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Klara Fall: das glaube, wer mag

  • Hinter den Kulissen geht die Tragödie weiter – von Meinungsfreiheit und einem weltweiten Netzwerk von Mythen, Legenden, Lügen und Propaganda

    Mai 29th, 2023

    Teil I

    Zeigt mir die jungen Menschen, die um die Geschichte unseres Volkes wissen. Wer von ihnen kennt die Tragödien, die Schicksale, wissen um das Tun, die Anstrengungen und die Kraft ihrer Vorfahren?  Ich möchte behaupten, vielleicht 10 Prozent. Das sind dann etwa die 10 Prozent, die in den Genuss der Aufklärung mittels ihrer Familie gekommen sind. Und selbst da fallen noch einige hinten runter. Ein trauriges Resümee, denn würden sich viel mehr Menschen aus unserem Volk ihrer Vergangenheit und ihrer Wurzeln bewusstwerden, würden sie, das Erbe, dass sie angetreten haben, mehr zu schätzen wissen.

    Entsprechend der allgemeinen gültigen Lehrmeinung verließen die germanisch-gotischen Völkerstämme im 5. und 6. Jahrhundert Ostelbien und Mittelosteuropa. Von irgendwo aus dem Osten wanderten dann in das von den Germanen verlassene Land ethnisch fremde Völkerschaften, die sogenannten Slawen ein. Dies wurde seit Anfang des 19. Jahrhunderts (Beitrag im Kommentar) in Schulen und Universitäten in Europa und in der Welt gelehrt. Jedoch, während des Mittelalters und bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wird in der Geschichtsschreibung nichts dergleichen berichtet. Hingegen erfahren wir von einer stets vorhandenen germanisch-gotischen Bevölkerung. Dass einzelne Stämme oder Teilstämme aus diesem Gebiet weggezogen sind, ist bekannt.

    Auch Wikinger verließen bei einer viel kleineren Bevölkerungszahl Skandinavien und siedelten in verschiedenen europäischen Regionen, so etwa in Nordfrankreich (Normandie) im Wolga-(Bolgar) und Schwarzmeergebiet, gründeten im Jahre 864 Känugard (Kiew), Naugard (Nowgorod) am Ilmensee und schließlich siedelte auch der Herzog Dago-Miseko aus dem Ringerike, Norwegen, im Wartheland.

    Zu Dago Miseko und den Licicaviki-Wikingern an anderer Stelle mehr.

    Es gibt Kritiker und Aufklärer. Ja, die gibt es. Wenn auch kaum bekannt, denn es sind nun mal die „Propheten“, die man ungern zu Wort kommen lässt.

    Dr. Heinrich Klug, ein Schlesier im ‚Exil, hatte zuletzt 2013 einen offenen Brief an den Schlesier Präsidenten Prof. Michael Pietsch (mittlerweile verstorben) wegen Meinungsfreiheit verfasst. Grund: Der langjährige Schlesier-Präsident ‚Rudi Pawelka wurde 2013 (Auf Anweisung der CDU-Oberen?) abgesetzt, wie er den neuen Kurs der CDU hinsichtlich unserer Ostgebiete und das Alliierten von Deutschlands Kriegsschuld nicht mitgesungen hat und durch den systemkonformen Prof. Michael Pietsch ersetzt wurde.

    Dieses weltweite Netzwerk von Mythen, Legenden, Lügen und Propaganda, ist für einen normalen Menschen kaum zu durchblicken.

    Ich orientiere mich primär an den Niederschriften der mittelalterlichen Geschichtsschreiber zur Herkunft der Bevölkerung, auch im Zusammenhang mit den sogenannten „urpolnischen“ Westgebieten, und folge in Teilen der Ausführungen des Dr. Heinrich Klug.

    Als wir zuletzt den Oldenburger Wall (siehe Beitrag im Kommentar) und den dazugehörigen musealen Bereich dazu besucht haben, sind uns Unstimmigkeiten aufgefallen. Unstimmigkeiten darüber, was uns die Funde aus den Ausgrabungen berichten, gegenüber der aktuellen Geschichtsschreibung, die sich bei genauer Betrachtung von einem Widerspruch zum anderen hangelt.

    „Zum zehnten Mal wiederholt, wird es gefallen.“, vermerkte einst schon Horaz.

