Die Welt leidet und seufzt weiter unter dem System, das sich bestimmter Gestalten bedienen muss, um bestehen zu bleiben. Sie alle übernehmen die Rolle eines tauglichen Werkzeugs. Ein Geschwür, das sich seit dem Zerfall des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nationen wie ein roter Faden durch sämtliche Länder der Welt zieht.
Arme Welt, arme Menschheit!
Die großen geschichtlichen und politischen Entscheidungen aller darauffolgenden Jahrhunderte fallen grundsätzlich auf höchster, das heißt internationaler Ebene.
Es gab immer Entscheidungen, ganz gleich unter welchem „Führer“, die oft gar nicht im Sinne des Volkes getroffen wurden. Man unternahm diese still und heimlich. Das waren meist keine großen, tiefgreifenden Entscheidungen, zumindest nicht auf den ersten Blick. Aber es waren Entscheidungen mit Folgen.
So auch die Einführung der lateinischen Druckschrift Antiqua im September 1941.

Die Elternschaft war erstaunt, stand doch dieses Prozedere im Widerspruch gegenüber der nach 1933 geforderten Pflege der Fraktur- oder gotischen Schrift, die Antiqua aber strikt abgelehnt wurde.
Daher glaubten auch die meisten nicht, dass die Verordnung auf den Führer zurückgehe. Womit sie wohl recht behalten dürften.
In der Bevölkerung ist die neue Regelung stark umstritten. Besonders im Sudetenland hat diese Maßnahme große Verärgerung hervorgerufen und die Einführung der lateinischen Antiqua-Schrift macht große Schwierigkeiten.
Für den Unterricht und die Schüler bedeutet die Neuregelung eine große Umstellung. Fibeln, Schulbücher und Schreibhefte müssen neu gedruckt werden: Schüler, die bislang nur die deutschen Schriften kannten, müssen neu lesen und schreiben lernen.
Die Neueinführung der Antiqua-Schrift findet auf Anweisung seit Frühjahr 1941 auch bei Zeitungen vermehrt Anwendung und dient der Vereinheitlichung der Schrift in Europa.
Wer lässt sich so etwas nur einfallen?
Ich denke in dem Zusammenhang auch an die Ernennung von Hjalmar Schacht zum Präsidenten der Reichsbank. Ein Beweis, wer die wirkliche Macht hinter dem „Führer“ war. Die Ernennungsurkunde ist von Hitler und von Max Warburg unterzeichnet, dem Bruder Paul Warburgs. Und wer Paul Warburg war, das sollte bekannt sein. Das allerdings sei hier nur am Rande erwähnt.
Zurück zur Einführung der lateinischen Schrift in den Schulen, mit Verordnung vom 1. September 1941.
Der Streit um Fraktur oder Antiqua, um Zweckmäßigkeit und Vorzüge der deutschen und lateinischen Druck- als auch Schreibschrift erreichte um die Wende des 20. Jahrhunderts seinen Höhepunkt.
In der Reichstagsabstimmung im Jahr 1911 wurde der dort eingebrachte Antrag auf Abschaffung der deutschen Schriften mehrheitlich abgelehnt und damit die fruchtbare Zweischriftigkeit für die folgenden 30 Jahre erhalten.
Über einen Geheimerlass vom 3. Januar 1941 wurde mit geradezu an den „Haaren herbeigezogenen“ Begründungen ein Schlussstrich für die deutsche Schreibschrift gezogen.
Und wer hätte es anders gedacht? Auch nach 1945 waren die kulturell Verantwortlichen nicht bereit, sich für die Wiedereinführung im Unterricht einzusetzen. Nur zaghaft und vorübergehend kam es zu einer schulmäßigen Verwendung als Zweitschrift, so zum Beispiel in Bayern von 1950 bis 1971.
Damit wurde die Zahl derer, die diese Schriften lesen oder gar schreiben können, von Jahr zu Jahr geringer.
Übrigens: Ludwig Sütterlin (1865-1917), dessen Name oft fälschlich als Sammelbegriff für alle deutschen Schreibschriftarten verwendet wird, war der landläufig wohl bekannteste Erneuerer. Er stellte seine Buchstaben senkrecht, vereinfachte deren Form auf ein Mindestmaß und legte die Lineatur auf das Verhältnis 1 : 1 :1 fest. Seine Schulausgangsschrift, die mit einem Gleichzuggerät geschrieben wird, fand ab 1914 versuchsweise, ab 1924 verbindlich (Erlass U III A Nr. 138) in den preußischen Grundschulen Eingang und wurde bis 1930 bereits in den meisten deutschen Ländern im Unterricht verwendet (siehe Tafel 4 der Beitragsaufnahmen). Wenig bekannt ist, dass Sütterlin auch eine stilistisch entsprechende lateinische Schulschrift schuf.





Abschließend darf man festhalten: Latein ist die Sprache der Herrschenden, eine tote Sprache. Sie wurde einst eigens dafür geschaffen, um wichtige Schriften nur einer bestimmten Leserschaft zugänglich zu machen. Das geht auf die Zeit der Regentschaft unter Karl dem Großen zurück.
Daraus resultieren dann die Verwirrung stiftenden mönchslateinischen Schriften im Zuge der Verwischung und Erfindung neuer Sprachen (babylonische Sprachverwirrung) in großem Stil u.s.w….
Unsere deutsche Sprache wurde in ein Korsett der lateinischen Grammatik gepresst und zugerichtet, womit die schlimmste Gehirnwäsche deutscher Völker / Kelten/ Germanui / Keltui begann.
Wir schreiben das Jahr 2026 und wir befinden uns in einem heillosen Durcheinander, sich widersprechender verworrener Ideologien. Auch unsere Sprache ist ein Opfer dessen. Vermutlich eines der größten Opfer überhaupt, denn über das gezielte Verhunzen unserer „Ur-Sprache“ hat man die Völker der Welt immer weiter von ihren Wurzeln entfernt.
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Ein kurzer Streifzug durch Geschichte der deutschen Schrift und „Rechtschreibung“ im Sinne der „Vereinheitlichung“ aus der jüngeren Vergangenheit
18. Jh.: Erste staatliche Bemühungen um eine einheitliche Rechtschreibung, geprägt vom Gegensatz zwischen Lautprinzip (Adelung: „Schreibe, wie du sprichst“)
Konrad Duden etabliert ein einheitliches Regelwerk; 1880 erscheint der „Vollständige Orthographische Wörterbuch“ (Duden), der den Grundstein für die moderne Rechtschreibung legt.
1876: Erste Orthographische Konferenz, die versucht, die Rechtschreibung zu vereinheitlichen.
• Ende des 18. Jahrhunderts kam von England, das schon rund 100 Jahre vorher den Schritt von der gotischen zur lateinischen Kursive vollzogen hatte, eine neue Stilrichtung.
1901: Die I. Orthographische Konferenz von 1901 führt zu einer weitgehend einheitlichen Schreibung im deutschsprachigen Raum, der sich auch die Schweiz und Österreich anschließen.
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Quelle
Harald Süß „Deutsche Schreibschrift“ Lesen und Schreiben lernen S. 11- 14
Bertelsmann Lexikothek Bibliothek des 20. Jahrhunderts 1940 – 1943 / Chronik S. 160