Nun kommen wir zu den Rheinwiesenlagern …

Im Sommer 1943, als Churchill dabei war, London zu verlassen, um Roosevelt auf einer Konferenz in Quebec zu treffen, fragte ein Reporter des Time-Magazins; «Werden Sie Deutschland Friedensbedingungen anbieten? » Churchill erwiderte in jovialem Ton: «Um Himmelswillen: Nein! Die würde dies sofort annehmen. Alle lachten.“

Und so nahm alles seinen Lauf….

Wer sich näher mit der Geschichte beschäftigt, wird nachweislich davon unterrichtet, dass die Deutschen während der Kriegszeit mehr als einmal die Friedensfühler ausstreckten. So wie wir es bereits aus Zeiten des Ersten Weltkrieges wissen.

Wie und wer hat über das Schicksal der deutschen Gefangenen entschieden?

Dazu wähle ich die einleitenden Worten des James Baque aus seinem Buch „Der geplante Tod „(Der gesamte Inhalt des gut recherchierten Buches ist aufschlussreich und dramatisch zugleich).

„Josef Stalin sagte beim Abendessen, dass er nach dem Krieg 50’000 deutsche Offiziere zusammentreiben möchte, um sie zu erschießen. Winston Churchill war entsetzt. «Lieber würde ich mich hier und jetzt in den Garten führen und erschießen lassen, als meine eigene und die Ehre meines Landes durch eine solche Infamie beflecken zu lassen», antwortete er mit Heftigkeit. Franklin Roosevelt reagierte mit Albernheit und schlug als Kompromiss vor, nur 49’000 Gefangene zu erschießen. Stalin, der Gastgeber, veranstaltete eine Umfrage unter den neun Männern am Tisch. Der Sohn des Präsidenten, Elliott Roosevelt, Brigadegeneral der US Army, erwiderte mit einem Trinkspruch auf den Tod «nicht nur jener fünfzigtausend … sondern ebenso vieler Hunderttausender weiterer Nazis». Starr vor Staunen hörte Churchill ihn sagen: «… und ich bin überzeugt, dass die Armee der Vereinigten Staaten das unterstützen wird. » Hocherfreut umarmte Stalin den jungen Roosevelt und brachte seinerseits einen Trinkspruch auf den Tod der Deutschen aus.“

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Was ein zivilisiert denkender Mensch noch nicht einmal zu denken wagt…

Die besiegten Soldaten hofften auf milde Behandlung, doch es sollte alles anders kommen.

„100 Mann ein Brot“

…, Folter, Misshandlung, fast eine Million in amerikanischer und französischer Gefangenschaft vernichtete Soldaten.

Ende April 1945 ertönte am größten Teil der Westfront statt Kanonendonners das Schlurfen von Millionen Stiefeln der Kolonnen entwaffneter deutscher Soldaten. Erschöpft marschierten sie den Stacheldrahtumzäunungen der Alliierten entgegen. Versprengte Feindeinheiten feuerten ein paar Salven, bevor sie sich im Lande auflösten und schließlich von alliierten Soldaten gefangen genommen wurden

(Vorwort übernommen von Oberst Ernest E Fisher Jr.)

Auszug aus einem Bericht eines Zeitzeugen (im Beitrag im Kommentar):

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Es war ein gespenstischer Anblick, als die deutschen Soldaten in Sechserreihen, bewacht von französischen Soldaten, an unserem Haus vorbeizogen. Es herrschte eine bedrückende Stille, während sich die ausgehungerten Gefangenen in Richtung Brohl schleppten. Wenn ein Gefangener zusammenbrach, schlugen die Bewacher mit Gewehrkolben auf ihn ein, bis er sich mit Hilfe seiner Kameraden wieder erhoben hatte und weitermarschieren konnte“. (Ein Augenzeuge berichtet)

„Außer jedem Zweifel steht, dass vom April 1945 an Männer in enormer Zahl sowie etliche Frauen, Kinder und alte Leute in den amerikanischen und französischen Lagern in Deutschland und Frankreich an klima- und witterungsbedingten Krankheiten, an den Folgen unzureichender Hygiene, an Krankheit und Hunger gestorben sind. Die Zahl der Opfer liegt zweifellos bei mehr als 800’000, beinahe mit Sicherheit bei mehr als 900’000 und durchaus wahrscheinlich bei mehr als einer Million. Die Ursachen ihres Todes wurden wissentlich geschaffen.

Die Kriegsgefangenen hausten vielfach in Erdlöchern oder auf der blanken Erde auf den Feldern und Rheinwiesen, wo sie Wind und Wetter ausgesetzt waren. An Erschöpfung, Unterernährung, Krankheit und Hunger starben die Soldaten in den Lagern.“

Obwohl es genügend Ressourcen gab, um die Menschen ausreichend zu verpflegen, hat man sie unter teils unmenschlichen Bedingungen unter freiem Himmel in großen, unterversorgten Lagern eingepfercht. Um sich vor Kälte, Regen und Sonne zu schützen graben die Menschen mit bloßen Händen oder Dosen Löcher in die Erde. Die Angst darin zu sterben ist allgegenwärtig.

