Die dunklen „Geheimnisse“ anderer Länder – heute: Dänemark!
Nicht nur in der Sowjetunion, in Jugoslawien oder in Frankreich waren Zivilisten als auch kriegsgefangene Deutsche, vor und nach dem 8. Mai 1945 vielfach schlimmsten Unterdrückungen ausgesetzt, sondern auch bei den angeblich »liberalen Dänen.

Es war einmal ein (amtierender) dänischer Justizminister N I N N – H A N S E N, der sich einst beharrlich weigerte, die Archive zu öffnen, und dabei auf die amtlich beschlossene Geheimhaltungsfrist bis zum Jahre 2005 verwies.
Ein Fall von vielen anderen dieser Art. Und wieder einmal wird deutlich, wie wenig von einer Gleichheit vor dem Gesetz gesprochen werden kann: Während deutsche Täter auch nach mehr als einem halben Jahrhundert mit der ganzen Härte des Gesetzes verfolgt werden, genießen Mörder auf seiten der Sieger Straffreiheit und können jeder Rücksichtnahme gewiss sein.
Der Sieger schreibt nicht nur die Geschichte, sondern hält auch Gericht – aber einseitig: nur über die Besiegten.
Bevor ich zum eigentlichen Beitrag komme, nämlich zu dem der 7000 Flüchtlingskinder, die in Dänemark auf entsetzliche Weise zu Tode kamen, sollen zwei weitere Ereignisse, oder besser gesagt, Vergehen nicht unerwähnt bleiben.
1. Fall:
Da wäre der Fall Jane HORNEY. Die Schwedin wurde am 20. 1. 1945 von dänischen-kommunistischen Widerstandskämpfern ermordet.

Der tragische Fall Jane HORNEY erregt immer noch die Gemüter in Schweden, wie eine Fernsehserie aus dem Jahre 1985 zeigte. Zwei Zeichnungen (siehe Beitragsbild) von Alf LANNERBACK sind Dokumente zum Fall, die von der Svenska Militärhistoriskt Bibliothek 2002- 2005 herausgegeben wurden.

Die sechsteilige Fernsehserie brachte 1985 einen Mord in die Öffentlichkeit, der als „tragischer“ Fall einer Verwechslung dokumentiert wird.
Was war geschehen?
Wenige Monate vor Kriegsende wurde die 27-jährige Schwedin Jane HORNEY im Januar 1945 auf einem Fischkutter im Oresund von dänischen Widerstandskämpfern ermordet, ihre Leiche wurde ins Meer geworfen. Ihr wurde vorgeworfen, eine gefährliche Spionin gewesen zu sein.
Der Befehl zu ihrer Hinrichtung sei von höchsten Kreisen der dänischen Widerstandsbewegung gekommen. Der frühere dänische Minister Prode JACOBSON, ein angesehener Vertreter der Widerstandskämpfer, erklärte, es sei damals notwendig gewesen, die Frau auszuschalten.
Das wird allerdings von anderen Kreisen angezweifelt. Der frühere Polizeichef von Malmö, Alf ELIASSON, gelangte bereits 1957 zu der Erkenntnis, dass die Schwedin im Gegensatz zu den Vermutungen der Widerständler keine deutsche Agentin gewesen und daher schuldlos ermordet worden sei. Der schwedische Fernsehchef Ingvar NENGTSSON warf den dänischen Partisanen vor, sie wollten mit ihrem Ruf nach Verhinderung der Sendung nur ihre eigene Geschichtsschreibung aufrechterhalten. Der Bruder der Ermordeten vermutete sogar, dass seine Schwester erst nach Kriegsende umgelegt worden sei, weil manches aus ihrem Wissen für die dänische Widerstandsbewegung peinlich hätte werden können.
2. Fall »Minensuchen mit bloßen Händen in Dänemark

Nach dem 8. Mai 1945 mussten die in Dänemark gefangenen deutschen Landser für die stillschweigende Kollaboration der Dänen büßen. Die dänische Legion« kannte kein Erbarmen: Ungenügend instruiert, ließ sie Wehrmachtangehörige teils mit bloßen Händen nach Minen graben oder trieb sie in Kettenformation durch minenverseuchtes Gelände. Fast täglich gab es tödliche Detonationen. »Die Deutschen«, erinnert sich ein ehemaliger Bewacher, »sammelten danach herumliegende Arme und Beine ein. Die Leichen steckten sie in Säcke und brachten sie zum nächsten Friedhof.

