Darüber lesen wir in dieser Woche .., und über das weitere Geschehen vor und nach dem sogenannten „Tag der Befreiung“

Zu den ersten Demontagen ist es in Ostdeutschland gekommen. Bevor die Sowjets den Polen den größten Teil Ostdeutschlands zur Verwaltung übergaben und aus diesem abzogen, hatten sie zuvor mitgenommen, was sie konnten. Die Privatwohnungen wurden zum x-ten Mal durchwühlt und geplündert. Darüber hinaus wurden aber vor allem Maschinen und Einrichtungen aus den Betrieben abgebaut und entwendet. Das gesamte Ausmaß der Plünderung durch die Rote Armee lässt sich nicht in Zahlen wiedergeben, da die Plünderer natürlich über ihre Beute nicht Buch führten.

Die Durchführung der Demontagen in Westdeutschland war von den Vernichtungsabsichten M O R G E N T H A U S geprägt. Nach inoffiziellen Angaben wurden in der amerikanischen 186, in der britischen 496 und in der französischen Besatzungszone 170 Firmen und Fabriken teilweise oder vollständig demontiert.


Hierbei handelt es sich jeweils um Mindestzahlen; andere Quellen, wie Herbert GRABERT und G . W. HARMSSEN, gehen von wesentlich höheren Zahlen aus (USA 388, Frankreich 510 und Britannien 842). In keiner Besatzungszone wurden vollständige Listen der abgebauten Maschinen und Werksanlagen geführt.
Eine rechtliche Grundlage für die von den Siegermächten vollzogenen Demontagen hat es nie gegeben. Der Haager Landkriegsordnung (HLKO) zufolge waren die Zerstörung oder Wegnahme feindlichen Eigentums, außer in den Fällen, bei denen die Zerstörung oder Wegnahme durch die Erfordernisse des Krieges dringend bedingt werden, ausdrücklich verboten Lediglich ein Friedensvertrag hätte Demontagen vereinbaren und gegebenenfalls rechtfertigen können. Einen solchen hat es zu dem Zeitpunkt der Zerstörung und Wegnahme jedoch nicht gegeben
Bei allen Schätzungen sind die in astronomische Größen gehenden Neben- und Folgeschäden – sogenannte stille Reparationen – noch nicht berücksichtigt. Wir sprechen hier von Reparationen im Werte von wenigstens 20 Milliarden US-Dollar, die heute viele hundert Milliarden Dollar wert sind.










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Vgl. James BACQUE, Crimes and Mercies. The Fate of German Civilians under Allied Occupation,
1944-1950, London 1998, S. 96.
Vgl. Handelsblatt, 22. 4. 1948, zitiert nach Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlingeund Kriegsgeschädigte (Hg.), Dokumente deutscher Kriegs- Schäden. Bd. 1 u. 3, Bonn 1958/1962, S. 72.
Fotos stammen aus der Bertelsmann-Lexikothek Bibliothek des 20. Jahrhunderts 1944-1947
