Zum bevorstehenden Tag der Befreiung:

Wie gestaltete sich die Verständigung der Befreier gegenüber den Befreiten?

Auszüge aus einem US-Handbuch zur „Verständigung“ nach dem Ende des Krieges im „Frieden“ in der Nachkriegszeit …

In dem einschlägigen, zunächst geheimgehaltenen US-Handbuch zur Besatzungspolitik heißt es unter anderem:

»Definition: >Non-Fraternisation< ist die Vermeidung des Sich-Einlassens mit Deutschen in alle Arten von Freundschaft, Leutseligkeit oder Vertraulichkeit, weder im einzelnen noch in Gruppen, weder im amtlichen noch im nichtamtlichen Umgang.

• Das Verbot sollte verhindern, dass amerikanische Soldaten Mitleid mit der deutschen Bevölkerung entwickeln, und die Überzeugung durchsetzen, dass die Deutschen für den Nationalsozialismus verantwortlich waren.

• Amerikanischen Soldaten wurde befohlen, sich nicht mit Deutschen (weder Männern, Frauen noch Kindern) zu befreunden. Dies galt für den Besuch von Häusern, Gespräche auf der Straße, das Teilen von Nahrungsmitteln oder Geschenke.

• Der Slogan „Do not fraternize“ (Nicht verbrüdern) war zentral in den Anweisungen von General Dwight D. Eisenhower und Omar N. Bradley.General Eisenhower hätte sich niemals als Befreier definiert, er sah in der amerikanischen Armee vielmehr die siegreichen Eroberer, und proklamierte diese Überzeugung auch.

Im Einzelnen:

• Es wird keine Fraternisation zwischen alliierten Personen und den deutschen Beamten oder der Bevölkerung geben. Diese Politik der Non-Fraternisation ist notwendig, um das Verhältnis zwischen den Besatzungsmächten und ihnen nachdrücklich zu betonen und ihre Bemühungen zu verhindern, die Ziele unserer Eroberung zu vereiteln

• Heirat mit Deutschen oder Personen aus anderen Feindstaaten ist verboten.

• Folgendes muss verboten werden: deutsche Wohnungen zu besuchen; mitDeutschen zu trinken; ihnen die Hand zu geben; mit ihnen zu spielen oderSport zu treiben, ihnen Geschenke zu geben oder von ihnen anzunehmen; an deutschen Tanz- oder anderen Gemeinschafts-Veranstaltungen teilzunehmen;Deutsche auf der Straße, in Theater, Gasthäuser, Hotels oder irgendwo (außer im amtlichen Auftrag) zu begleiten; mit Deutschen zu diskutieren oder zu argumentieren, insbesondere über Politik oder die Zukunft Deutschlands.

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Ein anderes und nicht weniger besonderes Dokument der Heuchelei und Geschichtsfälschung ist die Begründung des Fraternisatiortsverbots, die der für die Briten in deren Besatzungszone zuständige Oberbefehlshaber in Deutschland, Feldmarschall MONTGOMERY, in einer Botschaft an die deutsche Bevölkerung vom 10. Juni 1945 gab.

» Seine Botschaft findet ihr als Bild im Kommentar.«

Daß MONTGOMERY in seiner Botschaft auch die damals schon längst widerlegte These von der Kriegsschuld Deutschlands am Ersten Weltkrieg (Art. 231 des Versailler Diktats) aufwärmte, beweist, dass keine Lüge zu dumm war, um sie gegen Deutschland zu verwenden.

Und was für ein „von Natur aus freundliches und entgegenkommendes Volk“ die Engländer sind, dürfte anhand derer Kriegsführungen bekannt sein.

Die Deutschen wurden also von ETWAS „befreit,“ um sie anschließend DAFÜR verantwortlich zu machen …?

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Auch das sollte an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben: Die deutschen Soldaten hatten in den meisten Ländern während des Krieges ein gutes Verhältnis zur Bevölkerung. Im Gegensatz dazu verboten die Alliierten nach Ende des Krieges ihren Truppen jede Verständigung und Versöhnung mit den besiegten Deutschen und setzten die Politik der >Non-Fraternisation< für einige Zeit durch.

Leider sind den wenigsten diese Art der Vorgänge bekannt, und so erklärt es sich wohl, dass die Eroberung Deutschlands durch amerikanische Truppen von vielen Deutschen mehr als eine Befreiung denn als die Besetzung durch feindliche Truppen empfunden wird.

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Infotafel:

Die Unterzeichnung des eigentlichen Nichtverbrüderungsbefehls für die alliierten Streitkräfte durch General Eisenhower erfolgte interessanterweise am 12. September 1944. Der Befehl wurde also genau einen Tag, nachdem die ersten amerikanischen Verbände deutschen Boden betreten hatten, erlassen, und nicht wie oft fälschlicherweise behauptet, im Frühjahr oder April ’45.

Das Verbrüderungsverbot wurde zunächst von einem massiven Informations-, Indoktrinations- und Propagandaprogramm begleitet, welches den Versuch unternahm, den Soldaten Gründe des Verbots plausibel zu machen oder auch einzutrichtern. Zu diesem Zweck wurden alle verfügbaren Medien – die Soldatenpresse, besondere Broschüren und Plakate ebenso wie Filme und der Rundfunk- eingesetzt.

Ein besonders Propagandamittel stellten die kurzen Radiospots dar, die im Frühjahr 1945 durch alliierte Militärsender ausgestrahlt wurden. Zwei dieser Spots möchte ich gerne zitieren:

„Die Deutschen müssen lernen, daß sich das Kriegführen nicht lohnt. Sie müssen dies auf die harte Tour lernen. Wenn du freundlich mit ihnen umgehst, werden sie dich für weich halten. Fraternisiere nicht!“ Und: „Im Herzen, Körper und Geist ist jeder Deutsche Hitler. Hitler ist der einzelne Mann, der für die Glaubenssätze der Deutschen steht. Schließe keine Freundschaft mit Hitler, fraternisiere nicht!“

Es bleibt festzuhalten, daß das Fraternisierungsverbot von vielen, wenn auch nicht von allen Soldaten eingehalten wurde. Nach der Kapitulation der Wehrmacht konnte man, wie amerikanische und britische Stäbe aus Befragungen der Soldaten schlossen, davon ausgehen, dass das Verbot nicht viel länger aufrechtzuerhalten war.

Gerade deshalb ist es bemerkenswert, dass das Fraternisierungsverbot über den 8. Mai 1945 hinaus uneingeschränkt fortbestand.

(übernommen aus einem Vortrag von Johannes Kleinschmidt: Amerikaner und Deutsche in der Besatzungszeit – Beziehungen und Probleme)

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Handbook governing Policy and Procedere for

the Military Occupation of Germany des ¡Supreme Headquarters Allied Expeditionary Forcec, hg. >by command of General Eisenhower von W, B. Smith, (durchgesehene Ausgabe vom

April 1945) vollständige Ausgabe im Archiv des Verfassers;

ausführlichere Zitate in: Jalta—Potsdam und die Dokumente zur

Zerstörung Europas,

Grabert, Tübingen

1985, S. 73 ff.


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