    Wenn man also immer und immer wieder Falsches in die Köpfe der Menschen predigt, werden sie es irgendwann als gegeben hinnehmen.

    Ich zähle mich nicht dazu. Wenn ich erkenne, dass bewusst falsche Informationen gestreut werden, möchte ich aufklären und vor allem erkennen, welchem Ziel eine solche widersprüchliche „Unterrichtung“ dient.

    Vorweg: Für jeden Menschen ohne ideologische Eingenommenheit geht aus den historischen Berichten, die vom Mittelalter bis zur Neuzeit reichen, hervor, das Ostelbien im Mittelalter bis in die Neuzeit hinein von germanisch-gotischen Volksstämmen bewohnt wurde. Es waren anfangs Heiden, von der christlichen Kirche Sclavi genannt und die im Laufe der Zeit christianisiert wurden. In der damaligen Zeit waren es unfreie, rechtlose und vogelfreie Götzendiener, die, wie der Name Sclavi bereits besagt, als Ware gehandelt werden konnte.

    Dazu einige geschichtliche Beispiele:

    • Einhard (770 bis 840). Der Geschichtsschreiber Karl des Großen in seinen „Annales Alamanici“.., das Karl gegen die Sclavi einen Kreuzzug in das Land der Wandalen (in regionem Vandalorum) unternahm.
    • Und in seiner „Vita Karoli Magni“: … schließlich unterwarf (Karl) alle wilden Barbarenstämme, die in Germanien zwischen Rhein und Weichsel und dem Ozean (Ostsee) und der Donau wohnen und die fast alle dieselbe Sprache sprechen, die sich aber durch verschiedene Bräuche und Sitten von einander unterscheiden. Die wichtigsten von ihnen sind die Welataben, Sorben, Abodriten und Böhmen.
    • Adam von Bremen (1000 bis 1072). Er beschrieb den ostelbischen Raum als „amplissima Germaniae provintia = reichste Provinz Germaniens.
    • Bischof Bogufall II. (1250) von Posen bekundet im Jahr 1250, dass kein Volk so viel Gemeinsames habe und so vertraut wäre, als die Sclavi mit den Deutschen. >>siehe auch den Beitrag im Kommentar >folgt man also der originalen Geschichtsschreibung waren „Slawen“ und Deutsche in Wahrheit Brüder aus einer gemeinsamen Wurzel.
    • Albertus Crantzius (1448 bis 1517) ins einem Werk „Wandalia“: Die Rugier glauben als letzte der Wandalen an Christus und Sclavi werden von den Sachsen die genannt, die vorher Wandalen hießen, Sclavie sunt Wandali“.
    • Freiherr von Valvassor (1689) in seinem Werk: „Die Ehre des Herzogtum Krain“:… dass die Windischen Sclavonier Wenden und Wandalen einerlei Volk sind.
    • Grimm (1750) im Band 28 Wandeschland Sclavonia oder Vandalia oder Wendland geheißen, hat sich ungefehrlich gestrecket von Magdeburg an wene (bis) an Preußenland – also von der Elbe bis zur Weichsel).
    • Thoama Krantzow (1816) in seiner „Geschichte der Völker vom Lande Pommern“:… dass Sclavi und und Wandali ist ein Dinck.

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    Hier folgen noch einige Kenntnisse von den Sprachen der Ostgermanen unter Angabe schriftlicher Quellen:

    Im Daglinger Reich in Polen hat die Gründungsmannschaft wikingischer Abstammung sicher nordgermanisch gesprochen. Sie traf in Polen auf ostvandalische Stämme. Infolge der dauernden deutschen Verheiratungen der adligen Führungsschicht wird diese auch bald althochdeutsch gesprochen haben. In den Städten, die alle- auf z.T. bereits vorhandenen ostgermanischen Siedlungen deutscher Gründungen mit meist Magdeburger Recht waren, wurde noch um 1500 nur deutsch gesprochen, auch in Krakau und am Hofe dort. Die Polonisierung setzte ein, nachdem das Bistum Gnesen im Jahre l 000 in ein Erzbistum umgewandelt worden war und aus dem Deutschen Reich ausgeschieden war (siehe bei F. Wolff 1977).

