Blutrünstige Berichterstattungen – Geschichten, die das Leben schreiben? Oder ist es doch eher der karrierehungrige Journalist bei guter Bezahlung, der uns etwas auftischen soll?
Damals wie heute:
Das Pressehaus war der nimmermüde Geiser, der unausgesetzt falsche Kriegsberichte und erfundene Nachrichten von der Front und den Etappen, die niederträchtigsten und gröbsten Verleumdungen der Gegner, die verblüffendsten Erdichtungen ruchloser, ihnen auferlegter Handlungen aussprudelte.

Ich habe mir gestern das Gespräch (gesendet im Morgenmagazin) zwischen Abdel-Shafi, dem palästinensischen Botschafter von Österreich und der Dunja… angetan. Nun ja, was soll ich sagen. Von kopfschüttelnd bis hin zur Sprachlosigkeit über diesen Schlagabtausch waren einige Gefühlsregungen in mir unterwegs.
Und da sind sie wieder präsent, diese Themen, die nie weiter behandelt oder aufgearbeitet wurden. Und sie holen uns immer wieder ein – es scheint, als hätte man die Filmspule wiederholt neu aufgelegt.
Und auch dich haben sie damals schon genauso belogen, wie sie es heute immer noch tun…
Schau! Da klopft sie wieder an, hartnäckig, laut und vernehmlich: die Lüge
Im Jahre 1914 war es die Story zu abgehackten Kinderhänden (in Belgien) – vor wenigen Tagen erreichte uns eine ähnliche Story zu abgetrennten Kinderköpfen (in Gaza). Ein anderes Mal war es der Folterskandal von Abu Ghraib.
All diese „Geschichten“ haben etwas gemeinsam: die Lüge.
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Doch schauen wir zunächst auf die Vorgänge, oder besser auf eine dieser Lüge, unter den zahlreich verbreiteten aus dem Jahr 1914.
„Die Greuellüge, dass deutsche Soldaten im Sommer 1914 in Belgien Kindern die Hände abgehackt hätten, lief ab August 1914 um die Welt und wurde eines der wichtigsten Propagandamittel gegen Deutschland im Ersten Weltkrieg.
Entsprechende Karikaturen und falsche Bilder verstärkten die Wirkung des Greuelmärchens, das reine Erfindung war.




Die Pressemitteilungen waren an Widerlichkeit kaum zu übertreffen: Es gab sogar Bilder, auf denen deutsche Soldaten die abgehackten Hände aufaßen. Eine Statue des Kindes ohne Hände wurde hergestellt und in der Presse verbreitet.
Selbst die Bibel wurde bemüht: Ein Bild zeigte den deutschen Kaiser, mit einer Axt in den bluttriefenden Händen hinter einem großen Hauklotz stehend, um den Haufen abgehackter Kinderhände lagen, wie er einer Frau mit Kindern zu kommen winkt, und unter allem stand der Spruch: »Lasset das Kindlein zu mir kommen. Andere Bilder zeigten auf Bajonette aufgespießte oder an eine Tür genagelte Babys.“
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Gegenwart! Während weitere Versuche unternommen werden, ein falsches Bild aufrechtzuerhalten, halten ganz nebenbei (aktuell) die Vereinigten Staaten eine Internationale Untersuchung des Angriffs auf das Baptisten Krankenhaus in Gaza für „Nicht angemessen“ – so das Außenministerium VSA.
Es handelt sich dabei um einen israelischen Angriff mit AMERIKANISCHEN Granaten des Types JDAM auf das christliche Baptisten Krankenhaus in Gaza-Stadt, bei welchem auf einen Schlag ca. tausend Menschen ermordet wurden. Darunter hauptsächlich Frauen und Kinder.
Man wird dieses Gefühl einfach nicht los: Was zählt, ist immer noch die Schlagzeile (Propaganda) vor dem potenziellen Wahrheitsgehalt.
Das auf diese Weise ausgestreute, heimtückische, aber wirksame Gift hat eine große Menge wohlmeinender, aber unwissender Leute irregeführt und infiziert.
So gilt auch weiterhin die bedauerliche mediale Realität: „je blutrünstiger die Berichterstattung, desto höher die Garantie auf erwünschte Wahrnehmung und vor allem gut bezahlte Einschaltquoten.
