Nun ja, uns Frauen wird schon immer ein besonderer Zugang zur Welt des Übernatürlichen und der Geister zugesprochen, weil Intuition, Instinkt, Naturverbundenheit und Weissagungen aller Zeit Frauendomänen waren.
Kräuter und Tinkturen haben bereits ihren festen Platz eingenommen, nur wenige warten noch auf die Fertigstellung.

Vorhin habe ich noch schnell die letzten Samenkörner der Mariendistel in Alkohol getränkt (die bereits angesetzten ergeben schon die typische gelbe Farbe einer Mariendisteltinktur), die letzten Blüten der Ringelblume verbleiben noch etwa zwei Wochen in ihrem Ölbad und die Beinwell-Wurzel (gestern ausgebuddelt) möchte noch „tranchiert“ werden, um das Salben-Repertoire auffüllen zu können. Ebenfalls in der Warteschleife sind noch die Löwenzahnwurzel-Tinktur und das Schöllkraut.
Das geschrumpfte Kräuterbüffet beherbergt noch Löwenzahn, Brennnessel, Gundelrebe, Fingerkraut, Schafgarbe und Beifuß. Die meisten Kräuter ruhen schon im Glas und ergeben einen köstlichen Kräutertee.






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Noch ganz kurz möchte ich etwas zum Wirkungsfeld des Beifußes erwähnen: der im Volksmund viele Namen trägt. Wie Buckele, Gänsekraut, Jungfernkraut, Sonnwendgürtel, wilder Wermut, Mugwurz, Stabkraut, Besenkraut, Himmelsuhr, St. Johannkraut, Geißbart, Himmelskuh, Armosia, Teutsch Rotbuck, roter Beifuss, Sonnwendkraut, Weibergürtel, Fliegenkraut, Werzwisch.
Die Eigenschaften, die der Beifuß mit sich führt sind bemerkenswert. Früher trugen die Menschen Girlanden aus Beifuss, die sie dann im Sonnwendfeuer verbrannten, um die Dämonen des alten Jahres zu vertreiben und sich vor Krankheiten zu schützen.

Ich nutze ihn eigentlich nur als Gewürz zu kräftigen Speisen.
Übrigens: Der Beifuss ist eine der ältesten Heilpflanzen der Menscheit. Er wurde in alten Ablagerungen der Rentierjäger von Lascaux gefunden, die wahrscheinlich 17 000 Jahre alt sind.
Und in der Tat schützt er vor zahlreichen Krankheiten, aufgrund seiner besonderen Inhaltsstoffe wie Cineol, Campher, Linalool oder Thujon. Daneben auch noch Terpinenol, Borneol, α-Cadinol und Spathulenol. Darüber hinaus enthält der Beifuß neben dem ätherischen Öl noch Bitterstoffe, vor allem Flavonoide, Cumarine (1,9%), unter anderem Aesculetin, Aesculin, Umbelliferon und Scopoletin.
Man munkelt sogar, dass er als wirksames Mittel gegen Krebs zum Einsatz kommt. So hat Thomas Efferth vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg festgestellt:
„Artesunate, eine Substanz aus dem Einjährigen Beifuß (lat. Artemisia annua, nicht zu verwechseln mit dem Gewürz Artemisia vulgaris), wirkt zerstörerisch auf schnell wachsende Krebszellen.“
Er schreibt weiter: Artesunate wirkt wie Dynamit in den kranken Zellen – ein Naturgift, dass dem Körper absolut zuträglich ist.
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Mit Blick auf die kommenden Tage – was schmückt eure Türen?
Nach heidnischem Glauben sollen auch Kobolde ihren Sitz in den Türzwischenräumen haben. Deshalb hängte man kleine Amulette aus bestimmten Wurzeln und anderen Kräutern (wie Wacholder oder Beifuss bspw.) an die Türrahmen. Aber auch nach einer Hausreinigung zu den Schwellentagen, wie den Sonnenwenden und besonders der Winterwende und vor den Rauhnächten, kann man einen Schwellenzauber zum Schutz vornehmen. Schutzkränze aus Zweigen zum Beispiel.
Langsam aber sichern nähern wir uns den Rauhnächten und den Tagen zur Winterwende. Ich mag diese Geschichten, die damit einhergehen:
In den langen Winternächten beim Nähen, Spinnen und Kochen wurden wichtige Frauengeheimnisse weitergegeben. Vor allem den Großmüttern wurde besondere Verehrung entgegengebracht. Sie waren die Hüterinnen des alten Wissens, sie kannten alle Geheimnisse und konnten mit den Hausgeistern und Ahnen kommunizieren.
Sie saßen oft lange in der Hecke oder unter dem Holunder, deswegen wurden sie von den Dorfbewohnern als „Heckensitzerin“ bezeichnet. Hagadise, Hagezusse, „das Weib (Zussa) oder der Geist (Dise) im Hag“, so und ähnlich wurden sie von den verschiedenen germanischen Völkern genannt.
Als Disen wurden vor allem die Clanmütter bezeichnet, die weiblichen Ahnen, die am Schicksal des Stammes woben und ihm mit Rat und Schutz beistanden. Frau Holle ist die Herrin der Disen, aber auch Freya, die Spenderin der Liebe und Sexualität, wurde als Dise bezeichnet.
































