Leben gilt es oder Tod – Magst du scheitern oder landen: Immer bleibe selbst Pilot“ (England 20. Mai 1942 – aus „Ein Schicksal in Briefen“.)
Im Gedenken an Rudolf Hess ( *26.4. 1894 – 17. August 1987)

Es war der 28. Versuch, den Frieden zu retten: der HESS-Flug am 10. Mai 1941 – CHURCHILLS Friedensfalle und Verrat an Europa
Für seinen kühnen, vergeblichen Friedensflug erntete Rudolf Hess ein halbes Menschenalter Gefängnis, davon mehr als 10 Jahre in Einzelhaft.
„Sein Tagesablauf ist bis auf die Minute genau geregelt. Um sieben Uhr wird Rudolf Hess geweckt. Er steht auf, macht seine Morgentoilette, frühstückt und liest. Nach dem Mittag wiederholt sich das Ganze: Lektüre, Spaziergang, Abendbrot. Um 22 Uhr wird ihm die Brille fortgenommen und das Licht ausgemacht. Nur wenn Hess es ausdrücklich wünscht, brennt die nackte Glühbirne etwas länger. So geht es Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, jahraus, jahrein – seit 36 Jahren. Seit 36 Jahren sitzt Rudolf Hess in Spandau. Seit 18 Jahren befindet er sich in Einzelhaft. Im Keller steht ein Sarg. Das ist mehr, als irgendein Mensch in der neueren Geschichte jemals zu tragen hatte. – noch dazu ein Unschuldiger.“
Rudolf Hess wurde am 26. April 1894 als Sohn eines deutschen Kaufmanns im damals britisch besetzten ägyptischen Alexandria geboren. Nach mehrjährigem Schulbesuch und ungeliebter Kaufmannslehre trat HESS 1914 als Kriegsfreiwilliger in den Ersten Weltkrieg ein, zunächst im Heer, später bei einer Fliegerstaffel, wo er gegen Kriegsende noch zum Piloten ausgebildet wurde und erste Einsätze flog.
Nach Kriegsende nahm er in München ein Studium der Volkswirtschaft und später bei Professor Karl HAUSHOFER, dem berühmten Geopolitiker ein Studium der Geopolitik auf. Sein persönlicher Ruf als Mensch und Politiker war tadellos. In Deutschland war er beliebter als viele andere hochrangige Politiker der NSDAP, und innerhalb der Partei galt er nicht ohne Grund als >Klagemauer< oder Gewissen der Partei<, als Mann, dem man so gut wie jedes Anliegen und jede Sorge gefahrlos vortragen konnte. Auch im Ausland war seine persönliche Lauterkeit bekannt, und in England schätzte man sein Eintreten für die Verständigung zwischen den beiden Völkern und seinen Einsatz für Treffen und Aussöhnung ehemaliger Frontkämpfer ab 1935. Auch dort galt er als unbestechlich und redlicher Makler – ein Ruf, der auch in den ersten Kriegsjahren nicht wesentlich gelitten hatte. Die britische Kriegspropaganda zumindest sparte ihn bei ihren Angriffen aus.
Um so tragischer ist sein Ende. Nach 46 Jahren Haft waren die Sowjets 1987 unter GORBATSCHOW bereit, den 93- jährigen aus dem Gefängnis in Spandau, in dem er seit vielen Jahren als einziger bewacht wurde, nach Hause zu entlassen. Dies teilte ihm sein tunesischer Krankenpfleger Abdullah MELAOUHI auf Arabisch, was HESS immer noch fließend sprach, mit. Und hier gab es umgehend Handlungsbedarf für die britische Seite. Man wusste, dass HESS trotz aller körperlichen Hinfälligkeit geistig rüstig und vor allem ungebrochen war. Seine Freilassung wäre eine weltweite Sensation mit entsprechender Beachtung durch die Medien geworden, wobei HESS seine Wahrheit des Englandfluges zum ersten Mal der Weltöffentlichkeit hätte mitteilen können. Dies hätte bedeutet, dass die Briten erfahren hätten, dass sie fünf Jahre gekämpft haben und ihr Empire verloren, obwohl sie bereits 1940 ihre Friedensziele ohne einen Schuss hätten erreichen können.
Die >befreiten< Staaten Frankreich, Belgien, Holland, Dänemark, Norwegen und auch Polen hätten erfahren, dass die Deutschen 1940 bereit waren, die Besetzung ihrer Länder aufzuheben. Sie hätten ohne die riesigen materiellen Verwüstungen bei der Rückeroberung schon fünf Jahre früher ihren zivilen Lebensrhythmus wie- der aufnehmen können. Die britische Diplomatie wäre auf Jahre hinaus diskreditiert gewesen.
Und daher verlangte es die britische Staatsräson, dass ein 93-jähriger Greis erdrosselt und damit zum Märtyrer des Friedens gemacht wurde.“