Das Kriegsverbrechen, das der Jurist und Historiker Helge HAGEMANN in seinem Buch Under Tvang (»Unter Zwang<) enthüllte, wurde von der sogenannten »dänischen Brigade* begangen, einer Einheit dänischer Freiwilliger,die während des Krieges in Schweden ausgebildet worden waren. Nach Kriegsende griff sie auf die noch im Lande befindlichen gefangenen Wehrmachtsoldaten zurück und ließ sie – übrigens mit ausdrücklicher Billigung des britischen Militärs, das auch deutsche Gefangene beim Minenräumen in der Nordsee einsetzte – entlang der gesamten dänischen Küste Minen räumen.
Dem damaligen Haß einiger Dänen auf Deutsche fielen im Übrigen nicht nur gefangene Wehrmachtsoldaten beim Minenräumen zum Opfer, sondern auch Tausende deutscher Flüchtlinge, die es in den Wirren des Kriegsendes – meist auf der Flucht aus dem Osten – nach Dänemark geschafft hatten. Als die Waffen endlich schwiegen, mussten sie schnell erkennen, dass sie auch in
Dänemark nicht etwa >befreit<, sondern auf schlimmste Weise drangsaliert wurden.
3. Fall – über 7000 Flüchtlingskinder sterben in Dänemark
Im Frühjahr 1999 erregte eine Studie der dänischen Oberärztin Kirsten LYLLOFF großes Aufsehen, Die Medizinerin hatte sich über die hohe Zahl von deutschen Säuglings- und Kindergräbern auf dem Friedhof ihres früheren Wohnortes Aalborg gewundert und war dem Schicksal der deutschen Flüchtlinge nachgegangen, die 1945 über die Ostsee aus dem deutschen Osten auf
der Flucht vor den Sowjets nach Dänemark gekommen waren.







Insgesamt waren in den ersten fünf Monaten des Jahres 1945 200000 bis 250 000 deutsche Flüchtlinge, zu 85 Prozent Frauen und Kinder, vor den Sowjets nach Dänemark entkommen. Sie waren zunächst in Schulen oder Versammlungshäusern untergebracht, bevor sie dann in 142 Lager eingewiesen wurden. Allein 1945 sind davon 13 492 Personen gestorben. Mehr als 7000 davon waren Kinder unter fünf Jahren, von denen die meisten neben Unterernährung oder Flüssigkeitsmangel »durchaus heilbaren Krankheiten« wie Magen- und Darminfektionen oder Scharlach zum Opfer fielen. Die dänische Ärzteschaft weigerte sich, den in den Lagern internierten Flüchtlingen bis 1949 medizinische Hilfe zu gewähren, ebenso das Rote Kreuz.
Den gesamten Beitrag dazu, findet ihr im Kommentar. Wir waren vor Ort.
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Weitere Informationen:
Nach HAGEMANNS zehnjährigen Nachforschungen kamen mindestens 250 gefangene deutsche Soldaten beim Minenräumen in Dänemark nach Kriegsende ums Leben, etwa ebenso viele wurden dabei schwer verletzt. Es handelte sich nach seinem Urteil dabei um ein Kriegsverbrechen.

Organisiert wurden die verbrecherischen Räumeinsätze von Poul Christian Florian-Larsen HAGEMANN, einem Major der »dänischen Brigade«. Er war der Vater von Buchautor HAGEMANN. Dieser gesteht heute: »Mein Vater war ein Kriegsverbrecher. Ich schäme mich für ihn.« HAGEMANN sieht sich seit der Veröffentlichung seiner Studie dem Haß vieler Landsleute gegenüber, die ihn für einen »Nestbeschmutzer« halten. Aber HAGEMANN bleibt dabei: »Wir müssen uns zu diesem schrecklichen Abschnitt unserer Geschichte bekennen.«
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In Zahlen: Rund 250 000 deutsche Flüchtlinge wurden nach dem 8. Mai 1945 in dem kleinen skandinavischen Land unter meist menschenunwürdigen Umständen interniert. Unter ihnen befanden sich mindestens 10000 Kinder. Rund 7000 von ihnen starben in den folgenden Jahren, weil ihnen von den dänischen Behörden systematisch Nahrung und medizinische Versorgung vorenthalten wurden.


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Quelle
»Mord durch Widerstandskämpfer bleibt straffrei«. Beschrieben in: Deutscber Anzeiger, 29. 11. 1985.
Torsten SCHULZE, »Tödlicher Einsatz«, in:Focus Nr. 49, 1998, S. 74 ff.
Siegfried M A T L O K (Hg.), Dänemark in Hitlers Hand, Husum, Husum 1988, S. 79.
Warum 7000 Kinder sterben mußten«, in: Hamburger Abendblatt, 26. 5, 1999,
Der Grosse Wendig Band 2. S. 292 mit Bildmaterial
Die Aufnahmen zu den Flüchtlingskindern aus Aalborg sind privat.

Eine Antwort zu “Die Lage 1945 – das Geschehen wenige Wochen vor dem Tag der „Befreiung“ und danach …. Dänemark – Teil VII”
Mein Mann und ich haben den Film „Land of Mine“ gesehen – über deutsche Soldaten, die gezwungen wurden, in Dänemark Landminen zu räumen. Es war herzzerreißend. Danke, dass Sie uns immer wieder auf solche Dinge aufmerksam machen.
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