„Wir sind wie Vögel mit einem gebrochenen Flügel“

Achtung langer Text, nehmt euch also Zeit dafür!

Die Völker der Sonne und ihr verlorenes Paradies. Sie lebten in versunkenen Königreichen und in den Hochkulturen der Anden. Als sich 1992 zum fünfhundertsten Mal die Landung Christoph Kolumbus jährte, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass die Indianer dieses Tages nicht mit Freude gedenken. Nach Ankunft dieser wurde einer Jahrtausend währenden Kultur das Ende gesetzt.

Ein Beitrag zur Schlacht am Little Big Horn – ein Beitrag, der stellvertretend für alle indigenen Völker dieser Welt steht, die man immer wieder versucht hat, auszurotten, um all das Gute und Wahrhafte auszulöschen. Die Engländer (bzw. Briten) legten als Kolonialmacht den Grundstein, während die USA im 19. Jahrhundert die endgültige Vernichtung und Vertreibung durchführten.

(Bereits verfasste Beiträge zu diesen Vorgängen findet ihr wie gewohnt im Kommentar)

Sie werden nie verschwinden, die Parallelen zu unseren Ursprüngen und den Schicksalen unserer Völker. Und all das Boshafte und Verwerfliche, was bis heute gegen diese unternommen wird. Erst vor Kurzem, auf unserer Reise durch Schwedisch-Lappland haben wir bewusst wahrnehmen müssen, wie unterdrückt und unter welchen hohen Repressalien des Staates das Naturvolk der Samis leben muss. Doch dazu mehr im Beitrag im Kommentar.

Die tiefe Verbundenheit des Indianers mit der Natur, seine zum Teil hochentwickelten sozialen und politischen Strukturen und die systematische Ausrottung seiner Völker kommen nur selten zur Sprache.

Die Spanier, die sich als Botschafter des Christentums verstanden, zogen im Goldrausch plündernd durch Mittel- und Südamerika; je weiter die Engländer und Franzosen im nördlichen Teil des Kontinents nach Westen vorrückten, In ihren Raufereien urn die Vorherrschaft in der Neuen Welt scherten sie sich keinen Deut um die Belange der arnerikanischen Ureinwohner. Mit körperlichem Totschlag (Genozid) und kulturellem Mord (Ethnozid) vergingen sich die fremden Eroberer an den Indianern…“

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Zur Schlacht am Little Big Horn:

Im späten Frühjahr 1876, hatten sich mehr als 10.000 Indianer in einem Lager am Little Bighorn River, das sie Greasy Grass nannten, versammelt – trotz der Warnung des US-Kriegsdepartements, eventuell angegriffen zu werden, wenn sie nicht in die Reservate zurückkehren würden.

Mitte Juni, bereit einzumarschieren, reihten sich drei Kolonnen von US-Soldaten vor dem Lager auf. Am 17. Juni zwang eine Macht von 1.200 Indianern die erste Kolonne zum Rückzug. Fünf Tage später befahl General Alfred Terry das 7. Kavallerieregiment George Custers feindliche Truppen zu erkunden.

Am Morgen des 25. Juni zog Custer in die Nähe des Lagers und entschloss sich zum Angriff, anstatt auf Verstärkung zu warten.

Am 25. Juni mittags kamen Custer’s 600 Männer in das Little Bighorn Tal. Unter den Indianern verbreitete sich schnell die Nachricht des bevorstehenden Angriffs. Der ältere Sitting Bull versammelte die Krieger und achtete auf die Sicherheit der Frauen und Kinder, während Crazy Horse sich mit einer großen Macht von Kriegern auf den Weg machte – direkt den Angreifern entgegen. Trotz der verzweifelten Versuche Custers, seine Männer neu zu gruppieren, wurden sie schnell überwältigt. Custer und die rund 200 Männer aus seinem Bataillon wurden von bis zu 3.000 Indianer angegriffen. Innerhalb einer Stunde waren Custer und alle seine Soldaten tot.

Diese Schlacht, auch Custer’s Last Stand genannt, markierte den ausschlaggebenden Sieg der Indianer und die schlimmste Niederlage, welche die US-Armee während der Indianerkriege erlitt, aber sie besiegelt auch das Schicksal der Indianer in den Plains. Der Niedergang von Custer und seinen Männern empörte viele Amerikaner und bestätigte ihr Bild von den Indianern, wild und blutrünstig zu sein. Der Kongress verabschiedet daraufhin ein Gesetz, dass die Dakota auf das Land am Powder River und auf die Black Hills zu verzichten haben. Neue Eisenbahnstrecken werden durch den Westen gelegt, Ansiedlungen schießen wie Pilze aus dem Boden. Unter dem Motto »Rache für Custer« geht die Armee mit unvorstellbarer Grausamkeit gegen die Indianer vor. Innerhalb von fünf Jahren waren fast alle Sioux und Cheyenne in Reservate zwangsumgesiedelt worden.

Nach militärischen Niederlagen wurden die Stämme in oft unfruchtbare Reservate gezwungen. Die US-Regierung betrieb eine strenge Assimilationspolitik, um die indianische Identität, Sprache und Religion auszulöschen. Indigenen Kindern wurde verboten, ihre Muttersprache zu sprechen, und sie wurden oftmals in Internate gesteckt.

Nicht unerwähnt bleiben darf die gezielte Ausrottung der Bisons (die Zahl sank von ca. 50 Millionen auf wenige Tausend). Dieser Vorgang entzog den Prärie-Indianern ihre Existenz- und Nahrungsgrundlage.

