein Bruch des zuvor vereinbarten dreistündigen Waffenstillstandes. 8.000 aufständische Bauern stehen einem 6.000 Mann starken Heer gegenüber.
Die aufständischen Bauern unter Reformator Thomas Müntzer wurden durch ein Fürstenheer binnen einer Stunde vollständig besiegt. Etwa 5.000 Bauern fielen der Schlacht zum Opfer. Ihr Anführer Thomas Müntzer wurde gefangen genommen, gefoltert und schließlich in Mühlhausen hingerichtet.




In der Schlacht bei Frankenhausen töteten die besser bewaffneten Söldner Tausende von Bauern. MÜNTZER konnte zunächst fliehen und versteckte sich in einem Bauernhaus, wo er jedoch aufgestöbert wurde. Nachdem man ihn gefoltert hatte, wurde er wenige Tage später enthauptet.
Der Deutsche Bauernkrieg (1524–1526) wurde primär durch die extreme Ausbeutung der Bauernschaft durch Adel und Klerus (hohe Abgaben, Fronarbeit, Leibeigenschaft) ausgelöst. Als direkter Auslöser gilt oft der Befehl der Gräfin von Lupfen, während der Ernte Schneckenhäuser zu sammeln, was das Fass zum Überlaufen brachte.
Es war kein zentral geplanter Krieg, sondern eine Welle lokaler Aufstände, die vor allem im Süden und Südwesten Deutschlands (Schwaben, Württemberg, Franken, Thüringen) losbrach.
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Hier lest ihr die 12 Artikel: Im Frühjahr 1525 formulierten die Bauern in Memmingen die „Zwölf Artikel“, die als eine der ersten Menschenrechtsdokumente gelten und Forderungen wie die Abschaffung der Leibeigenschaft und das Recht auf Fischerei und Jagd enthielten.
1. Ist unser wille und meinung, das wir ganze gemein ein pfarrer, der uns das ewangelium und gots wort lauter und und clar ane alle menschen zusatzung, predige, anzunehmen und zu entsetzen macht haben.
2. Das wir nicht mehr noch weniger zu geschos gedenken zu geben, wan man vor 200 jarn hat getan, und keine beschwerung noch steuer darneben, auch geistlichen noch weltlichen kein zins zu reichen nach zu geben.
3. Kein bodtinst zu tun gesinnet wieder der herschaft noch dem adel.
4. Sein nicht gemutig, voigteigelt zu geben.
5. Das acker, weinwachs, wiesen, alle gutter und zugehrung des gotshauses werden umb ein zimlich gelt verkauft und geburlicher geschos davon zu reichen anderen ecken gleich.
6. Wollen wir wasser, weide, gehulze und wiltpane frei haben einem itzlichen zu seiner notturft in seine behausung zu gebrauchen.
7. Ein itzlicher burger ader bauer, so die sachen nicht peinlich begriffen, wirdet mit keinem gefengnis ader gewaltsamer tat zu belaidigen noch zu bescheren, sondern noch gelegenheit zu strafen und in seinen vier pfelen friedesam sitzen lassen.
8. Das martgelt und weinzol frei, sundern das wegegelt sein ganz zu hoben.
9. Ein itzlicher inwhoner stadt und dorfer bier zu brauen macht hab noch loblichen ufgerichten ordnung, die dorinnen ufgericht und bewilliget wirdet, und hie zu Franckenhusen zwei bier mit ustgestackten zeichen zu brauen.
10. Das gerichte uber hals und hand sei der stadt und rat zu Franckenhusen, wie vor alters gewest, zu haben und noch rechte damit zu gebaren.
11. Es sollen auch die pfenner macht haben, den kauf des salzs zu erhohen ader zu ernidern am gelde noch gelegenheit der zeit und des feuerwerks, kunftig mit einem salzmaß zu geben, und darneben keiner aufgeschlossen bau und borngelt gefreiet sein und gleiche burde tragen
.
12. Das alle uswendig vor der stadt zu Franckenhusen wonen, wasser und weide mit den inwhonern gebrauchen, dem rate underworfen und schosbar sein und allen artikeln stadt und rat zu Franckenhusen gehorsam.
13. Das die gemein der stadt Franckenhusen den rat zu erwehlen, zu bestettigen und zu entsetzen macht haben und darneben eine lobliche ordenunge ihres lohns und aller notturft uszurichten mechtig sein.
14. Das das verliehen gelt durch den rat nehst abgegangen der gemein uf das bret widerumb geantwort werde, auch vorwustung der teiche von dem nehst abgegangen rate widerumb erbauet und besatzt.




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Über den Lutherweg (der zum Teil über die Blutrinne führt) geht es in den Ortskern. Am Fuß des Schlachtbergs liegt die Kirche, deren Turmspitze 4,60 Metern vom Lot abweicht. Damit hat der Turm eine größere Neigung als der schiefe Turm von Pisa. Grund für die Schieflage ist Wasser, das die Gips- und Salzschichten unter der Erde auswäscht. Dazu gibt es aber einen extra Beitrag.

Vielleicht könnt ihr euch über die Bildergalerie ein wenig in den „Hohlweg“, die Blutrinne „hineinfühlen“.