    Die Nestorchronik (R. Trautmann 1931) aus Kiew berichtet von der Geschichte des Warägerreiches. König Wladimir ließ sich 989 taufen und erhielt gleichzeitig die Tochter Anna des byzantinischen Kaisers zur Frau. Als Bedingung wurde offenbar die Einführung einer Kirchensprache gefordert. Welche das war, geht aus den Quellen nicht hervor.

    „Und er begann in den Städten Kirchen zu bauen und Priester einzusetzen und das Volk in allen Städten und Döifern zur Taufe zu führen. Dann sandte er hin und ließ die Kinder der angesehenen Männer nehmen, um sie in der Schrift zu unterweisen: die Mütter aber dieser Kinder weinten um sie, denn sie waren noch nicht im Glauben befestigt, und sie beweinten sie wie Tote“. Da aus der damals eingeführten Sprache das heutige Russische entstand, wird es das Kirchenslawische gewesen sein, das sich vom Nordgermanischen der Waräger unterschieden. haben muß.

    Dieses Kirchenslawisch wurde ohne weiteres von der Bevölkerung des Großfürstentums Kiew verstanden. Das ist ein Hinweis auf die ethnische Zugehörigkeit der dort lebenden „Slawen“ zu den Ostvandalen. Der Sohn Wladimirs, Jaroslaw, der eine warägische Mutter und eine schwedische Frau hatte, soll noch warägisch gesprochen haben, während der Hof, die Beamten und das Heer sich mehr und mehr des „Slawischen“ bedienten (A. v. Gadolin 1971).


    Quelle: Ich danke Dr. Heinrich Klug für seine Ausführungen mit entsprechenden Recherchen als wertvollen Wegweiser  (gefunden in den Unterlagen meiner Eltern).

    In Teil II betrachten wir die Zeit der Wikinger mit Beginn des 9. Jahrhunderts, die Regionen Ostgermaniens, Herkunft und Bezug der Bevölkerung als auch die Zeit der Völkerwanderung.

    Weitere Quellangaben: Helmut Schröcke Vor- und Frühgeschichte germanischer Stämme im Osten

    Von Wikingern und Ostgermanien, der Sclavi und der damalig christlichen Auffassung der Schwertmission: Tod oder Taufe.

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  • Begebenheiten aus der Heimat – ein herrliches Fleckchen Erde mit einer bewegten Geschichte

    Mai 25th, 2023

    Gestern kamen mir diese wunderschönen Zeilen (um 1900) der Schriftstellerin Maria von Ebner-Eschenbach unter.

    „Mährische Heimat

    „Ein besonders stiller Sonntagnachmittag im Sommer bei uns auf dem Lande. Aus dem Hause ist alles ausgeflogen, die Spatzen in den Dachrinnen einzig ausgenommen Im Garten herrscht die schönste Einsamkeit, lebendige, wonnige, atmende Ruhe. Feierlich breiten die Bäume ihre Zweige in die milde, regungslose Luft und trinken Sonnenschein.

    Die Vögel haben sich müde gesungen, kein einziges Stimmchen wird laut. Ich gehe langsam in den Laubengängen und zwischen den Wiesen hin und kann den Fuß auf keine Stelle setzen, die nicht vor langer, langer Zeit, oder vor einer noch nicht so fernen, ein mir teurer Mensch betreten hat.

    Sie alle haben den dankbaren, fruchtbaren Boden unserer Heimat geliebt, und wenn ich über ihn hinschreite, umgeben sie mich, die Erbin dieser Liebe, sie mir ins Dasein, ich ihnen in den Tod getreu. Die Erinnerung knüpft ihre feinen, starken Fäden, trägt mir liebe Bilder, liebe Worte zu. Auch manches begrabene Leid regt sich, ein Widerstreit erwacht. Aber nur der Schatten seiner selbst, ohne Härte und Herbigkeit.

    Entschwundene Zeit! Erst das Heute lehrt, was in deinem Damals des Kampfes wert oder unwert war.“

    ———————————————-

    Die Geschichte zur Geschichte

    „Im Garten herrscht die schönste Einsamkeit, lebendige, wonnige, atmende Ruhe. Feierlich breiten die Bäume ihre Zweige in die milde, regungslose Luft und trinken Sonnenschein.“

    In derart sommerlicher Prosa verfasste die Schriftstellerin viele ihrer Dichtungen und Werke. Hier wurde sie als Abkömmling der Adelsfamilie Dubský 1830 geboren.

