Ein Streifzug durch die Zeit nach der „Befreiung“ unter den Befehlen der Besatzungsmächte

Über die Bilder ergibt sich lediglich ein Schnelldurchlauf, was sich allein nur bis 1946 unter der Kontrolle der Besatzungsmächte ereignet hat. In den Jahren darauf ging es nicht weniger „spektakulär“ zu.

Samuel GOUDSMIT erhält vom US-Staat einen Orden für seine Verdienste. Unmittelbar
nach der Landung der Alliierten 1944 hatte er den Auftrag erhalten, mit seiner Gruppe sämtliche wissenschaftlichen und industriellen
Geheimnisse in Deutschland aufzustöbern,
bevor sie vernichtet würden.

Durch gezielte Vernichtungsstrategie ist Deutschland heute in eine kulturell-wissenschaftliche Zweitrangigkeit und unüberbietbare moralische Verkommenheit gestürzt worden, man wird das Ziel erreichen Deutschland zu einem unterentwickelten Land hinabzuwirtschaften.

Was wir dazu noch wissen sollten:

Die Alliierten beschränkten sich bei ihrer Plünderung Deutschlands 1945 keineswegs nur auf den Raub deutscher Patente und Kunstwerke oder die Demontage deutscher Industrieanlagen. Besonders interessiert waren die Sieger an den Schöpfern dieser unermeßlichen Schätze. 1945 spielte sich der gewaltigste Diebstahl von geistigem Eigentum ab. Die entdeckten und gestohlenen

wissenschaftlichen, industriellen und militärischen Geheimnisse des nationalsozialistischen Deutschlands waren, wie WALKER mit Berufung auf Washington zitiert, »die größte einzelne Quelle dieser Art von Material in der Welt, die erste ordentliche Ausbeutung der Geisteskräfte eines ganzen Volkes«. Es handelte sich in der Tat um den größten Geistesraub in der Weltgeschichte.

Bekanntlich hatten die Amerikaner bei Eintritt des Waffenstillstandes am 9. Mai 1945 auch große Teile Mitteldeutschlands und des Sudetenlandes besetzt. Die dort ansässigen Wissenschaftler und Techniker galt es selbstredend noch vor dem Abzug der US-Truppen zum 1. Juli 1945 für die eigenen Zwecke zu sichern. Folglich wurden in Thüringen und Sachsen Hunderte Repräsentanten

der deutschen Intelligenz »überredet«, zunächst einmal in die amerikanische Zone überzuwechseln. Diese Aktionen liefen von April bis Juni 1945 auf Hochtouren, schließlich handelte es sich um überaus lohnende Menschenware.

Die Briten hatten zum Zweck der Sicherung > ihren deutschen Fachleute in England Büros eingerichtet. Folglich mussten die deutschen Spezialisten zu den befohlenen Befragungen direkt auf die Insel gebracht werden, von der sie, britischen Vorstellungen zufolge, nicht mehr zurückkehren sollten, um auf diese Weise dem Zugriff der Konkurrenz entzogen zu werden.

Die Franzosen waren im »Deutschenklau< noch gewiefter als die Briten: Französische Agenten rekrutierten deutsche Wissenschaftler und Fachkräfte unter den Augen der Amerikaner. Sie »heuerten< deutsche Spezialisten, die vor dem Abzug der Amerikaner aus Mitteldeutschland nach Heidenheim evakuiert worden waren, direkt im amerikanischen Gewahrsam an. Auch erreichten sie es, zum Beispiel Farbfilmspezialisten der IG Firma Agfa (Wolfen), Konstrukteure von BMW sowie Windkanaltechniker, die bereits für den Abtransport in die USA ausgewählt worden waren, nach Frankreich zu schleusen.

Unmittelbar hinter den kämpfenden alliierten Truppen rückten 1945 anglo- amerikanische Verbände unter der Bezeichnung CIOS nach. Diese unter Führung des amerikanischen Offiziers Ted BEETS und dem vom britischen Versorgungsamt abgestellten R. F. SINSTEED stehenden Verbände hatten die Aufgabe, im Deutschen Reich geistiges Eigentum zu sichten und sich gegebenenfalls anzueignen. Darüber hinaus hatten die CIOS-Truppen den Auftrag, die deutsche Intelligenzschicht an einer etwaigen Flucht ins Ausland zu hindern.

