Über zwei Millionen Russlanddeutschen wurden ab Juni 1941 von den Sowjets deportiert und unter furchtbaren Bedingungen meist nach Sibirien, größtenteils in Arbeitslager, gebracht, wobei viele Familien getrennt wurden. Hunderttausende gingen dabei zugrunde.


Wohl keine andere deutsche Volksgruppe war bis in die 1970er Jahre im Bewusstsein der Mitteleuropäer deutscher Zunge so wenig existent, wie die Russlanddeutschen. Fast mit Erschrecken reagierte daher auch die bundesdeutsche Öffentlichkeit auf die ihr bis dahin unbekannte Tatsache, dass es immer noch mehr als zwei Millionen Deutsche in der Sowjetunion gibt. Ihr Schicksal gehört mit den zu den Schlimmsten, was Deutschen vor, in und nach dem Zweiten Weltkrieg angetan wurde.
Die Vertreibung und Deportation der Russlanddeutschen unter Stalin war eine systematische Verfolgung, die ihren Höhepunkt mit dem Erlass vom 28. August 1941 fand. Unter dem pauschalen Vorwurf der Kollaboration mit dem nationalsozialistischen Deutschland wurden rund 900.000 Menschen nach Sibirien und Kasachstan deportiert, wobei mindestens 150.000 infolge von Zwangsarbeit und katastrophalen Lebensbedingungen starben.
In den 1920er Jahren wurden viele wohlhabende russlanddeutsche Bauern als sogenannte „Kulaken“ enteignet und in Straflager verschleppt. Ab 1937/1938 folgte die sogenannte „Deutsche Operation“ des NKWD, bei der Zehntausende verhaftet und erschossen wurden.
Obwohl Russlanddeutsche (als deutsche Siedler in Russland) ein bedeutender Teil der russischen Geschichte und der stalinistischen Repressionen waren, über die Solschenizyn berichtete, wird dies in den bereitgestellten Suchergebnissen nicht explizit thematisiert.
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Weitere Informationen:
Seit dem achtzehnten Jahrhundert, besonders unter der Regierung der deutschen Zarin Katharina II. (1762-1796) ab 1762, sind rund 100 000 Deutsche nach Russland ausgewandert, nicht zuletzt durch die Versprechungen der russischen Regierungen von Land und Freiheit angelockt.
Sie haben an der Wolga und um die Krim herum die Steppe kultiviert und Gebiete blühender bäuerlicher Strukturen geschaffen. Durch ihre herausragende Fruchtbarkeit haben sie viele Ableger-Dörfer gründen können. Um 1914 lebten etwa 1 ,7 Millionen Volksdeutsche in Russland.
Sie waren im Ersten Weltkrieg loyale Staatsbürger und wären das auch im Zweiten Weltkrieg gewesen.
Allein 1921 flüchteten mehr als 80.000 deutsche Bewohner aus dem Wolgagebiet und zogen nach Turkestan, in den Trans- und Nordkaukasus, nach Zentralrussland, in die Ukraine oder emigrierten nach Deutschland. Hinzu kamen 47.777 erfasste Todesfälle, in ihrer Mehrheit Hungeropfer. Wie viele Ausgewanderte an den Folgen der Hungersnot und grassierenden Krankheiten starben, lässt sich nicht ermitteln. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass auf dem Territorium der künftigen autonomen Republik vor dem Krieg 516.289 Deutsche gezählt wurden und die Volkszählung 1926 nur noch 379.630 verzeichnete, so wird das Ausmaß des Bevölkerungsrückgangs deutlich sichtbar.
In Karelien lag auch der Ursprung des sowjetischen Lagersystems. Zehntausende Menschen wurden im schlimmsten Stalin-Terror 1937/38 an Orten wie Sandarmoch oder Krasny Bor bei Petrosawodsk erschossen oder durch Arbeit und Hunger ermordet.
Der Historiker Juri Dmitrijew, Vorsitzender der Menschenrechtsgruppe Memorial in Karelien, hat diese Orte aufgespürt.
Sie sind heute Gedenkstätten. Doch im Russland unter Präsident Wladimir Putin wird versucht, die Geschichte dieser Orte umzuschreiben und Stalin zu entlasten. Finnische Soldaten hätten dort Rotarmisten erschossen, heißt es auf einmal über Sandarmoch. Daraufhin werden Dmitrijew und sein Kollege Sergej Koltyrin in einem Prozess in Petrosawodsk wegen angeblichen Kindesmissbrauchs verunglimpft.