    Doch ist es auch eine Idylle auf Zeit.

    Heute liegt das Schloss abgesperrt und öde hinter einem Zaun.

    Bröckelnde Löwenfiguren, versiegte Brunnen, eingeschlagene Scheiben – nur durch dichtes Laub kann man aus der Ferne erspähen.

    Kein Hund „Krambambuli“; kein prominenter Besuch aus der untergegangenen Habsburgerzeit; keine Gedenktafel, kein Zugang zum Mausoleum, in dem die Dichterin ruht.

    Im Jahr 2016 hat sich die gemeinnützige Initiative Czech National Trust vorgenommen, wenigstens den Park und die Kapelle zu erneuern.

    Unweit ihres Domizils, Richtung Austerlitz, fand am 2. Dezember 1805 eine der bekanntesten und blutigsten Schlachten der Napoleonischen Kriege statt – exakt ein Jahr nach der Kaiserkrönung Napoleons. Diese Schlacht war ausschlaggebend für die Vernichtung des Heilig Römischen Reiches. Bei Austerlitz stellte Napoleon den überlegenen Russen und Österreichern eine Falle und errang einen historischen Sieg.

    1945 wurde das Schloss zum kommunistischen Kulturhaus umfunktioniert, das Mobiliar versteigert und die unschätzbare Bibliothek der Marie von Ebner-Eschenbach mit zahlreichen Widmungsexemplaren in einer Papiermühle zerschreddert.

    Wie hatte sie geschrieben: „Vaterlandsliebe errichtet Grenzpfähle, Nächstenliebe reißt sie nieder.“ Die Tschechen haben die Dichterin und Philanthropin, die ihre Sprache sprach, lange verschmäht, dann immerhin in einem anderen mährischen Schloss eine Ausstellung über sie eingerichtet. In ihren wundervollen Aphorismen urteilte ausgerechnet die privilegierte Freifrau lakonisch: „Alle historischen Rechte veralten.“ So weit ist es nun auch mit ihrer Welt und ihrem Werk gekommen. Und Zdislavice liegt baufällig und verlassen da. Als wäre selbst die Erinnerung an jene ferne Zeit bereits verschwunden.

    (Quelle: Feuilleton FAZ.Net, ein Kommentar von Dirk Schümer)

    ———————————————–

    Mähren ist nicht meine Heimat, doch die Reisen und Geschichten zu diesem herrlichen Fleckchen Erde haben mich von Kindheit an getragen. Böhmen, Mähren und Mährisch-Schlesien sind die „Länder der böhmischen Krone“ und heutige Teile der tschechischen Republik. Die meisten Besucher zieht es nach Prag. Doch um die Region kennenzulernen, sollte man nicht mit Prag beginnen – auch wenn die Stadt einen unvergleichlichen Charme bewahrt. Prag ist eine Welt für sich, ein Brennpunkt der Geschichte, ein urbanes Bilderbuch.

    Zwischen Prag und meiner Heimatstadt Görlitz liegen gerade mal 160 Kilometer –  mittendrin offerieren sich echte Lieblingsplätze.

    Ich denke da an das Altvatergebirge, den Jeschken am Rande des Isergebirges oder an die Schneekoppe, dem höchsten Berg des Riesengebirges. Stets schweifen die Blicke weit hinaus ins böhmische und mährische Land.

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  • Eine kleine Sammlung zu: „Den Deutschen verstehen“

    Mai 25th, 2023

    Hier findet ihr einzelne Beiträge aus Überlieferungen, beruhend auf Zitaten, Gedichten und Erzählungen

    Immer, wenn ich den Versuch unternehme, herauszufinden, was beim Deutschen aus der „Reihe“ läuft, warum er so ist wie er ist, warum er den unvorteilhaften Hang zum Nachahmen nicht verlassen kann, und aus bloßer Pedanterie knechtisch zu sein scheint, erinnere ich mich an die Deutung Immanuel Kants, betreffend deutscher Charakterzüge. Wie schon oft erwähnt, besteht dieses deutsche Phänomen der geringen Meinung von sich, original sein zu können (was gerade das Gegenteil des trotzigen Engländers ist) über Jahrhunderte hinweg. Es macht wohl einen Teil der Eigentümlichkeit des Deutschen aus.

