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Klara Fall: das glaube, wer mag

  • Wo Barbarossa schläft – unsere Eindrücke vom Götterberg der Germanen und eine Interpretation, die nachdenklich stimmt

    Juni 13th, 2023

    Teil I – Reise zum Kyffhäuser

    „Ich habe mich nach Kräften bemüht, des Menschen Tun weder zu belachen noch zu beweinen, noch zu verabscheuen, sondern es zu begreifen“. Spinozas Worte tragen und untermauern meine Gedanken zu unserer Kyffhäuserreise.  

    Auf dem sagenumwobenen Bergrücken südlich der Goldenen Aue erfahren wir eine Fülle von Naturschönheiten und den Reichtum historischer Stätten.

    Der Mythos des Kaisers Barbarossa im Kyffhäuserberg verkörpert deutsche Geschichte von Anbeginn bis heute.    

    Einige Aufnahmen haben wir bereits mit euch geteilt. Die tatsächliche Atmosphäre lässt sich immer nur schwer übertragen.

    Von oben schweifen die Augen über die mittelalterliche Burg, das gigantische Denkmal Kaiser Barbarossas und Kaiser Wilhelm I. und die liebliche Landschaft am Fuß des Gebirges. Hier wünscht man sich die Geschichte wieder, denn vor uns dehnt sie sich aus. Und wenn man sich Gedanken darübermacht, ob „deutsch“ noch etwas mehr bedeuten könnte als bundesdeutsche Staatsbürgerschaft, der wird an dem Begriff des Deutschen Reiches nicht vorbeikommen. Um darüber nachdenken zu können, braucht man aber Wissen, nicht über die Fakten, sondern auch über die Hintergründe, über das menschliche Umfeld der jeweiligen Zeit, und über das, was davon bis heute in unserer Gesellschaft lebt.

    Den alten Göttern geweiht – kennt ihr diese Geschichte?

    Einmal war ein Bote unterwegs. Vor dem Boten lichtete sich der Wald, und nach Westen hin eröffnete sich ein Durchblick auf den Höhenzug, an dem der Weg entlangführte. Der Bote zügelte sein Pferd. Trotz seines Hungers und der verlockenden Aussicht auf das reichhaltige Abendessen in dem Kloster, das nur wenige Meilen vor ihm lag, stieg er ab und trat an den Rand der Lichtung. Er beugte das Knie und murmelte ein Gebet für Donar, denn vor ihm lag der Berg, der Sitz der alten Götter war. Als kleines Kind hatte ihn sein Großvater an diese Stelle geführt und ihm berichtet von Wodan, dem mächtigen Götterfürsten der Germanen. Von ihm kannte er den Namen des Berges, Wodans Hut, den oft verhüllten Wolken den Sitz der Götter vor den Sterblichen, und dann sah der Gipfel des Berges so aus, als ob er einen Hut aus Wolken trüge. Von seinem Großvater wusste der Bote auch, dass auf dem Gipfel dieses Berges eine heilige Stätte gewesen war, den alten Göttern geweiht.  

    Dann, als die Zeiten immer wirrer wurden, hat man den heiligen Ort mit einem Wall umgeben. Der Königsbote fröstelte. Viel Blut ist hier in den letzten Jahrhunderten geflossen – unter dem „Siegeszug“ des Christentums.

    Der Kyffhäuser ist ein fabelhafter Ort – ein Kraftort. Und doch ist da dieser geschichtliche Knick, den unser Bewusstsein nach 1945 erlitt.

    Alles im Trend – kurzfristige Erscheinung oder langfristiger Wandel? Eine Interpretation, die nachdenklich stimmt.

    Wie vor jeder unserer Reisen, werfe ich einen Blick ins „Netz“, um zu erfahren, was man denn so über den Kyffhäuser alles schreibt, ob dort auch die vielen schönen Geschichten, Legenden und Fabeln hinterlegt sind.

    Was soll ich euch erzählen. Ich bin fündig geworden und musste feststellen, Geschichten gibt es. So zum Beispiel, dass man doch froh darüber sein darf, dass sich am Kyffhäuser keine rechtsradikalen, nationalistischen Brutstätten gebildet haben. Schließlich gäbe es ja immer noch Personen, die den Berg als Kultstätte begreifen möchten. Aber das ist er nicht, so erklärt es eine Syrerin, und auch, dass das gut so ist. Denn der Kyffhäuser als Erinnerungsort deutscher Geschichte könnte durchaus ein Anziehungspunkt für nationalistische Bewegungen sein.

    Es gibt auch einen Kyffhäuserverbund, einen deutschen Soldatenbund. Er ging im Jahr 1900 aus dem Ständigen Ausschuss der vereinten deutschen Kriegerverbände für die Verwaltung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals auf dem Kyffhäuser hervor und wurde als Dachverband deutscher Kriegervereine gegründet.

    Dieser Bund, wie soll es auch anders sein, ist in den Fokus der „Bereichsleitung“ geraten. So muss dieser Bund deutlich machen, dass er ausschließlich als Reservisten- und Schießsportverband agiert und auch nichts mit den jährlichen Kyffhäuser-Treffen zu tun habe.

    Ich bin doch immer wieder überrascht, wieviel „Kreativität“ man entwickelt, um der Geschichte bizarre Züge zu verleihen. So werden auch alle Hebel in Bewegung gesetzt, um streng prüfende und nach präzisen Maßstäben gewissenhaft handelnde Menschen auf das Abstellgleis zu verweisen.

    Die Methoden dazu sind bekannt, denn sie sind nicht neu. Wo wir wieder bei diesem „vertrauten“ Muster angekommen wären.

    So ist es eben nicht verwunderlich, dass ich bei meinen Recherchen zum Kyffhäuser auf, ich nenne es jetzt einfach mal, „wirre Interpretationen“, gestoßen bin – Aussagen, völlig aus dem Kontext gerissen.

    Eine solche, aus dem Zusammenhang gerissene Darstellung, erlebten wir bereits über Veröffentlichungen zum Sachsenhain, oder auch vor wenigen Wochen am Oldenburger Wall.

    Um das beurteilen zu können, muss man vor Ort gewesen sein. Und man muss graben, tief graben (sinnbildlich), aber dann wird man fündig und Widersprüche tun sich auf. Doch das ist anstrengend.

    Lügen und betrügen, verfälschen, verwirren, ablenken und Ängste schüren: Bei genauer Betrachtung könnte man fast annehmen, sie handeln wie im Wahn. Oder ist es ein Trend? Ja, vermutlich ist es ein Trend. Doch einigen wir uns auf System. Es hat System.