Was zuvor geschah
Nach einem Gespräch mit CHURCHILL kam Reginald LEEPER, der Chef der Abteilung >Spezialoperationen<, zu der Schlussfolgerung, »daß wir wahrscheinlich den Krieg in Europa nicht gewinnen können, wohl aber einen Weltkrieg«.
Aus diesem Grund war CHURCHILL bereit, den Konflikt zu einem Weltkrieg auszuweiten. Das sollte gelingen, indem man durch Schein- friedensverhandlungen HITLER glauben lassen wollte, er habe den Rücken im Westen frei und könne nun gegen Russland marschieren. In diesem Sinne sollte ein Vertreter Deutschlands, der Leiter der Auslandsorganisation (AO), Ernst BOHLE, als Unterhändler nach Schottland fliegen und auf dem Internationalen Roten-Kreuz-Flugplatz Dungavel House zu Scheinfriedensverhandlungen kommen. Als dann aber am 10. Mai 1941 stattdessen unerwartet Rudolf HESS erschien, der mit einem 16 Punkte-Friedensplan den Frieden zu retten glaubte, platzte CHURCHILLS Plan, da HESS sofort die Intrige erkannte.
Ergebnis: Es gab keine, wie vorgesehen, Friedensverhandlungen mit einer Friedenspartei, vielmehr behandelte man Rudolf HESS wie einen Kriegsgefangenen, den man endlos verhörte – zumal er zur Erleichterung CHURCHILLS keine Verhandlungsvollmachten von HITLER vorweisen konnte. Damit war die HESS-Mission endgültig gescheitert, der europäische Konflikt weitete sich aus und wurde zum Weltkrieg mit vielen Millionen Opfern.
(Hans Meiser, abgedruckt im Grossen Wendig Bd. 1. S 653)


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Der Englandflug von Rudolf HESS schien trotz aller Gerüchte, Mutmaßungen und Spekulationen so lange eines der letzten, unlösbaren Rätsel des Zweiten Weltkrieges zu bleiben, bis voraussichtlich im Jahre 2017 die diesbezüglichen Akten im britischen Staatsarchiv freigegeben werden würden, deren Sperrfrist schon einmal bis dahin verlängert worden war. Um dieses spektakuläre Ereignis rankten sich gleich eine ganze Anzahl von Legenden. War HESS auf eigenen Antrieb oder im Auftrag Adolf Hitlers nach Großbritannien geflogen? Was war die Grundlage seiner Verhandlungsposition, und welche Vorschläge hatte er im Gepäck? Wussten die Engländer oder nur bestimmte Engländer – und wenn ja, welche – von seinem Vorha- ben, und waren sie auch über den konkreten Termin informiert? Warum wurden während des Nürnberger Tribunals 1946 die Hintergründe des Fluges nicht ausführlich beleuchtet? Und schließlich: Warum kam Rudolf HESS unter derart mysteriösen Umständen am 17. August 1987 im sogenannten Spandauer Kriegsverbrechergefängnis ums Leben?
Dazu an anderer Stelle mehr.
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Quelle:
(aus „Mein Vater Rudolf Hess – Englandflug und Gefangenschaft“ S. 337 – Wolf Rüdiger Hess)
Ilse Hess England Nürnberg Spandau – Ein Schicksal in Briefen /Gefangener des Friedens / Antworten aus Zelle Sieben
Der Grosse Wendig Band 1 S. 653 -660
Diese Dokumentation zeigt bislang unbekannte Filmaufnahmen von Rudolf Heß, sensationelle Dokumente aus englischen und privaten Archiven sowie Statements von Augenzeugen und namhaften deutschen und britischen Wissenschaftlern.