Systematisch wurde deren Tod durch bewusst gesteuerten Nahrungsentzug vorangetrieben, obwohl in den Depots genügend Lebensmittel vorhanden waren und somit die Genfer Konventionen nicht eingehalten wurden.

Die Phasen einer Tragödie auf einen Blick:

Phase 1: Gegen Ende 1944: Die Deutschen starben, Städte waren zerbombt und zerstört, Streitkräfte eingekreist und auf allen Fronten auf den Rückzug. Und doch fürchteten die Alliierten Deutschland trotz ihrer eigenen ungeheuren Übermacht.

Churchill fürchtete das der deutsche Kampfgeist wieder erstarken könnte…

Roosevelt befürchtete, dass die deutsche Industrie sich wieder erholte und die Märkte der Welt erobern würde…

Stalin befürchtete, dass der deutsche Faschismus wieder auferstehen und Kommunismus vernichten würde…

Phase 2: Die Mächtigen besprachen den Plan Deutschland zu pastoralisieren, das soviel bedeutet wie: Selbst, wenn sich die Deutschen ergeben hätten, es keinen Frieden geben würde. Stattdessen würde der Krieg fortgesetzt, nur mit anderen Mitteln.

Phase 3: Alliierte warfen Flugblätter ab, über deren Inhalt Friede, Nahrung und Obdach versprochen wurde, wenn die deutschen Soldaten sich ergeben würden. Kurz: Sie verbreiteten (falsche) Hoffnung.

Phase 4: Diese erfolgt unter den Fittichen des Finanzministers Morgenthau. Gemäß dem Morgenthau-Plan hat Roosevelt das Ansinnen Deutschland in Weideland umzuwandeln befürwortet, unter dem Widerspruch Churchills, der das Vorhaben als widernatürlich bezeichnete. Doch als 6 Milliarden Dollar über die englische Tafel flossen, segneten Churchill und Rossevelt den Plan in aller Heimlichkeit ab.

Phase 5: Die Presse deckt auf, dass gemäß dem Morgenthau Plan die Deutschen dem Hungerkrieg ausgeliefert würden. Das wiederum führte bei einigen Menschen in Nordamerika und Britannien zu Empörung, weil sie Frieden und nicht Rache wollten. (Darauf änderte man den Namen Morgenthau-Plan in Generalstabsbefehl jcs 1067 um)

Phase 6: Angeblich ständen die deutschen Kriegsgefangenen nach der Genfer Konvention unter dem Schutz des internationalen Roten Kreuzes. Das zumindest behaupteten die Alliierten in einer Pressekonferenz im Mai 1945.

Phase 7: Doch hinderten die Amerikaner das Rote Kreuz daran die hungernden Gefangenen aufzusuchen. Dem nicht genug: Eisenhower versuchte dieser Art der Behandlung einen rechtlichen Anstrich zu geben und beauftragte Marshall eine Kategorie für die gefangenen deutschen Soldaten zu erfinden. Darüber verloren die Soldaten das Recht im Lager von Inspektoren des Roten Kreuzes besucht zu werden. So gelang es Eisenhower die tödlichen

Bedingungen in den Gefangenenlagern der US- Armee vor der Öffentlichkeit zu verbergen.

Info Tafel

Während die deutsche Bevölkerung schon stark hungerte und in den Rheinwiesenlagern Zehntausende deutscher Gefangener verhungerten, ließen die Amerikaner im Juni 1945 zwei Güterzüge voller Lebensmittel aus den gefüllten Lagerhäusern der Schweiz – vom IKRK nach Augsburg und Mannheim entsandt – von dort voll wieder in die Schweiz zurückfahren, wobei die US-Offiziere den verwunderten Schweizer Begleitern erklärten, dass ihre Vorratsdepots voll seien und die Deutschen keine weiteren Nahrungsmittel brauchten.“

Selbst als Max HUBER, der damalige Präsident des IKRK, deswegen an das amerikanische Außenministerium schrieb und um Abhilfe bat, blieben die Amerikaner hart, und EISENHOWER, der US-Oberbefehlshaber in Deutschland, teilte (wahrheitswidrig) mit, daß gemäß der von der Armee mit dem Amerikanischen und Britischen Roten Kreuz getroffenen Vereinbarung die Verwendung von Lebensmitteln (des Roten Kreuzes) für Feindpersonen verboten sei.

Berichte von Überlebenden dazu gibt es genug.

Ausführlich mit Erlebnisbericht von Alfred Martensen im Kommentar.

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Paul CARELL und Günter Böddecker, Die Gefangenen, Ullstein, Frankfurt/ M.-Berlin 1995;

Ludwig PETERS, Wir haben Euch nicht vergessen!

Das Schicksal der

deutschen Kriegsgefangenen., Grabert, Tübingen 1995;

Claus NORDBRUCH, Der deutsche Aderlaß, Grabert, Tübingen 2001, Kapitel »In

Kriegsgefangenenlagern

«, S. 203-212.


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