    Verzeiht mir diesen Schwenker, denn mir fällt dazu gerade etwas ein:

    Um diesen unsäglichen Trend aufrechtzuerhalten, und dieses gewisse „Bild“ von Jemandem oder Etwas zu untermauern, läuft brandaktuell die Serie Sam, der Sachse (Aufstieg und Fall in Ostdeutschland) Manchen wird die Serie aus dem Hause Disney schon untergekommen sein. Die in der DDR spielende Handlung ist an Übertreibungen und Vorurteilen kaum zu übertreffen.  

    Aber was hat das nun mit dem Kyffhäuser zu tun?

    Die Antwort ist leicht: Man nehme „eine“ Geschichte, spicke sie mit unterlauteren Mitteln, fülle sie mit einer übertriebenen Darstellung, schaffe eine künstlich herbeigeführte Dramatik und animiere die Menschen diesen „Schmarren“ zu glauben –  und zack, die Geschichte ist verkauft.

    Ich persönlich lasse mir nichts verkaufen, genieße den Moment auf dem Wotansberg, verweile achtsam an der ehemaligen Kultstätte, die dem germanischen Gott Wotan geweiht ist, schlendere durch das „Haus auf der Kuppe“, die Reichsburg, und wähne mich in die Zeit des Stauferkaisers Friedrich I. Barbarossa zurück. Das kann uns keiner nehmen!

    „Ich habe mich nach Kräften bemüht, des Menschen Tun weder zu belachen noch zu beweinen, noch zu verabscheuen, sondern es zu begreifen“.

    Quelle:

    Fabel zum Kyffhäuser aus: „Der Traum vom Deutschen Reich“ – Diana Maria Friz (Beltz Verlag)

    Wikipedia zum Kyffhäuser /Soldatenbund

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  • Fazit zu den Kurorten, den Bädern und dem kulturellen Reichtum Schlesiens

    Juni 3rd, 2023

    Wir haben in der vergangenen Woche nur einen Bruchteil Schlesiens entdeckt und kennengelernt, und doch hoffe ich, dass viele mitgelesen haben, die bisher von Schlesien nur wenig bis gar nichts wussten.

    Zu der Zeit, als meine Mutter den Vortrag „Bäder der Heimat“ gehalten hat, erfolgte anschließend eine Podiumsdiskussion zu „Hoffnung und Bedenken beim EU-Eintritt Polens“.

    Beanstandet wurde unter u. a., dass Polen die Vertreibungsdekrete noch nicht annulliert sowie die vermehrte Einwanderung polnischer Arbeitskräfte nach Deutschland.

    Zu einer Annullierung der Vertreibungsdekrete (auch unter dem Namen Bierut Dekrete bekannt) kam es bis zum heutigen Tage nicht. 2008 erklärte sich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte unzuständig für die Anträge auf deren Aufhebung.

    ——-

    Auszug Wikipedia

    „Nach polnischer Rechtsauffassung hat die Potsdamer Konferenz (17. Juli – 2. August 1945) den Übergang der Oder-Neiße-Gebiete in den Bestand der Republik Polen rechtlich sanktioniert.  Deutsche Rechtsexperten wiesen darauf hin, dass selbst nach dieser Rechtsauffassung ein Teil der Dekrete keinerlei rechtliche Grundlage hatte, da sie in den Monaten zuvor erlassen worden seien. Inhaltlich bekräftigen und ergänzen die Gesetze und Dekrete von 1946 die Rechtsakte aus der ersten Jahreshälfte 1945.“

    ——————–

    „Es wird oft auf die Beschlüsse der Potsdamer Konferenz hingewiesen, als ob die Vertreibung der Deutschen von den Alliierten angeordnet worden wäre. Dabei muss man deutlich machen, dass die Idee der Vertreibung der Deutschen nachweislich mit Edvard Benes ihren Ursprung fand, und das die Lubliner Regierung Polens die Idee begeistert aufnahm. Beide hatten ihre ureigenen Ambitionen und auch panslawistische Interessen. Es war Landraub in großem Stil, die keine historische, moralische oder juristische Berechtigung hatte“

    • Zitiert nach Alfred de Zayas auf einer politischen Hauptkundgebung (Deutschlandtreffen der Schlesier) vom 3. Juli 2005.

    Dass Polen von den Alliierten in der Ausführung entsprechende Unterstützung erfuhr, steht noch auf einem anderen Blatt. Das Siegel setzten schließlich die Siegermächte.

    Und weiter erklärte Alfred de Zayas: „Die Vertreibung der Deutschen war eine reine und rücksichtslose Ausübung der Macht durch die Vertreiberstaaten, und eine Realisierung längst vor 1939 und auch vor 1933 bestehenden chauvinistischen Expansions- Fantasien. Der Krieg hat die Verwirklichung dieser mörderischen Fantasien nicht verursacht, sondern nur ermöglicht. Dies ist eine essentieller – schon logischer – Unterschied. Die Vertreibung stellte keinesfalls die Durchführung eines alliierten Beschlusses in Potsdam dar, sondern begann schon viele Monate vor der Konferenz.

    Als die Potsdamer Konferenz im Schloss Cäcilienhof eröffnete, waren bereits Millionen Deutscher aus Ostpreußen, Danzig, Pommern, Ostbrandenburg, Schlesien, Sudentenland, Ungarn, Jugoslawien usw. vertrieben worden. Durch Mord und Vergewaltigung terrorisiert, flüchteten Millionen Zivilisten nach Westen, um der Roten Armee zu entkommen. Sehr viele, die in der Heimat verblieben waren, sind umgekommen“.

    —————————————

    Wer ist Alfred de Zayas? (* 31. Mai 1947 in Havanna)

    Er ist ein US-amerikanischer Völkerrechtler, Historiker, Sachbuchautor und ehemaliger UN-Beamter. Von Mai 2012 bis April 2018 war er Unabhängiger Experte des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen für die Förderung einer demokratischen und gerechten internationalen Ordnung. In zahlreichen Veröffentlichungen kritisierte de Zayas Handlungen der Alliierten im Zweiten Weltkrieg als völkerrechtswidrig.

    (Auszug Wikipedia)

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  • Den würdigen Abschluss der „Schlesien und seine Bäder“-Reihe setzt Bad Schwarzbach.

    Juni 3rd, 2023

    Ebenfalls im Isergebirge und nur 1 ¼ Stunden Fußweg von Bad Flinsberg entfernt, liegt Bad Schwarzbach im Schwarzbachtal, umgeben von Nadelwald, der bis in die Talsohle hinabreicht. Ursprünglich gehörte auch Bad Schwarzbach den Reichsgrafen von Gottschoff, 1679 ging der Ort an die Stadt Hirschberg.