    Doch wann haben sich die eher nachteiligen Charakterzüge gefestigt?

    Hängt es möglicherweise mit der (ehemaligen) Form der Reichsfassung Deutschlands zusammen?

    Immanuel Kant schreibt dazu: Neben seinem unvorteilhaften Hang zum Nachahmen und der geringen Meinung von sich, original sein zu können, zeigt der Deutsche vornehmlich eine gewisse Methodensucht sich mit den übrigen Staatsbürgern nicht etwa nach einem Prinzip der Annäherung zur Gleichheit, sondern nach Stufen des Vorzugs und einer Rangordnung peinlich klassifizieren zu lassen, und in diesem Schema des Ranges, in Erfindung der Titel (von Edlen und Hochedlen, Wohl- und Hochwohlgeborenen) unerschöpflich und so aus bloßer Pedanterie knechtisch zu sein, welches alles freilich wohl der Form der Reichsfassung zugerechnet werden mag. Und doch muss man bemerken, dass das Entstehen dieser pedantischen Form selber aus dem Geiste der Nation und dem natürlichen Hange des Deutschen hervorgehe. Nämlich zwischen dem, der herrschen, bis zu dem der gehorchen soll, eine Leiter anzulegen, woran jede Sprosse mit dem Grade des Ansehens bezeichnet wird, der ihr gebührt. Aber auch darüber, wer keinen Titel hat, nicht ist, welches denn dem Staate, der diesen erteilt, freilich was einbringt. Der Deutsche fügt sich unter allen zivilisierten Völkern am leichtesten und dauerhaftesten der Regierung, unter der er ist.

    Die guten Charakterzüge überwiegen – das macht Hoffnung!

    Kant beginnt seine Ausführung zum Charakter der Deutschen mit den Worten:

    Die Deutschen stehen im Ruf eines guten Charakters, nämlich dem der Ehrlichkeit und Häuslichkeit, Eigenschaften, die eben nicht zum Glänzen geeignet sind. Er ist dabei der Mann von allen Ländern und Klimaten. Er wandert leicht aus und ist an sein Vaterland nicht leidenschaftlich gefesselt. Doch wenn er in fremde Länder als Kolonist kommt, da schließt er bald mit seinen Landsleuten eine Art von bürgerlichem Verein, der dich durch Einheit der Sprache und unter der höheren Obrigkeit in einer ruhigen sittlichen Verfassung durch Fleiß, Reinlichkeit und Sparsamkeit vor den Ansiedlern anderer Völker vorzüglich auszeichnet – So lautet das Lob, welches selbst Engländer den Deutschen in Nordamerika geben.

    Darüber hinaus ist da dieses Phlegma (in gutem Sinne genommen), das Temperament der kalten Überlegung und der Ausharrung in Verfolgung seines Zwecks und zugleich das Aushalten der damit verbundenen Beschwerlichkeiten. So zehrt der Deutsche von den Talenten eines richtigen Verstandes und seiner tief nachdenkenden Vernunft.

    Wie schon Tacitus in „Germania“ den Deutschen gesunden Verstandestalent zuordnet, erkennt Kant diesen, verbunden mit Fleiß, ebenfalls – dieses sein Charakter im Umgange ist Bescheidenheit. Er lernt mehr als jedes andere Volk fremde Sprachen (wie Robertson sich ausdrückt), ist Großhändler der Gelehrsamkeit, und kommt im Felde der Wissenschaft zuerst auf manche Spuren.

    Er diszipliniert seine Kinder zur Sittsamkeit mit Strenge, wie er dann auch seinem Hange zur Ordnung und Regel gemäß, sich eher despotisieren (autorisieren) als sich auf Neuerungen (betreffend eigenmächtige Reformen in der Regierung) einlassen wird – das ist eine gute Sache!

    Auszug aus „Charakter der Deutschen“ 1798, leicht abgewandelt

    (Quelle: projekt-gutenberg.org/stael/deutschl)

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    Auszug aus „Vorzüge der Teutschen“ 1785 von Wilhelm Ludwig Wekhrlin

    „Es ist nicht zu Viel gesagt, wenn man behauptet, in eben dem Grad, wie unser Jahrhundert alle vorigen an Aufklärung übertrifft, übertreffe Deutschland alle anderen auch.