Der bewaffnete Widerstand wurde brutal gebrochen. Ein trauriger Höhepunkt war 1890 das Massaker am Wounded Knee, bei dem Hunderte unbewaffnete Lakota starben.

Die Vergangenheit ist niemals tot. Sie ist nicht einmal vergangen.» Diese Einsicht stammt aus der Feder des amerikanischen Romanciers William Faulkner.

»Die Zerstörung des traditionellen Lebensstils war stets oberstes Gebot der dunklen Mächte; und ist es immer noch.«

„Es gibt ein altes Indianer Sprichwort, dass etwas nur so lange lebt, wie die letzte Person, die sich daran erinnert. Mein Volk vertraut der Erinnerung über die Geschichte. Die Erinnerung ist wie Feuer strahlend und unveränderlich, während die Geschichte nur denen dient, die sie kontrollieren wollen, denen, die die Flamme der Erinnerung auslöschen, um das gefährliche Feuer der Wahrheit zu löschen. Vorsicht vor diesen Männern, denn sie sind selbst gefährlich und unklug. Ihre falsche Geschichte ist geschrieben im Blut derer, die sich erinnern könnten und derer, die die Wahrheit suchen“ – sagt Floyd ‚Red Crow‘ Westerman (Dakota Sioux) Schauspieler, Aktivist und Sänger.

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Quelle /Literatur/Bildverzeichnis

Aus Rene Oth „Auf den Spuren der Indianer, Geschichte und Kulturen der Ureinwohner Amerikas:

Es ist nicht möglich, ein einheitliches Bild der Kultur der Ureinwohner des nordamerikanischen Kontinentes zu zeichnen, denn die Nachkommen der Bewohner der sibirischen Steppen, die gegen 36 000 v. Chr. über die zugefrorene Beringstraße in Amerika einwanderten, haben vielfältige Lebens- und Kulturformen entwickelt. Die Waldlandschaften des Nordostens prägten das Leben der dort lebenden Stämme, wahrend die Siedler des Südostens sesshafte Ackerbauern waren.

Weitere Infos zur Zerstörung der „Alten Welt…“

Zwischen 1689 und 1763 führten England und Frankreich vier Kriege. Obwohl diese Kriege alle in Europa begannen, brachen die Gefechte auch in der „Neuen Welt“ aus. Die Franzosen schlossen Bündnisse mit den Indianern und überfielen die Siedlungen der Engländer in New England und New York. Die englischen Kolonisten waren in der Mehrheit und den Franzosen weitaus

überlegen. Sie wollten Vergeltung und griffen viele Orte der französischen Kolonien an. Es entfachte ein heftiger Kampf, der in Amerika als „Franzosen- und Indianerkriege“ bekannt wurde.

Es war ein blutiger Krieg, der letztendlich von den Engländern gewonnen wurde. Der Kampf kostete fast 30.000 Kolonisten das Leben.

Am 27. Februar 1973 hatten rund 200 Indigene der Bürgerrechtsbewegung American Indian Movement (AIM) die historische Stätte von Wounded Knee besetzt, um die katastrophalen Lebensbedingungen der Lakota anzuprangern. Die Bürgerrechtsbewegung war von traditionsbewussten Reservatsbewohnern zu Hilfe gerufen worden, weil die Lakota unter dem Terrorregime des korrupten Stammespräsidenten Dick Wilson litten. Er hat damals rund 60 Indigene von seiner Schlägertruppe ermorden lassen, um jeden Widerstand gegen den Verkauf von Teilen ihres Landes, auf dem es größere Uranvorkommen gibt, zu ersticken.

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Gegen eine nicht enden wollende Unterdrückung: Wir schreiben das Jahr 2022!

Den weiten Weg von South Dakota nach Massachusetts sind über 20 Delegierte von drei Lakota-Tribes angereist, 2700 Kilometer, einmal quer durch die halbe USA. Namensschilder werden verteilt. Die beiden „Tribal Elders“ haben an einem der Tische bereits Platz genommen, ihr Kopf leicht eingeknickt, als würden sie dösen, aber hellwach: Kraftvoll und melodisch werden sie gleich ihre Stimmen heben, daran erinnern, was die Rückkehr ihrer Objekte für sie und ihre Communitys bedeutet, für eine nächste Generation.

Die sterblichen Überreste ihrer Vorfahren müssen heimkehren, um Ruhe finden zu können, sagt Ivan Looking Horse. Als Volk seien sie beinah ausgerottet worden, ihre Kultur habe man ihnen genommen. Ihre Objekte in Museen empfindet er als eine nicht enden wollende Unterdrückung. Bis Anfang 2022 hatte sich an Barres Dachbodensammlung kaum jemand gestört: Gestohlenes von Massakrierten in Vitrinen neben ausgestopften Vögeln zu zeigen.

» Quelle Deutschlandfunk – Kultur Zeit des Heilens, Artikel aus 2022 über den Kampf zur Rückgabe heiliger Objekte

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Die Stämme der Indianer, der Germanen, Grönländer (Inuits), Samis, Hunzas, Perser, Inder, u.s.w… -irgendwie scheinen wir aus einem Holz geschnitzt.

Den wohl größten Anteil daran, dass wir uns als Völker in unseren Stämmen „verloren“ haben, tragen die über Jahrhunderte hinweg zum Einsatz kommenden Missionare.

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Bildverzeichnis /Textauszug

Indianische Kultur und Territorien – Meyers Konversationslexikon 1896

weitere Bilder aus der Bertelsmann Chronik des 20. Jahrhunderts


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