    Sieben Quellen besaß Bad Schwarzbach. Die größte, die Viktoria-Quelle wurde 1783 entdeckt und ab 1813 genutzt. Ein geregelter Badebetrieb fand erst ab 1850 statt. Obwohl hier keines der Kurmittel erster Badeorte fehlte, große Heilerfolge zu verzeichnen waren, die Besucherzahl laufend stieg, wurde es nie ein mondänes Bad.

    Das Badeleben war ungezwungen, einfach und geselliger Art. Es wurde keine Kurtaxe erhoben und allgemein war es preiswerter als in den großen Badeorten.

    An Unterhaltung fehlte es aber keinesfalls. Konzerte, Musikaufführungen und Tanzabende fanden täglich statt. Im Kurhaus befanden sich Bibliothek und Lesezimmer. Hinter dem Säulengang des Kurhauses führte ein Alleenweg in den 80 Morgen großen Kurpark.

    Das Kurhaus wurde 1928 ausgebaut und modernisiert, es kamen Restaurant, Garten, Café und Veranda dazu. Ein Kurhotel im Ort hatte nicht nur moderne Gästezimmer, eine eigene Quelle, sondern auch eine Autohalle.

    Als Winterportplatz gewann Bad Schwarzbach ab 1929 zunehmend Bedeutung durch ein ausgezeichnetes Skigelände und drei Rodelbahnen.

    Pferdeschlittenfahrten fanden nach Bad Flinsberg, Marklissa und Goldentraum statt.

    1970 stand das Kurhaus noch, ansonsten hat man den Ort dem Verfall preisgegeben.

    ———————-

    Im Anschluss an diesen Beitrag findet ihr noch eine Zusammenfassung, zur „Schlesien und seine Bäder“-Reihe, welche auch das Heimatrecht als fundamentales Menschenrecht aufgreift, und damit auch die völkerrechtswidrige Vertreibung.

    Auf der entsprechenden Seite findet ihr alle erstellten Beiträge zu den schlesischen Bädern. Ich bedanke mich bei allen, die an der Bäder-Reise teilgenommen haben.

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  • „Bin ich noch in meinem Haus?“ – ein Dichter und seine bange Frage

    Juni 2nd, 2023

    Gerhart Hauptmann und das Verlassen…

    Bleiben wir noch einen kurzen Moment im Hirschberger Tal, beruhend auf meinem letzten Beitrag zu Bad Warmbrunn. In der Umgebung des sagenumwobenen Kynast hatte sich Gerhart Hauptmann niedergelassen. 1901 bezog der Dichter „Haus Wiesenstein“ in Agnetendorf, dem heutigen Jagniatkow. Gerhart Hauptmann hatte sich die Jugendstilvilla von dem Berliner Architekten Hans Griesebach bauen lassen. Hier verstarb er am 6. Juni 1946 kurz vor der durch die russische Militärverwaltung angeordnete Aussiedlung.

    „Bin ich noch in meinem Haus?“ soll sich der schon vom Tode Gezeichnete drei Tage vor seinem Ableben vergewissert haben. die bange Frage lässt ermessen, wie sehr ihn das Verlassen der „mythischen Schutzhülle seiner Seele“, wie er sein Heim einmal nannte, belastet hatte.

    An einen Besuch im November 1937 erinnerte sich der Schriftsteller Erich Kästner: „Im Turmzimmer brannte der offene Kamin. Im tiefen Sessel davor, zum Feuer gewandt, saß er, vom Haar wie von Eisluft umweht. In sich gekehrt, war er wie allein. In den Stunden, in denen es galt seinen Wert abzuringen, war er zu fast demütiger Milde erweicht.“

    ———————

    Quelle:

    • Auf den Fotos seht ihr die Villa Wiesenstein in Agnetendorf. Ein kastellartiges Gebäude, dass der Dichter einmal als „mythische Schutzhülle einer Seele“ bezeichnete, wo er von 1901 bis zu seinem Tode 1946 lebte und arbeitete.
    • Außerdem einen Auszug aus dem Heft „Jenseits von Oder und Neiße“ Bildband Nr. aus dem Burda-Verlag Sonderdruck Offenburg /Baden
    • Weitere Quellen: „Das Riesengebirge“ von Georg Jung Ellert & Richter Verlag

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  • Schlesien und seine Bäder Teil IV: Bad Warmbrunn und Bad Flinsberg – vom Riesengebirge ins Isergebirge

    Juni 2nd, 2023

    Über Erzählungen zur Kirche Wang haben wir mit dem Riesengebirge (Beitrag vom 31.5.) bereits Bekanntschaft gemacht. Ihr erinnert euch vielleicht.

    Das Riesengebirge ist auch die Heimat des sagenhaften schlesischen Berggeistes Rübezahl. Es ist ein mächtiger Gebirgszug aus Granit und Gneis. Auch hier gibt es Felsengbilde und Schluchten. Zum Beispiel die bekannten Schneegruben. Die Berge sind dicht bewaldet, die herrschende Holzart ist die Fichte.

    Oberhalb von 1200 Meter gibt es Knieholz (Krüppelkiefern), Krummhölzer, Almenwiesen, Hochmoore und Alpenpflanzen und Flechten (Lisenes, eine niedere Pflanze, die strauchartig an Felsen wächst) – Pflanzen, die man sonst nur in den Alpen oder in der Schweiz und Lappland findet.

    Das Riesengebirge fällt an der Nordseite steil in das 1000 Meter tiefer gelegene Hirschberger Tal ab. Und in diesem Tal, am Fuße des Riesengebirges, nur sieben Kilometer von Hirschberg entfernt, liegt Bad Warmbrunn.

    Dann schauen wir uns mal um, in Bad Warmbrunn – in dem Ort, der im schönsten Tal des

    Hirschberger Kessels liegt.

    1281 wurde hier eine Quelle entdeckt und genutzt. Seine Bedeutung erhielt der Ort erst im 17. Jahrhundert, als durch das Erschließen der radiumhaltigen Quelle, ca. 68 Grad, mit dem Ausbau der Kuranlagen begonnen wurde. Die Reichsgrafen von Gottschoff sorgten dafür, dass sich Warmbrunn zu einem bekannten Badeort entwickelte. Sie waren von 1381 bis 1945 Besitzer von Bad Warmbrunn. Die Anlagen wurden in den Jahrhunderten laufend erweitert und modernisiert. Es entstanden Badehaus, Kurhaus, ein schöner großer Park, ein Theater.

    Auch hier fanden täglich Aufführungen und Kurkonzerte statt. Und 1932 entstand das Bade- und Kurhotel „Quellenhof“, es war das modernste der schlesischen Bäder. Im 18. und 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts kamen Badegäste aus ganz Europa nach Bad Warmbrunn.

