Verschwörung gegen den Frieden“ – ein Blick auf die Kolonialkarte der Welt vor dem Ersten Weltkrieg und danach

Worüber wir schon in den vergangenen Tagen gelesen haben:

Deutschland hatte erst sehr spät Kolonien gegründet, Franzosen und Engländer viel früher. Zwischen Frankreich und England kam es laufend zu Auseinandersetzungen und Konflikten in Bezug auf den Besitz der Kolonien. Aber als Deutschland in kürzester Zeit ausgezeichnete Leistungen in seinen Kolonien brachte, wurde Neid und Missgunst von beiden Ländern nur noch auf Deutschland gerichtet. (siehe auch Beitrag im Kommentar)

Dass das Wort von dem deutschen Imperialismus, von dem Streben nach Weltherrschaft ein Spielen mit Worten, ein gefährliches Spielen war, ersehen wir am besten aus dem Kolonialbesitz der Großstaaten Europas. Durch die Monroe-Doktrin wurde Amerika, der Norden wie der Süden, als Betätigungsfeld für Kolonialbestrebungen von Seiten europäischer Mächte ausgeschaltet.

„Amerika den Amerikanern!” Das ist der Sinn der Monroe-Doktrin. Eifersüchtig wacht Amerika über seinen Besitz. Trotzdem hat England sich bis heute einen ungeheuren Besitz in Kanada und Neufundland gewahrt.

Wenn man die Ländergebiete von dem kolonialen Besitze Deutschlands mit denen der großen Kolonialmächte vergleicht, so muss man schon seltsame Träume spinnen, um aus ihnen eine Weltvorherrschaft Deutschlands heraus konstruieren zu können. Weder an Größe noch an Bedeutung, weder an strategisch beherrschender Lage noch an Reichtum und Volkszahl boten

die Schutzgebiete Aussicht auf eine Vorherrschaft unter den Nationen.

Nicht einmal erreichte unser Kolonialbesitz mit rund 2% Millionen qkm Umfang auch nur den zehnten Teil von dem Englands oder Russlands. Ohne Ausnahme waren die Schutzgebiete fast völlig unerforschtes Land mit vielfach grausam-wilder Bevölkerung, deren Erwerb von Anfang an auf die zivilisatorische und kulturelle Kolonisation als Grundforderung hinwies, ehe

sonst etwas aus diesen Gebieten herauszuholen war.

Zur Erreichung ihrer Ziele bedienten sich die Kolonialherren einer breiten Skala von Formen und Methoden der Ausbeutung… Die Folgen imperialistischer Ausbeutungsmethoden für die kolonial unterdrückten Völker Afrikas waren vielfältig. Sie reichten von der Ausrottung ganzer Dörfer durch Kolonialkriege, sogenannten Strafexpeditionen und Zwangsrekrutierung über die beispiellose politische Rechtlosigkeit, ökonomische Ausplünderung, Zwangsarbeit und soziale Erniedrigung sowie Elend, gepaart mit offener Rassendiskriminierung, bis zur Vernichtung zahlreicher kultureller Werte«.

Wie diese Kulturwerte konkret ausgesehen haben sollen, bleibt meist im Verborgenen. Für den Ethnologen und Kulturhistoriker Leo FROBENIUS beispielsweise war es klar, »dass das vom Sahara-Wüstengürtel zum Süden sich erstreckende Neger-Afrika« vor Ankunft der Weißen ohne Zweifel »in der vollen Schönheit harmonisch wohlgebildeter Kulturen« geblüht habe.

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Auf den Karten /Liste als Beitragsfoto lässt sich der Kolonialbesitz aus dem Jahre 1914 ausmachen, also aus der Zeit vor dem „Ausbruch“ des Ersten Weltkriegs

Eine weitere Karte zeigt die Verschiebung der Machtverhältnisse durch den Weltkrieg.

Dazu ein Auszug aus der „Kampf um unsere Schutzgebiete“ – Stand 1928:

„Zeigt schon die Kolonialkarte vor dem Kriege, dass Deutschland in dem Ringen um die koloniale Expansion eine nur bescheidene Rolle gespielt hat, dass es wirklich niemand in den Schatten stellte, als es seinen Platz an der Sonne forderte, so beweist die Kolonialkarte der Nachkriegszeit erst recht,

daß wir wirklich in den Schatten gedrängt worden sind, nicht die anderen Staaten. Deutschland hatte vor dem Kriege in Europa ein Ländergebiet von 540 000 qkm; heute zählt es 469 000 qkm.