    Wir sind zum Exempel, die Ersten, welche auf den Einfall kamen, die Todesstrafen abzuschaffen, und somit einen der erleuchtetsten Grundsätze in der Natur- und Sittenlehre einzuführen. Dann Nichts ist eitler, als dass man über das Recht der Todesstrafe streitet; inmittelst ein sehr einfacher Begriff die Sache entscheidet: sie empört die Natur.

    (Und nichts ist gründlicher und der Entwicklung würdiger, als dieses Argument. Die Todesstrafe empört der Natur, also widerspricht sie dem Naturgesetz, also ist sie falsch).

    Wir sind, die sich zuerst Nationalgesetzbücher gaben, das ist, ihr eigenes Interesse von römischen, gothischen, fränkischen Recht zu unterscheiden wussten. Hierin übertreffen wir die Engländer und Franzosen, deren Jurisprudenz noch durchaus barbarisch ist, bei weitem.

    Wir sind, in jedem Zeitpunkt betrachtet, die Urheber der gereinigten Religion! Insofern wie sie erstlich von den Fesseln Roms, und dann von den Fesseln der Theologie befreit haben.

    Wir haben die Leibeigenschaft abgeschafft, und es liegt nicht an uns, wenn das Sklavensystem in Afrika und Amerika noch nicht aufgehoben ist. Wenigstens sind es Deutsche, die unlängst den Entwurf hierzu in den Staaten Virginien und Neu-Yorck angaben.

    Die Nationalerziehung, dieser grosse Gegenstand, der sich mit Sonnengewalt über ganz Europa verbreitet, ist unser Werk. In diesem Fach sind wir Schöpfer.

    In Deutschland war’s, wo die Tortur und die Hexenprozesse zuerst fielen.

    • Es ist an der Zeit, nein…, längst überfällig, dass die Menschen in diesem Land wieder ein Bewusstsein für ihr Land erlangen.

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    Tacitus zu „Ehe und Familie“ der Germanen

    In diesem und auch in anderen Kapiteln aus „Germania“ idealisiert Tacitus das sittliche Leben der Germanen, um es in den Gegensatz zum Sittenverfall Roms zu stellen:

    „So leben sie denn in wohlbeschirmter Keuschheit, und durch keine Lockungen von Schauspielen, keine Reizungen von Gastmählern verführt.“

    „Preisgegebener Keuschheit gewährt man vollends keine Verzeihung; nicht durch Schönheit, nicht durch Jugend, nicht durch Reichtum, fände ein solches Weib einen Mann. Denn hier lacht niemand über das Laster, und verführen und sich verführen lassen nennt man nicht den Geist der Zeit.“

    „Die Zahl der Kinder zu beschränken oder irgendein von den Nachgeborenen zu töten, wird für eine Missetat gehalten, hier vermögen gute Sitten mehr als anderswo Gesetze.“  

    In jedem Haus wachsen sie halbnackt und schmutzig zu dem Gliederbau, zu der Leibesgestalt empor, die wir bewundern. Jeden nährt seine eigene Mutter an ihrer Brust, Mägden und Ammen werden sie nicht überwiesen.

    Den Herrn und Knecht kann man in keiner Art durch weichlichere Erziehung unterscheiden; unter demselben Vieh, an demselben Erdboden halten sie sich auf, bis das Alter die Freigeborenen absondert und Tapferkeit sie kenntlich macht.

    Spät erwacht beim Jünglinge die Sinnlichkeit, und darum ist seine Manneskraft unerschöpft.

    ——————————–

    Deutsche Größe

    Darf der Deutsche in diesem Augenblick,
    wo er ruhmlos aus seinem tränenvollen Kriege geht,
    wo zwei übermütige Völker ihren Fuß auf seinen Nacken setzen,
    und der Sieger sein Geschick bestimmt – darf er sich fühlen?
    Darf er sich seines Namens rühmen und freu’n?
    Darf er sein Haupt erheben
    und mit Selbstgefühl auftreten in der Völker Reihe?