    Bekannte Dichter weilten in diesem Kurort, u. a. Goethe. Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der Maler Casper David Friedrich.

    Die Anlagen heute, sind leider eher verwahrlost. Lediglich die Promenade und einzelne Häuser werden seit 2020 aufgewertet.

    —————————-

    Hier geht’s zum Nachbarn, nach Bad Flinsberg ins anmutige Queistal am Nordostt-Abhang des Hohen Iserkamms.

    Das Isergebirge, Nachbar des Riesengebirges, ist ein mächtiges ausgedehntes Waldbergland. Die Hänge fallen steil ab. Felsengebilde, Schluchten und oberhalb das Isermoor sind die besonderen Merkmale dieser Gebirgsformation aus Granit und Gneis.

    Die höchsten Erhebungen sind Heufuder auf schlesischer (1107 Meter) und Tafelfichte (1122 Meter) auf böhmischer Seite. Mittelpunkt dieser Landschaft ist Bad Flinsberg im Queistal. Der Ort ist von hohen Bergen und Wald umgeben. 1572 und 1601 sprudelten hier die ersten Quellen, erst 1689 wurden sie untersucht und genutzt. 1763 erwarben die Reichsgrafen von Schaffgotsch Bad Flinsberg. Unter ihrer Herrschaft entstanden 1768 Bade- und Brunnenhaus, Logiergebäude und eine große Parkanlage. Es dauerte nicht lange bis Bad Flinsberg bei den Erholungs- und Heilungssuchenden große Bedeutung fand.

    1899 entstand ein neues Kurhaus mit einer 80 Meter langen Wandel- und Trinkhalle. Es war ein Hotel ersten Ranges, mit modernen eingerichteten Gästezimmern, Lese- und Tanzsaal, Spiel- und Unterhaltungsräumen. Eine breite Freitreppe führte zum Kurhaus hinauf. Vor dem Gebäude war eine große Terrasse, täglich fanden hier Kurkonzerte statt. Die Wandelhalle war mit Palmen und herrlichen Gewächsen ausgestattet, ebenso die Terrasse. Ab 1925 war Bad Flinsberg auch ein bekannter Wintersportplatz mit einer 2 bis 3 Kilometer langen Bobbahn und einer Sprungschanze.

    Und wie sieht es heute dort aus? Der Kurbetrieb wurde wiederaufgenommen. Noch 1970 konnte man die Wandelhallen nicht betreten, sie waren voller Schmutz. Jetzt ist es etwas ordentlicher geworden. Aber vom ehemaligen Glanz dieses Badeortes ist nichts mehr vorhanden.

    ——————-

    Quelle: Niederschriften meiner Mutter aus ihrer Zeit als Reiseleitern in der Schlesien-Gruppe. (aus der Zeit von 1988 bis 2004)

    Bilder: Pixabay

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  • Bevor wir die nächste Station der schlesischen Bäder erreichen, das wäre dann Bad Warmbrunn, möchte ich noch kurz Bezug auf die weniger schöne Geschichte der Orte nehmen.

    Juni 2nd, 2023

    Ich hatte zu Beginn der „Schlesien und seine Bäder“-Reihe darauf verwiesen, dass man zur Tragödie und dem damit verbundenen Schicksal der Menschen, den Menschen dahinter mit all dem, was ihn ausmacht und geprägt hat, kennenlernen muss. Wie sonst soll man verstehen, was sie tatsächlich verloren haben.

    Blicken wir zunächst zurück. Dazu wissen wir bereits, dass die Geschichte der Schlesier im 12. Jahrhundert beginnt. Ihre Urahnen die germanischen Silinger lebten von ca. 100 v. u. Z. bis 600 n. u. Z. in Schlesien. Zum Teil über 700 Jahre. Als sie das Land verließen, blieb ein Rest des Stammes zurück; nur so ist es erklärbar, dass der Name Schlesien, den die Wissenschaft von den Silingern ableitet, erhalten geblieben ist.

    Den Silingern folgten vereinzelt Slawen, deren Besiedlung sich auf die wenigen waldarmen Gebiete beschränkte.

    Schon vom 10. Jahrhundert an, aber verstärkt ab dem 13. Jahrhundert kamen deutsche Siedler in das Land. Zu dieser Zeit waren endlos Züge von Menschen mit Vieh, gebrechlichen Fuhrwerken, beladen mit Hausrat, Verpflegung und anderen wichtigen Dingen, auf den holprigen, staubigen und bei Regen verschlammten Straßen unterwegs.

    Als endlich das Ziel, meist ein dicht bewaldetes Gebiet erreicht war, musste sofort Wald gerodet und eine Hütte gebaut werden.

    Mit den Bauern waren auch Handwerker, Kaufleute und Ritter in das Urwaldgebiet gekommen. Diese deutschen Siedler aus Franken, Sachsen, Thüringen und einige Flamen rodeten den Wald, legten Felder an, bauten Dörfer, gründeten Städte und machten das unzugängliche Bergland bewohnbar.

    Bis 1350 schafften sie es, 1200 Dörfer und ca.120 Städte neu anzulegen.

    Aus den kleinen Ansiedlungen wuchsen die Waldhufendörfer, die großen Güter, Handel und Handwerk bestimmte das Leben in den Städten. Eine Fülle nützlicher und schöner Bauten wurde errichtet. Technik und Wissenschaft und manche wertvolle Erfindung gingen aus den Werkstätten hervor. So zum Beispiel die Gründung des größten Zeitungsunternehmens 1741 durch Johann Korn und die Herausgabe der „Schlesischen Zeitung“ – später der „Schlesier“.

    Die Kurorte und Bäder gehörten zum kulturellem Reichtum Schlesiens, wie die Gesamtheit, der von ihren einstigen Bewohnern geschaffenen materiellen, geistigen und künstlerischen Werte.

    Die Menschen staunten, untersuchten und erkannten, dass da ein heilendes Wunder aus der Erde steigt. Sei fassten die Quellen ein und nutzten sie. Das geschah ab dem 14. Jahrhundert.

    Auch zählen die lebendigen Kulturwerke Burgen, Adelssitze, Schlösser, Dörfer und Städte mit ihren Häusern, Parkanlagen, prächtigen Baudenkmälern, Theater und Museen dazu. Sei sind typisch deutsches Gepräge, und sie erinnern täglich an die deutsche Geschichte Schlesiens vor über 700 Jahren und an ihre eigentlichen Besitzer und dieses Vermächtnis wird sichtbar bleiben.

    Von Klopstock kommen die nachfolgenden Worte: „Aber die Geschichte wird schon zu ihrer Zeit aufstehen und reden“.