Die Bevölkerungszahl hat fast die der Vorkriegszeit erreicht, 63 gegen 68 Millionen. Heute hat die Sowjet-Republik Rußland noch 20 Millionen qkm mit 130 Millionen Bewohnern.

An asiatischem Besitz hat Rußland fast gar nichts eingebüßt. Sein Riesengebiet mit unerschöpflichen Reichtümern erstreckt sich noch immer vom baltischen Meer bis zum Stillen Ozean. Holland und Portugal haben ebenfalls ihren großen und wertvollen Kolonialbesitz gewahrt.

Nur Deutschland hat heute nicht einmal eine Hand breit Erde außerhalb seiner Grenzen. Sein Übersee-Besitz ist hauptsächlich in dem ungeheuren Kolonialreich Englands aufgegangen.

Kleinere Stücke erhielten Frankreich, Belgien, Japan und Portugal.

Ebenso ist der große Besitz der Türkei in Ägypten, in dem gewaltigen Sudan, in Kleinasien, in Arabien und im Irak unmittelbar oder mittelbar an England gefallen, das wie immer den Löwenanteil erhalten hat.

Unser Schutzgebiet in der Südsee ist an Australien und Neuseeland gefallen mit Ausnahme der

kleinen, aber für Japan wichtigen Karolinen und Marianen, sowie der Marschall-Inseln. Kiautschou fiel an Japan, das es auf Drängen der Mächte China zurückgeben sollte. Alles andere ist englischer Besitz geworden.

Der ganze Erdteil Afrika mit dem gewaltigen Umfange von 30 Millionen qkm hat nur zwei selbständige Staaten; alles andere ist, wie folgende Statistik zeigt, unter Europas Mächte verteilt.

Siehe Karte als Beitragsfoto.

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Ein weiterer Auszug aus „Der Kampf um unsere Schutzgebiete“ aus dem Jahr 1928:

Die französischen Statistiken teilen dem englischen Besitz den größten Umfang zu, während englische Statistiken das größere Gebiet Frankreich zusprechen. Dies liegt vielleicht daran, daß weite Gebiete in Afrika immer noch unerforscht und die Grenzen noch nicht sicher bestimmt sind. Aber dem Wesen nach stimmen die Berechnungen, nach denen über zwei Drittel des riesigen Erdteils unter Englands und Frankreichs Herrschaft stehen.

Der Erdteil zerfällt in zwei Teile. Der Nordwesten bis tief in das Innere hinein gehört zu Frankreich. Der ganze Osten von der Mündung des Nils bis zum südlichsten Kap ist englischer Machtbereich. Jede dieser beiden Mächte beherrscht eine Ländermasse, die größer ist als die ganz Europas, das europäische Rußland eingerechnet. Und doch haben beide Staaten noch nicht Platz genug, wie der Kampf um das kleine Rifland und ihre Gegnerschaft gegen das Vordringen Italiens in Afrika beweisen.

Noch gewaltiger wirkt die kolossale Macht des weltbeherrschenden Albion, wenn wir die Karte des 44 Millionen qkm großen Erdteils Asien betrachten.

Auch in diesen Ländermassen gibt es mit Ausnahme von Russisch-Asien und Japan kaum ein Land, das nicht direkt unter Englands Oberhoheit stände oder indirekt Englands dominierendem Einfluß unterläge. Asiens Karte ist ungefähr folgende:

Siehe auch hier Beitragsfoto

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Über die nächsten Tage werden wir uns dann etwas intensiver in die Kolonialgeschichte einlesen. So auch über die ersten Kolonialversuche Deutschlands zum Anfang des 16. Jahrhunderts. Allein schon aus dem Grund, weil sich darüber die Machtverhältnisse in ihren Auswüchsen ausgezeichnet darstellen lassen.

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Gerhard BREHME U. Hans KRAMER (Hg.),

Afrika. Kleines Nachschlagewerk, Berlin 1985, S. 42 ff. 2 Leo FROBENIUS, Kulturgeschichte Afrikas,

Zürich 1933, S. 13. 3 Gert VON PACZENSKY, Die Weißen kommen. Die wahre Geschichte des Kolonialismus, Ham-burg 1970, S. 424.

„Der Kampf um unsere Schutzgebiete“ P. Jos. M. Abs 1928 Friedrich Floeder Verlag


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