Japan und der Rest der Welt

Auslöser für diesen Beitrag sind Recherchen zum Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg.

Gestern schrieb eine treue Leserin unter einem anderen Beitrag von mir: „Wenn ich bedenke, viele hunderte von Jahren läuft es schon so! Ja, es ist Wahnsinn!“

Ja, wir müssen weit zurückblicken, um zu verstehen … und manchmal auch weit über die Ländergrenzen hinaus. Dieser Beitrag hier, wird mal wieder etwas länger. Ich mag diesen auch nicht über mehrere Tage „stückeln“, um damit den Lese/Gedankenfluss nicht unterbrechen zu müssen.

Nehmt euch also Zeit. Ihr findet hier mehrere (düstere) Kapitel zur Geschichte Japans in einem Text. Natürlich sind die jeweiligen Epochen nur angerissen, aber sie geben Anlass genug, um uns auch mit dieser Geschichte auseinanderzusetzen – wie so oft hängt alles mit allem zusammen. Und auch hier wird einmal wieder deutlich: Die Handschrift der Täter ist immer gleich.

Inhalt:

• Kurze Einleitung

• Japan zu Beginn des 19. Jahrhunderts

• US-Commodore Perry und seine „Schwarzen Schiffe“

• 31. März 1854 Konvention von Kanagawa

• Pearl Harbor – wie kam es dazu?

• Zwangsinternierung von über 120.000 japanischstämmigen Amerikanern

• Abschließendes zur politischen und geschichtlichen Entwicklung des 19. Jahrhunderts,

8. Dezember 1941: Auf den Kriegsschauplätzen in Europa, Nordafrika und im Atlantik werden künftig auch die US-Truppen auf britischer Seite in die Kämpfe eingreifen. Während das Bündnis der europäischen Achsenmächte Italien und Deutsches Reich mit Japan keine gemeinsame Kriegsführung beinhaltet, koordinieren die britische und US-Amerikanische Armeeführung ihre Aktionen, sie hatten sich schon im Frühjahr auf eine gemeinsame Kriegsstrategie geeinigt.

An dieser Stelle werfen wir einen Blick zurück:

Japan zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Japan hatte sich zwei Jahrhunderte lang von der übrigen Welt isoliert. Nicht nur, gab es keinen Handel mit der Außenwelt (nur im Hafen Nagasaki durften Chinesen und Holländer unter stark eingeschränkten Bedingungen mit Waren handeln), auch die neuen Erkenntnisse der Wissenschaft fanden keinen Eingang in das Land. Und ein kultureller Austausch fand kaum statt.

Davor hatten vor allem die Jesuiten manche Neue in das Land gebracht. Damit war es schon lange vorbei. Die Japaner fürchteten eher alles Fremde, als darauf neugierig zu sein. Die Bewohner des Landes durften dieses nicht verlassen und Ausländer nicht nach Japan kommen. Es gab allerdings ein gewisses Nationalbewusstsein. Die Mächtigen in Japan fürchteten, westliche Idee würden einen verderblichen Einfluss auf das Volk haben. Desgleichen empfanden sie die militärische Übermacht der westlichen Staaten als Gefahr. Ideologische standen sie dem im Westen vorherrschenden Christentum skeptisch gegenüber. Sie meinten (etwas vereinfacht, aber politisch nicht ganz falsch) , der Westen wolle zuerst das Christentum als Weltanschauung vorschicken, um die Nationen des Ostens nachgiebig und weich zu machen, und sie dann um so leichter unterwerfen zu können.

Das Shogunat war mit der Zeit immer schwächer geworden. Den inneren Spannungen folgte ein Anstoß von außen, der die Sache forcierte.

Etliche Staaten im Westen, vor allem England, die USA und Frankreich, auch Preußen, hatten die Möglichkeit erkannt, die sich aus einem Handel mit dem abgeschlossenen Japan ergeben würden.

Die USA waren die schnellsten: Sie schickten Commodore Matthew Perry mit einer Flotte. Dieser kreuzte im Sommer 1853 vor Tokyo auf und verlangte die Aufnahme von Handelsbeziehungen. Die Drohung im Fall einer Ablehnung Gealt anzuwenden, war nicht sehr versteckt. Es handelte sich eben (für die damalige Zeit) typische imperialistische Geste.

In Jahr darauf kehrte Perry zurück und Japan schloss einlenkend den Vertrag von Kanagawa (1854), in dem es den USA für zwei Häfen eigene Zölle, eine eigene Gerichtsbarkeit (!) und eigene Beamte zugestand.

Als nächstes kamen die Russen und zwar nach Nagasaki. Sie stellten ähnliche Forderungen wie Perry. Und in der Folge kam es zu Handelsverträgen mit Russland, Großbritannien, Frankreich und Holland. Diese bestimmten die Handelsbeziehungen Japans mit den Westmächten für die nächsten vierzig Jahre

US-Commodore Perry und seine „Schwarzen Schiffe“ trafen ein und bereiteten das Ende der Samurai.