    Und Boris Pasternak sagte: „Glauben Sie mir, es ist schwer, sich zu verpflanzen, Ausweisen aus meiner Heimat, wäre für mich der Tod“.  

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  • Schlesien und seine Bäder – Teil III

    Juni 2nd, 2023

    Bad Landeck und Bad Salzbrunn – zwischen fruchtbaren Feldern, grünen Wiesen und dichten Wäldern

    Der altbekannte Badeort Landeck liegt in einem malerischen, nach Süden geöffneten Tal an den Ausläufern des Reichensteiner Gebirges.  

    Die Landschaft gleicht einem Kessel, der von bewaldeten Gebieten umschlossen ist.

    Bad Landeck ist der älteste Kurort des Glatzer Berglandes. Der Ort wurde Mitte des 13. Jahrhunderts zur Stadt erhoben. Etwa seit 1400 lebten die Ackerbürger und Handwerkerstadt auch von warmen Quellen, die nach der Erschließung fortlaufend ausgebaut wurden.

    1557 gab es das Warme Bad (Temperatur +20-30 Grad). Natürlich waren noch Mängel und Unzulänglichkeiten zu verzeichnen. Verbesserungen entstanden erst 1847. Und 1877wurd das primitive 200 Jahre alte Bad abgerissen und ein Prachtbau hingestellt.

    1877 fuhr die letzte Postkutsche nach Bad Landeck, die Eisenbahnlinie Glatz-Landeck wurde in Betrieb genommen. Die Zahl der Kurgäste stieg stark an. Zu den Badehäusern entstanden Kurhaus, Kurtheater, Kurplatz und andere moderne Anlagen. Bad Landeck wurde ein hochmodernes Bad. Gut eingerichtete Hotels und Fremdenheime sorgten für das Wohl der Gäste. Ein Kurort ist nicht nur stolz auf seine Heilerfolge, sondern auch auf seine Kurgäste mit einem bekannten Namen.

    In Bad Landeck war es Friedrich der Große, der 1765 sich einer 20-tägigen Badekur unterzog und von der schmerzhaften Gicht befreit wurde. Zurzeit Friedrich d. Großen war allerdings so eine Badekur kein Vergnügen. Bis zu sechs Stunden mussten die Kranken im Wasser aushalten.

    In einem Brief teilte er seinem Freund folgendes mit: Ich schreibe Ihnen vom Wasser aus, mein Lieber worin ich mehr lebe als auf dem Lande, und fange an, Fisch oder Ente zu werden.

    Aber vier Wochen später schrieb er: Die Bäder von Landeck haben mir den Gebrauch meiner Füße wiedergegeben.

    Und Dank der erfolgreichen Kur Friedrich d. Großen kamen im Laufe der Jahrhunderte Fürsten, Könige, Präsidenten, Bischöfe, Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler nach Bad Landeck.

    1790 feierte Goethe hier seinen 41. Geburtstag und John Quincy Adams, der sechste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika (1825-1829) hatte nach seinem Aufenthalt in Bad Landeck großes Lob für den Kurort ausgesprochen.

    Rings um den Kurort gibt es zahlreiche Aussichtspunkte wie Schollenstein (540 Meter), Hohenzollernfels (660 Meter), Bismarckkoppe (534 Meter), Moltkefelsen, Dreiecker (770 Meter), Hoher Heidelberg (900 Meter) und die Rösselkoppe.

    ———-

    Und schon erwartet uns das nächste Bad: Kegelförmige Berge, schluchtenartige Täler und bewaldete Hügel sind die Merkmale des Waldenburger Bergwaldes, wo im Tal am Salzbach Bad Salzbrunn liegt.

    Willkommen im ältesten und einem der größten schlesischen Kurorte mit Sauerbrunnen, Kurhaus, Sanatorium und 140 Hektar großen Parks.

    Der Ort wurde 1221 gegründet. Die Hauptquelle ist seit dem 14. Jahrhundert bekannt.

    Erzählt wird, dass ein armer Bauer mit Hacke und Schaufel den Boden des Gartens lockerte, als plötzlich helles Quellwasser aus dem Boden drang. Ob es sich wirklich so zugetragen hat, ist nicht belegt.

    1705 und 1790 wurden zwei weitere Quellen erbohrt und 1802 kamen noch Zwei dazu. 1801 begann unter König Friedrich Wilhelm III. der Ausbau zum Kurbad. Als große Heilerfolge bekannt wurden, erhöhte sich die Zahl der anreisenden Gäste jährlich. Die Kuranlagen wurden in den Jahren von 1823 bis 1897 laufend ausgebaut und erweitert. Dazu entstanden moderne Tennisplätze und viele andere Annehmlichkeiten für die verwöhnten Gäste; denn hier traf sich der Hochadel von Deutschland und dem Ausland. Es hatte lange gedauert, bis aus dem kleinen Badeort ein mondänes Welt-Bad wurde. Es war auch eine Zeit des sozialen Gegensatzes. Die Kurgäste, Eleganz, Wohlstand, Sorglosigkeit auf der einen und die schreiende Armut der Weber auf der anderen Seite. Einige fanden in den Küchen- und Badeanlagen, Wäschekammern und als Kutscher Arbeit.

    Stolz konnte Bad Salzbrunn auf seinen großen Sohn und dessen Bruder Carl sein. Sie wurden in Bad Salzbrunn geboren und wuchsen hier auf. Ihr Vater, Robert Hauptmann, war der Besitzer des größten Hotels am Ort „Zur preußischen Krone“.

    Die Kutscherstube „Zum Fuhrmann Henschel“, gab Gerhart Hauptmann die Anregung zum gleichnamigen Schauspiel von 1899.

    Von Salzbrunn aus bieten sich Ausflüge nach dem Hochwald sowie in den Sattelwald an.

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  • Schlesien und seine Bäder – Teil II: Willkommen in der Grafschaft Glatz, der bäderreichsten Region Schlesiens.

    Mai 31st, 2023

    Von Bad Kudowa nach Bad Reinerz – Heilquellen in schluchtenreichem Gebirge und inmitten dichtbewaldeter Täler

    Wo sind wir gestern stehengeblieben? Ah ja, das war im Gebirgsdorf Grenzeck, etwa zwei Kilometer von Bad Kudowa entfernt. Und zwar dort, wo im Jahr 1796 eine Schädelkapelle errichtet wurde. Die Wände der Kapelle sind mit gebleichten Schädeln und Knochen bedeckt, mit sterblichen Überresten von 24.000 Pestopfern aus dem Dreißigjährigen Krieg und Gefallenen aus dem Siebenjährigen Krieg. Die Pest hat 80 Prozent der Bevölkerung dahingerafft. Etwas „freundlicher“ stimmt indes die Lage des Städtchens in einer Talmude. Auch der Kurpark ist nicht zu verachten.