Die CIOS-Einheiten setzten sich aus 10000 Technikern und Wissenschafdern zusammen, die in 3000 Gruppen verbänden in über 33 000 deutsche Fabriken, Universitäten, Laboratorien, Bibliotheken und Büros eindrangen und tonnenweise Dokumente, Materialproben, Warenzeichen,

Patentschriften und Maschinen beschlagnahmten, deutsches Spitzenpersonal verhörten und verschleppen ließen. Allein im Reichspatentamt wurden 186000 Akten gestohlen.

Der Gesamtumfang und der Wert gestohlener Patente durch die Alliierten kann nur geschätzt werden. Der US-amerikanische Professor für Geschichte (Kalifornien und Düsseldorf) John GIMBEL zeigt Beispiele auf, in denen die Geistesarbeit eines einzelnen deutschen Wissenschaftlers oder Technikers amerikanischen Firmen Profite von vielen Zigmillionen Dollar eingebracht hatte.1 Den Enthüllungen des Historikers zufolge stahlen die Alliierten Deutschland geistiges Gut und Patente im Werte von 4,8 Milliarden bis 12 Milliarden US-Dollar.

Zu beachten ist dabei noch, dass diese Summe nur einen Näherungswert darstellt. Alle Ausraubungen und Zerstörungen konnten gar nicht erfasst werden. Die Auswirkungen reichen bis weit über das Jahr 1952 – dem Ende des MARSHALL-Plans – hinaus und sind heute noch spürbar. Deutschland und damit ganz Europa wurden dadurch im weltweiten Wettbewerb unaufholbar zurückgeworfen.

Wer noch ein bisschen mehr über die „Zeit der Besatzung“ bis in die Gegenwart hinein, erfahren möchte.., der findet im Kommentar noch einen anderen Beitrag dazu.

Sowie einen weiteren über die Patente und den Marshall-Plan.

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Alle Tabellen (siehe Beitragsfoto) nach Karl BASSLER. basieren auf den Darstellungen

in: Karl BASSLER, »Der Marshallplan- Schwindel und die Zukunft Europas«, in: Deutschland in Geschichte und Gegenwart, Nr. 4, 1997, S. 1-10.

Weiter Quellen und Literaturverweise:

Die Ende 1945 in Hessen ins Leben gerufene Interessengemeinschaft > Zwangsevakuierte

Wissenschaftler und Techniker Mitteldeutschlands « gab über ihren Sprecher, Prof. Adolf SMEKAL, zunächst an, daß 1294 Wissenschaftler und Techniker und 4000 ihrer Familienangehörigen von diesen Maßnahmen betroffen waren. 1948 wurden diese Zahlen

auf 1800 und 5500 angepasst.

Für detaillierte Angaben siehe Claus NORDBRUCH, Der deutsche Aderlaß.

Wiedergutmachung an Deutschland und Entschädigung für Deutsche, Tübingen 22003,

S. 341 ff. Zitiert nach: Bernd RULAND, Werner von Braun. Mein Leben für die Raumfahrt, Offenburg -1969, S. 262

John GIMBEL, Science, Technology, and Reparations. Exploitation and Plunder in Post

War Germany, Stanford 1990, S. 50f.

Tom BOWER, Verschwörung Paperclip. NS- Wissenschaftler im Dienst der Siegermächte,

München 1988, S. 125.

Hans Dollinger (Hg.), Deutschland unter den Besatzungsmächten 1945-1949. Seine Geschichte

in Texten, Bildern und Dokumenten, München 1967, S. 282.

Thomas STAMM, Zwischen Staat und Selbstverwaltung. Die deutsche Forschung

im Wiederaufbau 1945- 1965, Köln 1981, S. 48.

Nicholas BALABKINS, Germany under direct controls. Economic aspects of industrial disarmament 1945-1948, New Brunswick 1964, S. 142.

Herbert GRABERT, Hochschullehrer klagen an. Von der Demontage deutscher Wissenschaft,

Göttingen 21952, S. 25.

Schreiben des Deutschen Industrie- und Handelstages vom 20. 7. 2000 an den Verfasser.

Schreiben des Deutschen Patent und Markenamtes


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