Und so hat es sich zugetragen:

In Form von vier „Schwarzen Schiffen“, wie die Japaner das Geschwader der US-Navy nannten, das am 8. Juli 1853 in die Bucht von Edo (Tokio) einlief. Jedes dieser dampfgetriebenen Kriegsschiffe war um ein Mehrfaches größer als jedes japanische Wasserfahrzeug der Zeit. Und ihre Besatzungen traten selbstbewusst und bestimmt auf, als sie umgehend eine Audienz beim Kaiser forderten.

An ihrer Spitze stand Commodore Matthew Calbraith Perry (1794–1858). Der Spross aus einer Familie von Seefahrern hatte bereits im Britisch-Amerikanischen Krieg (1812-1815) gekämpft, dann wichtige Kommandos im Mittelmeer und im Krieg gegen Mexiko (1846–1848) übernommen.

Sein Auftrag in Japan war eine Konsequenz aus dem amerikanischen Sieg über Mexiko. Denn dadurch war fast die Hälfte von dessen Territorium US-Eigentum geworden, darunter Kalifornien. Damit aber wurden die USA eine pazifische Macht, die umgehend in die Jagd nach dem Schatz des Meeres eintrat: Wale.

Am 31. März 1854 wurde die Konvention von Kanagawa unterzeichnet. In der Öffentlichkeit waren diese Verträge nicht gern gesehen – sie demütigten nach verbreiteter Ansicht Japan, denn sie waren ihnen aufgezwungen worden. Tatsächlich handelt es sich um sehr seltsame Übereinkommen. In insgesamt fünf Häfen durften sich die Kaufleute der Ausländer auf Dauer niederlassen. Sie konnten dort ihre Geschäfte treiben, ohne das die japanischen Behörden sie überwachten, die japanischen Gesetze hatten hier keine Gültigkeit. Recht sprachen, falls nötig, die ausländischen Konsuln. Es gab zwar Zölle auf die Waren, diese waren aber äußerst gering.

1867 ging die Macht wieder an den Tenno über, der mit der Meiji-Restauration Japan einem umstürzenden Modernisierungsprozess unterwarf. Das Shogunat wurde abgeschafft, die Macht der Samurai gebrochen.

Perry wurde zum Admiral befördert. Die 20.000 Dollar, die ihm der US-Kongress zum Dank zugesprochen hatte, investierte er in die Publikation eines dreibändigen Berichts über seine Expedition. 1858 starb er. Das war aber nicht das letzte Kapitel: 87 Jahre nach seinem Tod schmückte seine Flagge die Zeremonie, in der das Kaiserreich Japan am 2. September 1945 auf der USS „Missouri“ seine bedingungslose Kapitulation im Zweiten Weltkrieg unterzeichnete.

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Pearl Harbor – wie kam es dazu?

• Vor dem 7. Dezember 1941 verschärfte US-Präsident Franklin D. Roosevelt die Beziehungen zu Japan durch gezielte Wirtschaftssanktionen, um Japans Expansion in Asien zu stoppen. Nach der Besetzung Indochinas im Jahr 1940 und 1941 verhängte die USA ein Embargo auf kriegswichtige Güter, insbesondere Erdöl, was Japans Wirtschaft stark unter Druck setzte und schließlich zum Angriff auf Pearl Harbor führte.

• Roosevelt war bekannt, dass Japan aufgrund der Embargos extrem unter Druck stand. Es gibt historische Diskussionen darüber, dass Roosevelt einen Angriff Japans einkalkulierte, um den US-Kriegseintritt zu rechtfertigen.

• Warum warnte Roosevelt PearlHarbor nicht vor? Der japanische Luftangriff auf die US-Pazifikflotte am 7. Dezember 1941 provozierte Amerikas Kriegseintritt. Seitdem hält sich der Verdacht, dass Präsident Roosevelt den Raid billigend in Kauf nahm.

• Dieser Verdacht erhärtet sich über die Zeit und mehr und mehr wurde deutlich: Roosevelt wollte Japan zum Angriff zwingen. Er brauchte einen möglichst hinterhältigen Angriff, um den Widerstand in der US-Bevölkerung gegen einen Kriegseintritt der USA zu brechen. Daher ließ er Japan vorsätzlich durch Handelssanktionen in eine Lage bringen, in der es nur noch den Ausweg des Präventivkrieges gab.

• Der Navy-Geheimdienst hörte Funksprüche der japanischen Marine ab, die US-Army hatte den diplomatischen Code Japans geknackt – Washington war voll informiert, gab sein Wissen aber nicht an die Kommandeure im Pazifik weiter.