    Doch eigentlich wollten wir zu den Heilquellen. Angekommen im „Böhmischen Winkel“, in der Grafschaft Glatz,  besuchen wir zunächst Bad Kudowa, das älteste deutsche Herzbad.

    Seit dem 17. Jahrhundert wird der Ort wegen seiner 1580 entdeckten Sauerbrunnen besucht.

    1783 erwarb Freiherr Michael von Stilldorf Kudowa und baute den Ort zu einem Heilbad aus. Ab 1870 war Bad Kudowa als erstes deutsches Herzbad bekannt. Von den fünf Mineralquellen, die hier sprudelten, wurden vier zum Baden und eine zum Trinken genutzt.

    In herrlicher Lage inmitten eines windgeschützten Bergkessels, zeichnet sich der Ort durch ein mildes Klima aus.

    Erste Besitzer der zu den stärksten Arsenquellen Europas gehörenden Heilquellen waren Albrecht von Wallenstein (1583.1634) und sein Schwager Graf Terzky Nachod.

    Wegen der vorzüglichen Qualität wurde das Wasser in Berliner Apotheken zu Trinkkuren angeboten. Bad Kudowa hat vier Badehäuser, Kurplatz, Palmengarten, Wandel- und Trinkhallen und einen 200 Morgen großen Kurpark. Musik und gutes Theater, erlesene künstlerische und sportliche Veranstaltungen trugen zur Abwechslung und zum Erfolg der täglichen Anwendungen bei.

    Die Hotels waren modern ausgestattet. Bad Kudowa konnte die Ansprüche verwöhnter Gäste voll erfüllen. Es war auch das teuerste Bad der Region.

    Einige bekannte Gäste, die in Bad Kudowa zur Kur weilten sind König Wilhelm III. mit seiner Familie im Jahr 1813. Er traf hier Graf Neidhardt von Gneisenau und Ernst Moritz Arndt (Ihr erinnert euch: Vor Kurzem habe ich seine Rede ((1810) für die Greifswalder Universitätsfeier vorbereitet, wegen der politischen Verhältnisse erst 1847)) veröffentlicht), geteilt.

    Der Preußische Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke besuchte ab 1867 mehrmals den Kurort. Hermann Stehr setzte in seiner Novelle „Anton Gudnatz“ dem Ort ein literarisches Denkmal. Auf dem 487 Meter hohen Schlossberg nördlich des Kurparks steht die Hussitenkapelle mit dem Denkmal des dort ruhenden Generalleutnant Fr. Wilhelm von Götzen, der 1807, die von Österreichern besetzte Festung um die Stadt Glatz für Preußen rettete.

    Nur 11 Kilometer von Kudowa entfernt, liegt Bad Reinerz im dichtbewaldeten Weistritztal.

    Stadt und Kurviertel verband eine ein Kilometer lange Allee. 1323 erhielt der Ort das Stadtrecht. Bereits 1408 wurde Reinerz als Kurort bekannt. Aber der Aufschwung kam erst im 18. Jahrhundert nach der (Er)Bohrung der Kalten und der Lauen Quelle. (1748 (+11), 1797 (+18,4). Bad Reinerz besaß neun Quellen.

    Ab Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte der Kurort zu den modernsten und bekanntesten Bädern. Ähnlich wie in Bad Kudowa wurde den Erholungssuchenden große Bequemlichkeit, ja ein gewisser Luxus der damaligen Zeit geboten.

    Dicht bei den Heilquellen standen Kur- und Badehaus, die mit Kunstwerken und Palmen ausgestattete Wandelhalle, das Kurtheater und der Musikpavillon. Es gab Theateraufführungen und viele andere Veranstaltungen.

    Als im Jahre 1909 die Laue Quelle nachgebohrt wurde, schoss plötzlich eine hohe Fontäne empor. Es entstand ein 42 Meter hoher Springbrunnen im Kurpark. Die Gäste des Ortes waren Heilungssuchende aus ganz Deutschland und Europa. Auch König Friedrich Wilhelm III. und Goethe weilten hier. Später kamen zu Wohltätigkeitsveranstaltungen viele Adlige, Schauspieler und andere Persönlichkeiten.

    Morgen geht es dann weiter nach Bad Landeck, ebenfalls in der Grafschatz Glatz gelegen, jedoch an den Ausläufern des Reichensteiner Gebirges.

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  • Schlesien und seine Bäder – Teil I

    Mai 31st, 2023

    Beruhend auf den Niederschriften zum Vortrag, den meine Mutter im Jahr 2004 in ihrer Schlesien-Gruppe gehalten hat, verweilen wir zunächst im Glatzer Bergland und besuchen dort Bad Kudowa.

    Nordwestlich von Glatz liegt das Heuscheuer Gebirge mit seinen rötlichen Felswänden aus Quadersandstein, die sich aus dunklen Tannenwäldern über 700 Meter erheben, ein sogenanntes Felsenmeer. Regen, Frost und Wind haben dieses Wundergebilde geschaffen, denen menschliche Fantasie unterschiedliche Namen gab. Zum Beispiel Eberkopf, Tanzbär, das beladene Kamel, Großvaterstuhl und andere. Von deutschen Siedlern begehbar gemacht, wanderten Schlesier und viele andere Besucher auf schmalen Steigen durch enge Schluchten. In die engen Felsgassen drang kaum ein Sonnenstrahl, der Schnee lag noch im Juli darin.

    Erwähnenswert: Zum Bau des Berliner Reichstags wurde Sandstein aus dem Heuscheuergebirge geholt.

    Bad Kudowa liegt hier in einem windgeschützten Kessel am Fuße des Heuscheuergebirges, nur einen Kilometer von der tschechischen Grenze entfernt.

    Doch bevor wir uns Bad Kudowa näher widmen, möchte ich noch etwas loswerden:

    Wenn wir von deutschen Tragödien sprechen, weiß nur ein Bruchteil der Menschen um das eigentliche Geschehen. Allein aus meinem Bekanntenkreis kann ich die Wissenden an einer Hand abzählen. Insbesondere die Menschen, jenseits der Oder /Neiße, in den westlichen Gebieten Deutschlands erkennen erst mit der Zeit und nach zahlreichen Rückfragen einen Zusammenhang zu den damaligen Geschehen, zu dem Elend und Leid, dass über Millionen Deutsche nach Kriegsende hereinbrach. Auch mein lieber Mann, der nun mal aus den westlichen Gefilden stammt, wusste, bevor er mich kennenlernte, von Schlesien nichts, überhaupt nichts. So auch nichts von den anderen betroffenen Ostgebieten und ihrem Schicksal.