Ein ganz besonderes Leid erlitten damals die Jüngsten. Abertausende Kinder sind in den Verbannungsgebieten zurückgeblieben, wahrend ihre Eltern weitab Zwangsarbeit verrichten mussten. So wuchs nach dem Zweiten Weltkrieg eine Generation von Russlanddeutschen heran, die außerhalb der Familien kaum einen Bezug zu ihrer eigenen Kultur fand. Die Russlanddeutschen waren im Verlaufe nur einer Generation ihrer Kultur fast gänzlich entfremdet worden.
In den Jahren 1937/38, während der „Großen Säuberung“ wurden rund 55.000 Deutsche in der Sowjetunion exekutiert oder in Lager verschleppt.
Erst Ende 1955 wurde das Stalin-Dekret aufgehoben. Die Betroffenen wurden aus den Sondersiedlungen entlassen, durften jedoch lange Zeit nicht in ihre ursprünglichen Heimatgebiete zurückkehren und wurden nicht entschädigt. Eine erste Teilrehabilitierung erfolgte im Jahr 1964. Die Betroffenen erhielten ihre Bewegungsfreiheit zurück und wurden aus der ständigen Polizeiaufsicht (Kommandantur) entlassen. Eine Rückkehr in ihre ursprünglichen Heimatgebiete sowie die Entschädigung für enteignetes Eigentum blieben jedoch vorerst streng verboten.
Bis 1956 unterlagen die Überlebenden einem strengen Überwachungssystem. Sie durften ihre Wohnorte nicht ohne Erlaubnis verlassen und mussten sich regelmäßig bei der Kommandantur melden. Verstöße wurden mit langjährigen Lagerstrafen (Gulag) geahndet.
Die deutsche Sprache wurde im öffentlichen Raum und in Schulen verboten, Kirchen wurden geschlossen und Geistliche verfolgt. Dies führte zu einem massiven Verlust der kulturellen Identität.
Während der Rückeroberung deutscher Siedlungsgebiete durch die Rote Armee kam es zu Erschießungen, Folterungen und sexueller Gewalt gegen die Zivilbevölkerung.
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Persönliche Anmerkung:
Auf der Suche nach Bildmaterial in der Bibliothek des Jahrhunderts (Chronik des Bertelsmann Verlages): Interessanterweise finden sich zu diesen Vorgängen der unmenschlichen Vertreibung, beginnend in den 1920er Jahren in Bezug auf die Russlanddeutschen, der dazugehörigen Veranlassungen, Dekrete und Gesetze, kaum bis gar keine Informationen. Dafür aber jede Menge an Propagandamaterial, um die Deutschen zu diskreditieren, darunter ein großer Haufen an Hetzschriften, die sich später als Greuellüge entpuppten.
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Abschließend noch die folgende Einschätzung von Solschenizyn: Wenn wir alle unsere Vergangenheit nüchtern sehen könnten, würde auch in unserem Land die Nostalgie nach sowjetischen Verhältnissen längst zu Ende sein. Und die Länder Osteuropas wie die ehemaligen Sowjetrepubliken würden ihre instinktive Haltung überwinden, den historischen Weg Russlands als Quelle allen Übels zu sehen. Es kann nicht angehen, dass persönliche Greueltaten von konkreten Führern oder politische Regimeverbrechen zur Schuld des russischen Volkes und seines Staates erklärt oder auf die angeblich krankhafte Psyche des russischen Volkes zurückgeführt werden, wie es im Westen oft genug getan wird. Diese Regime konnten sich nämlich nur durch den blutigen Terror in Russland halten.




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Alfred Eisfeld die Russlanddeutschen
Georg HILDEBRA DT, Wieso lebst du noch? Ein Deutscher im G UL.ag, Abend, Stuttgart
1990; Alexander SoLSCHENIZYN, Archipel GULag, 2 Bde„ Scherz, Bern 1974.
Text nach der Ausgabe der Nachrichten des Organs des Gebietskomitees der
KPdSU(B), der ASSRdWD, des Stadtkomitees der KPdSU (B) und des Stadtsowjets
der Deputierten der Werktätigen von Engels vom Sonnabend, dem 30. August 1941 ,
Zeitschrift fur Regionalgeschichte Herausgegeben vom Institut fur Kultur und Geschichte
der Deutschen in Nordosteuropa an der Universitat Hamburg
– Nordost-Institut –