Maibaum oder Maistange? Tanz in den Mai? Walpurgis oder doch Beltane? Lieber Mai, sei uns willkommen“ du machst alles neu!

– nordisch „Eggtio“, angelsächsisch „Thrimilchi“ und altfränkisch „Wonnemond“ – was wissen wir eigentlich über den Mai?

Was den meisten unter uns wohl so bekannt ist: Benannt wurde der Monat nach der römischen Pflanzengöttin Maia und dem Wettergott Maius, den Gebieter über Regen, Blitz und Donner.

Nach dem germanischen Ursprung bedeutet Mai „jung“. In der altdeutschen Sprache wurde zum Mai auch „Winnimonath“ gesagt, was so viel wie Weidemonat heißt: Das Vieh wurde dann auf die Wiesen getrieben. Später entstand daraus der „Wonnemonat“.

Der Maibaum oder auch Maistange stehen für die Vereinigung der Vegetationsgöttin mit der Sonne: das Grün für die Fruchtbarkeit und bunter Schmuck für die fröhliche, sonnige Zeit.

Aber das ist ja längst nicht alles.

In dieser Nacht, also vom 30. April auf den 1. Mai, fliegen die Hexen zum Blocksberg, um mit Geistern und Teufeln zu feiern und Menschen zu verzaubern. In dieser Zeit soll es für Geister und Elfen besonders leicht sein aus der Sphäre der Welt der Menschen einzudringen.

Schon die alten Germanen hießen den Frühling beim „Beltane-Fest“ mit Freudenfeuern, Liedern und Tänzen willkommen und sie besuchten die „Hagzissen“, die weisen Frauen, die in den heiligen Hainen (Germanische Hag) saßen, um sie nach der Zukunft zu befragen.

Mit der Christianisierung sollte es mit derart „heidnischen Hokuspokus“ vorbei sein. Allerdings wollte der Volksglaube von seinem Frühlingsfest nicht lassen, deshalb deutete die Kirche die Freudenfeiern zu Treffen finsterer Mächte um.

Aus den guten Geistern der Kelten wie aus germanischen Hagzissen machte die Kirche die Hexen, denen fortan nachgesagt wurde, nur bösen Zauber zu betreiben und mit dem Teufel im Bunde zu sein. Zum Schutz vor den düstern Mächten bot die Kirche, die am 1. Mai heilig gesprochene Walburga an, nach der die Walpurgisnacht ihren Namen erhielt.“

Doch der Mai ist noch so viel mehr. Der Mai ist ein Liebes- und Blumenmonat, in dem sich die Frühlingsgefühle der Menschen, Tiere und Pflanzen auf dem Höhepunkt befinden.

Und noch etwas bewahrt dieser Monat: Er versinnbildlicht ein erhabenes Inbild der verehrungswürdigen Frau schlechthin. So bezieht sich auch das Liedgut – der Minnesang des Hochmittelalters – auf die verehrungswürdigen Frauen. Es ist eben der Monat Mai, der den Sänger zu höchster Lust und Liebe beflügelt. Man möchte annehmen, die Minnelieder hätten auch ihren Ursprung in alten Preisliedern auf eine heidnische Göttin, die im Frühling besonders verehrt wurde.

Das waren noch zu Zeiten, als die Stellung des Weibes eine Bessere war. Die meisten unter uns wissen nur allzu gut, welchen Wert das Weib im Namen Gottes und unter der Allmacht der Kirche erfahren hat. Abgesehen von der schleichenden Entrechtung: Erst durch die Einordnung der Hexe in das von der Kirche gepredigte Muster von schwarzem Zauber und Teufelspakt konnte sich der Hexenglaube im Volk zu einer breitangelegten Hexenverfolgung ausweiten, die über hundert Jahre lang in deutschen Landen umging.

Unter dem „heiligen Kreuz“, verlor die „Frau“ mehr und mehr ihrer Rechte.

Unter Germanen jedoch, war das Wort des Weibes heilig!

Denn die Germanen glauben in den Weibern sei etwas Heiliges und Vorhersehendes. Deshalb verschmähen sie weder Ratschläge noch vernachlässigen sie ihre Antworten (aus Tacitus „Germania“).

Und noch eine kurze Info über die Erwähnung des ersten Maibaums:

Wie schon oben erwähnt, untrennbar mit der Walpurgisnacht verkettet ist der darauffolgende Tag, der erste Mai, der bis heute für Maiwanderungen, Maibäume und Liebesbräuche bekannt ist. Die erste Erwähnung eines Maibaums findet sich für das Jahr 1224 in Beschwerden des Mönches Caesarius von Heisterbach über das heidnische Treiben in Aachen. (nachzulesen in seinem Dialogus miraculorum)

Doch das Maifest selbst ist eines unserer ältesten Feiertage. Man darf davon ausgehen, dass es schon von den ersten Bauern und den Megalith-Leuten zelebriert worden ist, die Kelten haben es lediglich übernommen. Und so tragen die Völker das Fest immer weiter, und weiter und weiter. Es ist nun mal das Fest des Frühlings, der Fruchtbarkeit und der Lebensfreude. Denn nun vermählt sich die schöne Tochter der Erdgöttin, die Göttin der Vegetation, mit dem strahlenden Sohn des Himmels, mit der siegreichen, immer höher stehenden Sonne.

—————————–

Unter den zahlreichen Aufzeichnungen, die mir meine Mutter ausgehändigt hat, habe ich das Geschriebene über Walpurgis entdeckt. Den Text, den ihr auf dem Bild seht, hat sie noch auf einer Schreibmaschine getippt. Das muss zu Beginn der 1990er Jahre gewesen sein. Die Mutti war eine zeitlang als Reiseleiterin unterwegs, und streute so die Geschichten, Fabeln und Legenden unter die Menschen. Es war ihr stets ein großes Bedürfnis unsere alten Geschichten, eng verbunden mit unseren Wurzeln, anderen zuteil werden zu lassen. Und so erinnere ich mich auch noch gut an diese Erzählung über Beltane.

—————————————————————————————————

Alles neu macht der Mai,

Macht die Seele frisch und frei.

Laßt das Haus, kommt hinaus!

Windet einen Strauß!

Rings erglänzet Sonnenschein,

Duftend prangen Flur und Hain:

Vogelsang, Hörnerklang

Tönt den Wald entlang.

Wir durchzieh’n Saaten grün,

Haine, die ergötzend blüh’n,

Waldespracht, neu gemacht

Nach des Winters Nacht.

Dort im Schatten an dem Quell

Rieselnd munter silberhell

Klein und Groß ruht im Moos,

Wie im weichen Schoß.

Hier und dort, fort und fort,

Wo wir ziehen, Ort für Ort,

Alles freut sich der Zeit,

Die verschönt erneut.

Widerschein der Schöpfung blüht

Uns erneuend im Gemüt.

Alles neu, frisch und frei

Macht der holde Mai.

Hermann Adam von Kamp (1796-1867)

————————————————————-

Textquelle: Iwobrand, Urquellen germanischen Heidentums.

Wolf Dieter Storl: „Magie der Sonnenwenden“.


Hinterlasse einen Kommentar