    Es ist daher falsch mit der Tragödie zu beginnen. Zuerst müssen die Menschen die Menschen hinter der Tragödie kennenlernen, mit ihren Bräuchen, Sitten, ihre Kultur, der herrlichen Landschaft und all dem Schönen, was ihre Kindheit einst ausmachte. Wie soll man sonst etwas erfassen, wovon man nie gehört hat?

    Erst wenn man erkennt, was man diesen Menschen genommen hat, was sie verloren haben, lässt sich die Tragödie vielleicht besser begreifen.

    Eichenblatt und Götterberg – wer sind die Schlesier eigentlich?

    O. P. Geyer beschrieb es einst so:

    „Der Schlesier ist heiter an Gemüt, die Traurigkeit verachtend,

    mild und streng in der Gesinnung, voll Liebe zur Heimat.

    Tugend liebt man in Schlesien, Frömmigkeit, die Gott versöhnt, und

    Demut und Gerechtigkeit…“

    Aus den höchst gegensätzlichen Zutaten einer sowohl ernsten als auch heiteren Landschaft, dem Weinen und Lachen der Menschen, sollte etwas Besonderes entstehen – in der Form eines Eichenblatts. Die starke Mittelrippe und auch die feineren Nebenrippen waren schon vorhanden – mit der Oder und allen ihren linken und rechten Nebenflüssen.

    Die schwungvolle Eichenblattform sollte für ewige Zeiten auf die feste Verzahnung mit den Nachbarn hinweisen, auf den gegenseitigen Austausch von Kultur und Lebensart der Menschen-

    Mit den restlichen Zutaten entstanden liebliche Landschaften und fruchtbares Ackerland, hohe Berge mit Felsgestein, stillen Mooren und tiefen Wäldern. Unverwechselbare Düfte schwangen über allem, Farben spiegelten sich in diesem heiteren schlesischen Guckkasten.

    Den Zobten als Götterberg habt ihr ja bereits kennengelernt.

    Zu Beginn ihres Vortrages erklärte meine Mutter noch Folgendes:

    Heute wollen wir die immer mehr verblassende Erinnerung an unsere Heimat auffrischen und auf Schlesien und seine Bäder zurückblicken.

    Ein Dichter sagte: „Erinnern ist so wichtig für unser Leben wie das Atmen.“

    Und von einem anderen stammen die Worte: „Erinnerung, es ist das dort erlebte Glück, es ist das dort erlebte Leid, was man mitteilen muss.“

    Kinder und Enkelkinder sollen endlich erfahren, was wirklich geschah, als eine Welle der Gewalt über ihre Eltern hereinbrach, sie zu Freiwild wurden und Enteignung, Vertreibung, Vergewaltigung und Mord an ihren Verwandten erleiden mussten.

    Und auch das muss man wissen: Die vertriebenen Schlesier, Pommern, Ostpreußen und Sudetendeutsche haben nach dem Krieg die größten Lasten und Entbehrungen getragen. Dennoch zählten sie zu den ersten, die trotz Hunger, Not und Elend sich am Wiederaufbau Deutschlands beteiligten. Und nur sie können von dem wahren Geschehen der Flucht und Vertreibung berichten.

    Heraklit sagte schon vor mehr als 500 Jahren v. u. Z.: „Denn was ich selbst geschaut, gehört habe, gebe ich den Vorrang.“

    Die Geschichte der Schlesier beginnt im 12. Jahrhundert. Ihre Urahnen, die germanischen Silinger, lebten von ca. 100 v. u. Z. Bis 600 n. u. Z. in Schlesien.

    Bad Kudowa, dem wir uns morgen dann in Gänze widmen, begeistert nicht nur mit zahlreichen Mineralquellen, es bewahrt auch eine beeindruckende Geschichte. So steht hier eine Schädelkapelle, 1796 errichtet. Die menschlichen Schädel und Knochen stammen von Pestopfern des Dreißigjährigen Krieges und Gefallenen des Siebenjährigen Krieges.

    Morgen lest ihr mehr darüber. Also bleibt neugierig!

    Dort wo der Zobten gipfelt: ein Berg der Götter, der Illyrier, Druiden und Kelten, und das Wahrzeichen Schlesiens (Teil I)

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  • Von Wikingern und Ostgermanien, der Sclavi und der damalig christlichen Auffassung der Schwertmission: Tod oder Taufe.

    Mai 30th, 2023

    (Teil II zu Hinter den Kulissen geht die Tragödie weiter – von Meinungsfreiheit und einem weltweiten Netzwerk von Mythen, Legenden, Lügen und Propaganda)

    Bevor ich zu den Bädern der Heimat (Bad Warmbrunn, Bad Flinsberg, Bad Landeck u. s. w.)  überschwenke, schnell noch allerlei Wissenswertes zu den „urpolnischen Westgebieten“.

    „Wer nichts weiß, muss alles glauben“, besagt ein altes Sprichwort.

    Viele orientieren sich an der vorgegebenen allgemein gültigen Lehrmeinung. Wie schon im Beitrag zuvor erwähnt: Jahrelang wurde uns über diesen Weg (falsches) Wissen zuteil.

    Ich zähle mich zu den Menschen, die den Dingen gerne auf den Grund gehen. Das ist so eine Angewohnheit aus Kindertagen. Neugier treibt, Erfahrung lehrt. Jetzt, wo unsere eigenen Kinder (fast) alle aus dem Haus sind, kann ich mich noch bewusster mit gewissen (historischen) Prozessen auseinandersetzen. Schnell wird man darüber gewahr, wie wertvoll ein solches Prozedere ist, um die Welt wie sie nun mal ist, und wie um sie bestellt, besser zu begreifen. Was man tatsächlich daraus für Schlüsse zieht und wie man sein Leben darauf ausrichtet, muss jeder für sich selbst bestimmen. Denn wir alle sind Individuen. Und das, was zum dem Einen passt, muss noch lange nicht zum anderen gehören.

    Wichtig ist es nur, sich seinem Ursprung und seiner Wurzeln bewusst zu werden, um handlungsfähig zu bleiben.

    Doch nun zurück zu den „urpolnischen Westgebieten“.

    Wer nichts über diese Gebiete weiß, glaubt auch der polnischen Geschichtsschreibung und an die polnischen Ansprüche auf ostdeutsches Gebiet, ja sogar noch auf mitteldeutsches Gebiet östlich der Elbe. Zur Geschichte offenbart sich eben dieses bereits erwähnte Netzwerk von Mythen, Legenden, Lügen und Propaganda, die ein normaler Mensch kaum durchblicken kann. Ich habe dazu zahlreiche Bücher gewälzt und ich möchte behaupten, auch ordentlich recherchiert. Die mir vorliegenden Ausführungen sind über entsprechende Quellen einlesbar und beruhen zumeist auf einer überlieferten mittelalterlichen Geschichtsschreibung.

