Im Gedenken – 16. April 1945 – Die Tragödie der Goya

April 1945: Zwei Ozeanriesen mit über 18 000 Menschen jagen durch die Nacht – Ein Tag auf Hela – Die Reste der deutschen Handelsflotte sind aufgeboten – Die Kreuzer verlassen die Danziger Bucht – Bombenteppich über den ladenden Schiffen – Drei deutsche gegen neun sowjetische Schnellboote – Torpedotreffer auf Z 34 – Die Goya reißt über 7000 Menschen mit sich in die Tiefe.

In der großen Gesamttragödie beim Ende des Zweiten Weltkrieges blieb der Untergang der >Goya< in der Ostsee nahezu unbemerkt. Es ist auch heute weithin unbekannt, daß mit der >Goya< über 7000 Menschen den Tod fanden und damit der Untergang dieses Schiffes die nach der Wilhelm Gusdoff< vermutlich größte bekannte Katastrophe der Seefahrtsgeschichte darstellt. Eine Erinnerung erscheint geboten.

Anläßlich des Untergangs des völlig mit Flüchtlingen überfüllten Frachtschiffs >Goya< am 16. April 1945 meldete Großadmiral DÖNITZ an HITLER:

»Der Verlust von einigen tausend Menschen beim Untergang des Dampfers >Goya< veranlaßt mich zu dem Hinweis auf den außerordentlich geringen Prozentsatz von nur 0,49% Personal Verlusten bei den bisherigen Transporten im Ostraum.«

Die Flucht über die Ostsee ging bis zum letzten Tag des Krieges weiter, auch nach der offiziellen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht trafen in den folgenden Tagen immer noch Schiffe in den rettenden Häfen in Dänemark und Schleswig-Holstein ein.

Die >Goya< war ein modernes und sehr schnelles Frachtschiff von 7200 Bruttoregistertonnen, das am 4. April 1940 von der norwegischen Ree-derei MowinckeL in Dienst gestellt worden war. Ab Herbst 1944 wurde es zur Evakuierung von Flüchtlingen und von Wehrmachteinheiten aus dem ostpreußischen Raum herangezogen.

Bis April 1945 hatte die >Goya< vier Transporte nach Westen mit fast 20000 Passagieren erfolgreich durchgeführt. Der fünfte Transport sollte von der Halbinsel Hela in der Danziger Bucht ausgehen. Immer noch befanden sich Zehntausende von Menschen dort, deren einziger Fluchtweg über die Ostsee führte. Danzig war mittlerweile von sowjetischen Truppen besetzt worden, massiv bedrängten sie gegen heftigen deutschen Widerstand auch die letzten Gebiete nördlich von Danzig, die noch in deutscher Hand waren.

Am 16. April 1945 sollen die Schiffe >Kronenfels<, >Aegir< und >Goya< sowie die Minensucher >M 256< und >M 328< einen Konvoi bilden. Unter ständigem Artilleriebeschuß und bei mehreren Luftangriffen nahmen sie auf der Halbinsel Hela Flüchtlinge, Verwundete und Wehrmachteinheiten an Bord. Durch einen Bombentreffer im Vorderschiff fiel die moderne U-Boot-Warnanlage des Schiffes aus. Am Abend befanden sich auf der >Goya< weit über 7000 Menschen.: In langsamer Fahrt lief der Verband gegen 19 Uhr in Richtung auf Swinemünde aus.

Seit dem Abend lag im flachen Küstenwasser vor Stolpmünde das sowjetische Garde-U-Boot >L 3< unter dem Kommandanten Vladimir K. KONOVALOV. Er hatte den Befehl, die deutschen Transportwege zu unterbrechen.

Am Abend zuvor hatte er bereits zwanzig Minen vor Heia ab-gesetzt. Als die Beobachter des U-Bootes den Konvoi meldeten, nahm >L 3< langsam Fahrt auf und folgte den Schiffen. Auf Schußweite herangekommen, ließ KONOVALOV zwei Torpedos auf die >Goya< feuern.

Um 23 Uhr 52 trafen beide Torpedos das Schiff, das innerhalb von sieben Minuten sank.

Der Konvoi stoppte nicht, sondern versuchte, so schnell wie möglich das gefährdete Gebiet zu verlassen. Erst fünfzig Minuten nach dem Untergang der >Goya< kehrten die Begleitschiffe zurück und suchten nach Uberlebenden.

11 Stunden nach dem Untergang der >Goya< wurden zufallig noch 28 Schiffbrüchige gefunden. Damit sind wahrscheinlich nur 176 Menschen gerettet worden — von über 7000.

Vladimir K. KONOVALOV erhielt die höchste Auszeichnung als Held der Sowjetunion;.

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Im Kommentar findet ihr auch weitere Beiträge zum Untergang der Gustloff

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Ein Beitrag von Michael Winkler, veröffentlicht im Großen Wendig Band 3. S. 546

Aussage des Zahlmeisters Heinz HOPPE, Moisburg, Interview in dem Dokumentarfilm

Flucht in den Tod, Autor Heiko PETERMANN, 1993.

Aussage des Steuermanns von >1.3<, Iwan PAWLOW

»Die Rekonstruktion der Vorgänge auf dem sowjetischen U-Boot wurde an Hand der Schiffs unterlagen und Aussagen der Besatzungsmitglieder vorgenommen.

Heinz SCHÖN, Ostsee 45, Motorbuch, Stuttgart 1983; ders., Flucht über die Ostsee,

Motorbuch, Stuttgart 1984; ders., Die letzten Kriegs tage, Motorbuch, Stuttgart 1995.

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Es ist das große Verdienst des Bad Salzufler Archivars und Historikers Heinz SCHÖN, der beim Untergang der »Wilhelm Gustloff« gerettet wurde, daß das Thema »Flucht über die Ostsee« und die Schicksale der »Wilhelm Gustloffc, der >Steuben< und der »Goya< einer breiteren Öffentlichkeit

bekannt geworden sind.

Erlebnisbericht – aus den Dokumentationen des Heinz Schön:

„Die Hölle von Hela“. Ich zitiere:

„Vom 10. bis 14. April 1943 erlebte ich an Bord des Dampfers „General San Martin, der auf Hela-Reede ankerte, um Flüchtlinge aufzunehmen und sie nach Kopenhagen zu bringen, „die Hölle von Hela“. Immer wieder wurden wir von sowjetischen Flugzeugen angegriffen. Doch wir hatten Glück. Bombenvolltreffer erhielten die in Sichtweite von und liegenden zwei Schiffe, das kleine Lazarettschiff „Posen“ und der Dampfer „Moltkefels“. Beide Schiffe brannten sofort lichterloh, Frauen und Kinder liefen als brennende Fackeln über Deck, kamen in den Flammen um, erstickten im Rauch, ertranken in der Ostsee und sanken mit dem Schiff auf den Grund der Ostsee.

Das Schicksal von Menschen auf untergehenden Schiffen auf der Ostsee stehen im Mittelpunkt meines Buches: „Wer weiß schon Genaueres über das Ende des Frachters „Consul Cords“, des Dampfers „Göttingen“, des Frachters „Androß“, des Dampfers „Moltkefels“, des Dampfers „Orion/Hektor“, des Dampfers „Karlsruhe“, um nur einige zu nennen, nicht zuletzt auch der großen Passagierschiffe „Steuben“, „Goya“ und „Cap Arcona“? „

—–Zitat /Ausführung /Niederschrift des Heinz Schön – Ende.—–

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Bildmaterial u. a. von Carl Henrich Traben-Trabach aus „Flucht und Vertreibung“ von Grube Frank


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