Die veralteten Schlachtschiffe waren militärisch nicht besonders wertvoll – die viel wichtigeren Flugzeugträger „USS Enterprise“ und „USS Lexington“ aber waren nicht im Hafen, als der Angriff stattfand.

• Was meinte US-Kriegsminister Henry Stimson mit seinem Tagebucheintrag vom 25. November 1941: „Wie können wir sie (die Japaner; ) in eine Lage manövrieren, in der sie den ersten Schuss abgeben, ohne zu riskieren, dass uns allzu viel passiert?“ War das der versteckte Hinweis auf ein teuflisches Komplott der Roosevelt-Regierung gegen das eigene Volk?

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Und auch das sollten wir wissen: Internierungslager

• Präsident Franklin D. Roosevelt unterzeichnete am 19. Februar 1942 die Executive Order 9066, die die Zwangsinternierung von über 120.000 japanischstämmigen Amerikanern, davon 62 % US-Bürger, während des Zweiten Weltkriegs an der Westküste ermöglichte. Aus Angst vor Spionage wurden sie ohne Anklage in abgelegene Lager verbracht.

• Dieses Dekret ermächtigte Militärkommandanten, „Militärzonen“ einzurichten, aus denen Personen entfernt werden konnten. Es nannte keine ethnische Gruppe, wurde aber gezielt gegen Japanischstämmige angewandt.

• Das Ausmaß der Internierung ist erschreckend:

Rund 110.000 bis 120.000 Menschen wurden aus Kalifornien, Washington und Oregon in sogenannte War Relocation Centers im Landesinneren (z. B. Manzanar) deportiert.

• Die Internierten verloren ihr Eigentum, ihr Geschäft und ihre Freiheit. Sie lebten in Baracken unter rauen Bedingungen mit mangelnder Privatsphäre und Isolierung.

• Die Lager bestanden ab Frühjahr 1942 bis Anfang 1945. Die ersten Freilassungen begannen im Januar 1945, einige Lager blieben bis 1946 offen.

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Abschließend sei zur politischen und geschichtlichen Entwicklung des 19. Jahrhunderts, der amerikanische Sezessionskrieg genannt und der Aufstieg der USA zur Weltmacht. Die USA waren gebietsmäßig immer größer geworden. Dies einerseits durch die stetige Ausdehnung nach Westen, wobei mit den Ureinwohnern, den Indianern, bekanntlich nicht viel Federlesens gemacht wurde.

Und schließlich erwarben die USA einige Staaten durch Krieg (Texas, New Mexiko) oder die unverhohlene Drohung damit.

In der Nacht vom 9. auf den 10. März 1945 legten schließlich aus über 300 amerikanischen B-29 abgeworfene Brandbomben Tokio in Schutt und Asche. Über 100 000 Menschen kamen dabei ums Leben, rund eine Million wurde obdachlos. Bis heute zählt die Bombardierung Tokios zu den verheerendsten konventionellen Luftangriffen der Menschheitsgeschichte. Zugleich ist sie hierzulande vergleichsweise unbekannt und steht gewissermaßen im Schatten der „Atombomben“abwürfe auf Hiroshima und Nagasaki.

Hätte diese Machtstellung (Weltmacht) im 20. Jahrhundert nicht bestanden, würde die Welt heute sicher anders aussehen. Nicht zuletzt war es die Belieferung der Alliierten (vor allem der Sowjetunion) mit militärischer Ausrüstung in einem immensen Ausmaß durch die USA, die das Kriegstreiben erstarken ließ.

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Und wie so manch Amerikaner über die zahlreichen von seinem Land angezettelten und geführten Kriege denkt und schreibt, das lest ihr im Beitrag im Kommentar.

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Quelle

„1000 Jahre Europäische Geschichte das 19. Jahrhundert“ von Rudolf f. Rapsak Hrsg Ulrike Müller Kasper (in Teilen Bild und Text)

Bertelsmann Lexikothek -Bibliothek des 20. Jahrhunderts 1940-1943 S. 200

Welt Artikel vom 1.9.2016 – „Warum warnte Roosevelt Pearl Harbor nicht vor? Sven Felix Kellerhoff

Spiegel Artikel vom 22.02.2016 Internierung in den USA Fotostrecke „Japano-Amerikaner unter Generalverdacht

Beschönigung: (Der Fotograf Ansel Adams durfte damals weder Stacheldraht noch Wachtürme oder Wachen fotografieren.)

Wikipedia: Internierung japanischstämmiger Amerikaner

ORF-at – Dunkles Kapitel wird neu geöffnet Artikel vom 24. Juli 2021

Welt-Artikel vom 8.7. 2022 „Seine schwarzen Schiffe bereiteten das Ende der Samurai“ Berthold Seewald


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