    Doch was wissen wir nun von den (urpolnischen) Westgebieten vor 1000 Jahren – mit Schlesien, Ostbrandenburg, Pommern und Ostpreußen – jetzt unter polnischer Verwaltung?

    Die „urpolnischen“ Zeiten begannen mit der Landnahme des normannischen Herzogs Dago Miseko aus dem Teilkönigsreich Ringerike in Südnorwegen gelegen im Jahre 960 n. d. Z.

    Spulen wir also zurück, und landen bei den Wikingern.

    Mit der einsetzenden Wärmeperiode begannen die Wikinger, die Nordmänner oder auch Normannen genannt, mit ihren Raub- und Kriegszügen durch ganz Europa.

    England, Frankreich, Spanien, Portugal und Italien war genauso betroffen wie die deutsche Nord- und Ostseeküste. Beliebt waren bei den Raubzügen und Entdeckungsfahrten der Wikinger die Flussmündungen, von denen sie flussaufwärts in das Landesinnere vordrangen.

    Es waren aber nicht nur Raubzüge, sondern auch die Suche nach neuen Siedlungsgebieten für die jüngeren Generationen wegen Überbevölkerung auf dem kargen Boden der skandinavischen Länder.

    So landete auch der Herzog Drago Miseko mit seinem Gefolge im Jahre 960 n. d. Z. an der Odermündung und gründete im Wartheland zwischen der Oder und der Weichsel, sein eigenes Herrschaftsgebiet, das Miseko-Riki.

    Dazu muss man festhalten: Dago Misekos Gefolgsleute nannten sich nicht etwa Polen oder Polanen, sondern sind als Licicaviki überliefert. Die offizielle Forschung hat über Dago Misekos Gefolgsleute nur Hypothesen aufgestellt, die den Namen nicht erklären werden. Vielmehr ordnet der Name diese Gefolgsleute den Wikingern zu.

    Uns zieht es weiter nach Ostgermanien

    Germanien und besonders Ostgermanien war damals mit Urwäldern, Sümpfen, Bruch-und Ödland bedeckt.

    Fruchtbares Ackerland war wenig vorhanden. Der Ackerbau war noch primitiv und beschränkte sich auf die Feldgraswirtschaft. Erst später im 9./10. Jahrhundert breitet sich von Westen herkommend allmählich die Dreifelderwirtschaft aus.

    Spärliche Streusiedlungen bevölkerten dieses Gebiet zwischen Warthe und Netze.

    Zur Bevölkerung

    Bewohnt wurde diese Region durch die dort beheimateten germanisch-gotischen Volksstämme der Wandalen, Rugier, Pomoranen, (Polanen), Heruler, Silinger, Goten und andere germanische Teilstämme. Das Wartheland gehörte im Mittelalter zu Ostelbien, „Vandalia“ genannt.

    Die mönchslateinischen Schriften nannten das Land auch „Sclavania“  – das Land der Sclavi, der nicht christianisierten Volksstämme, ohne auf die Herkunft Bezug zu nehmen.

    Es waren die Heiden, die Gottlosen.

    Adam von Bremen berichtete im 11. Jahrhundert über die Sclavi: ..„alle waren noch im Irrwahn des heidnischen Götzendienstes befangen. Sie, die Heiden waren die Sclaven der Götzen und des Teufels. Die Sclaven entrichteten der Kirche keinen Zehnten. Es waren verabscheuungswürdige Kreaturen und rechtloses Freiwild, die nicht zu Kreuz kriechen wollten.“

    Der Name Sclavi wurde zurzeit Karl des Großen von mönchslateinischen Geschichtsschreibern geprägt. Die Sclavi standen außerhalb jeden Rechts; ihr Gebiet war nach mittelalterlicher christlicher Auffassung herrenlos. Heiden = Sclavi galten als Söhne des Satans. Sie waren Teufelsgenossen, die zu vernichten ein gefälliges Werk war. Nur so kann man nach der damaligen christlichen Auffassung die Schwertmission verstehen: Tod oder Taufe!

    Von dem, was uns gelehrt wird, und davon, was tatsächlich geschrieben steht

    Entsprechend der allgemeinen gültigen Lehrmeinung verließen die germanisch-gotischen Völkerstämme im 5. und 6. Jahrhundert Ostelbien und Mittelosteuropa. Von irgendwo aus dem Osten wanderten dann in das von den Germanen verlassene Land ethnisch fremde Völkerschaften, die sogenannten Slawen ein. Dies wurde seit Anfang des 19. Jahrhunderts in Schulen und Universitäten in Europa und in der Welt gelehrt. Jedoch, während des Mittelalters und bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wird in der Geschichtsschreibung nichts dergleichen berichtet. Hingegen erfahren wir von einer stets vorhandenen germanisch-gotischen Bevölkerung. Dass einzelne Stämme oder Teilstämme aus diesem Gebiet weggezogen sind, ist bekannt.

    Stets blieb eine Stammbevölkerung zurück!

    Es war meist die jüngere Generation, die wegen Überbevölkerung die Heimat verlassen musste. Skandinavien ist wegen der zahlreichen Auswanderer nicht entvölkert worden. Der langobardische Geschichtsschreiber Paulus Diaconus (720-797) berichtete, dass in den Volksversammlungen durch Los entschieden wurde, wer die Heimat zum Aufsuchen neuen Wohngebietes zu verlassen hatte.

    Bekannt ist auch die Gesandtschaft der Silinger zu ihren ausgezogenen wandalischen Stammesbrüdern unter König Geiserich (428-477) nach Nordafrika mit der Bitte um Überlassung der, diesen noch vorbehaltenen Ländereien in Schlesien. Geiserich lehnte ab.

    Wenn ihr noch mehr über die Silinger erfahren möchtet: Auf der Seite „Reise und Geschichte“ findet ihr Wissenswertes zum Zobten, dem Berg der Götter, Illyrier, Druiden und Kelten, und dem Wahrzeichen Schlesiens.

    Besser als über diesen geheimnisvollen Berg, lässt sich Geschichte wohl kaum vermitteln.

     ————————–

    Quelle:

    • Wikipedia,
    • Stiehler, Diener und Krieger
    • Von Weltzien, Wikinger aus genealogischer Sicht
    • Mühle, Die Piasten
    • Ausführungen und Niederschriften des Dr. Heinrich Klug
    Hinter den Kulissen geht die Tragödie weiter – von Meinungsfreiheit und einem weltweiten Netzwerk von Mythen, Legenden, Lügen und Propaganda

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