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Noch ein Blick in die Vergangenheit. Wenn wir nun schon mal dabei sind: So erinnere ich mich auch an den Folterskandal von Abu Ghraib im Irak. Darüber beschwichtigt das Weiße Haus, dies seien Einzelfälle, ganz und gar unamerikanisch. Zu diesem Zeitpunkt weiß US-Präsident Bush genau, dies ist eine ganz infame Lüge.
Der geschichtskundige Zeitgenosse mag sich die Augen reiben.
Wie hat das „Erbübel“ (Jefferson) der Sklaverei, die Ausrottung der Indianer, die Hexenjagd durch Senator McCarthy oder das Massaker an den 500 Vietnamesen im My Lai 1968 nichts an diesem Gefühl des Vorbildhaften geändert?
Von den Folterungen an deutschen Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg in den Gefangenenlagern ganz zu schweigen.
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Diese nie enden wollenden Hetzorgien und das Aufwiegeln der Völker, das Ausplündern der Welt und ihr Ertränken in Blut, all das sollte doch endlich aufgehört haben. Doch wird immer und immer wieder aus bekannten Reihen Anlauf genommen, um über Lug und Betrug die eigenen Ziele zu verfolgen.
Bemerkenswert ist die Aussage von Italiens Ministerpräsident während des Ersten Weltkrieges, Francesco NiTTI, schreibt in seinen Erinnerungen: »Um der Welt die Wahrheit über die gegenwärtige Krise in Europa vor Augen zu führen, müssen die schändlichen, von der Kriegspropaganda geschaffenen Lügen immer wieder und immer wieder zerstört werden.“
„109 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg sind die Märchen der abgehackten Hände, der vergifteten Karamels, der getöteten Zivilisten und der erhängten Priester, die damals für soviel Krach sorgten, eigentlich heute ziemlich belanglos. Welche Bedeutung haben sie nämlich gegenüber den Tatsachen, und nicht den Legenden, die die ganze Welt mittlerweile erlebte, etwa jene terroristischen Bombenangriffe 1944 und 1945 auf Hamburg, Dresden und viele andere Städte des Deutschen Reichs.
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Zurück zur Greuellüge der „abgehackten Kinderhänden in Belgien“: Es wurden mehrere Beweise dafür angeführt, dass es sich um eine – später auch zugegebene – alliierte Propagandalüge im Rahmen der psychologischen Kriegführung gehandelt hat. Eine interessante Stellungnahme dazu ergibt sich aus den Tagebüchern André GIDES (1869- 1951), Nobelpreisträger für Literatur 1947.
Die größten Anstrengungen wurden gemacht, jedes Wort der Feinde als Lüge und jede unserer Lügen als reine Wahrheit zu stempeln. Alles segelte unter der Flagge Propaganda – bis heute…. Es wäre also nutzlos, den Erfolg der Lüge, die die Presse als das schnellste und beste Verbreitungsmittel benutzte, zu leugnen.“
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Gegenwart! Soweit mir bekannt (mit Datum vom 16.10.2023), ist die israelische „Horrorberichterstatterin“ Nicole Zedek mittlerweile zurückgerudert. Die Journalistin hat die Behauptung zurückgenommen, dass 40 Babys in Gaza geköpft wurden, und erklärte, dass sie nicht einmal Zeuge der angeblichen Gräueltaten gewesen sei.
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Quelle, Einzelnachweise, Literatur:
Arthur PONSONBY, Lügen in Kriegszeiten, Verlag Georg Silke, Berlin 1930, S. 198 ff.; Original: Falsehood in War-time, London 1928.
André GIDE, Gesammelte Werke in 12 Bänden, Bd. 2, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1990, S.
Andreas ECKERT, »Die abgehackten Hände«, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. 8. 2005.447 f.
Rolf Kosiek /Olaf Rose (der große Wen-dig)
Times, 27. 8. 1914, zitiert u. a. in: Arthur PONSONBY, Lügen in Kriegszeiten, Georg Stilke, Berlin 1930, S. 85, ebenfalls in: Udo WALENDY, Historische Tatsachen, Nr. 22 (»Alliierte Kriegspropaganda«), Verlag für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung, Vlotho o. J