    Ja er darf‘s!
    Er geht unglücklich aus dem Kampf,
    aber das, was seinen Wert ausmacht,
    hat er nicht verloren.
    Deutsches Reich und deutsche Nation sind zweierlei Dinge. Die Majestät des Deutschen
    ruhte nie auf dem Haupt seiner Fürsten.
    Abgesondert von dem Politischen
    hat der Deutsche sich einen eigenen Wert gegründet,
    und wenn auch das Imperium untergegangen,
    so bliebe die deutsche Würde unangefochten.

    Sie ist eine sittliche Größe,
    sie wohnt in der Kultur und im Charakter der Nation
    die von ihren politischen Schicksalen unabhängig ist.
    Dieses Reich blüht in Deutschland,
    es ist in vollem Wachsen
    und mitten unter den gotischen Ruinen
    einer alten barbarischen Verfassung
    bildet sich das Lebendige aus.
    Der Deutsche wohnt in einem alten, sturzbedrohten Haus,
    aber er selbst ist ein edler Bewohner,
    und indem das politische Reich wankt,
    hat sich das geistige immer fester und vollkommener gebildet…

    …. Jedem Volk der Erde glänzt
    Einst sein Tag in der Geschichte,
    Wo es strahlt im höchsten Lichte
    Und mit hohem Ruhm sich kränzt,
    Doch des Deutschen Tag wird scheinen . . .]
    Wenn der Zeiten Kreis sich füllt,
    Und des Deutschen Tag wird scheinen
    Wenn die Scharen sich vereinen
    In der Menschheit schönes Bild!

    Ein Auszug (4 von 12 Strophen) aus dem Gedicht „Deutsche Größe“ von Friedrich von Schiller 1797)

    ———————————————————–

    Unternehmen wir noch einen kurzen „Schwenker“ in die Anfänge des 11. Jahrhunderts, die der Wiedergewinnung alten germanischen Bodens.

    Schlesien, Ostpreußen, Westpreußen und Pommern sind Gebiete, die 7 Jahrhunderte und mehr von germanischen Stämmen bewohnt waren. Als dieses west- und südwärts zogen, kamen Slawen ins Land. Doch dieses Slawen waren nicht in der Lage, den Boden zu bewirtschaften, Wälder zu roden, um Anbaugebiete zu schaffen. Deshalb übergaben sie das unbewohnte Land und die unbewohnbaren dichten Wälder den Deutschen. Aus den alten germanischen Stämmen kamen Franken, Thüringer, Flamen und viele andere nach Schlesien. Unter schwersten Bedingungen schufen diese Deutschen Dörfer und Städte und brachten eine Wüste zum Blühen, und ließen auf altem germanischen Boden neues Leben erwachsen.

    Und noch etwas: Unser Volksstamm, soweit wir zurückblicken können, besaß dichterische Begabung. Er wusste, die bunte Menge von Gestalten und Handlungen zu erfinden, die den Inhalt einer Mythenreihe ausmachen. Später, als die Germanen lange Zeit bei den südlichen Nachbarn in die Schule gegangen waren, erhob sich ihre bildende Kunst zu freien, großen Schöpfungen.

    Wusstet ihr, dass allein aus der Provinz Niederschlesien mit der Hauptstadt Breslau 13 Nobelpreisträger stammen?

    • 1908 Paul Ehrlich
    • 1912 Gerhart Hauptmann
    • 1918 Fritz Haber
    • 1931 Friedrich Bergius
    • 1934 Otto Stern
    • 1950 Kurt Alder
    • 1954 Max Born
    • 1963 Maria Goeppert-Meyer
    • 1964 Konrad Bloch
    • 1987 Georg Bednorz (Kind schlesischer Eltern)
    • 1994 Reinhard Selten
    • 1999 Günter Blobel(geb. 1936, er kam mit seinen Eltern als Vertriebener aus Sohrau-Niederschlesien- nach Dresden, ging nach Abitur und Studium nach Amerika – da er in der DDR keine Unterstützung zur Forschung bekam).

    Auch das deutsche West- und Ostpreußen hat Nobelpreisträger:

    • 1920 Walter Nernst
    • 1901 Emil Behring
    • 1911 Wilh. Wien
    • 1956 Werner Forssmann
    • 1963 Fritz Lippmann

    Aus dem deutschen Sudetenland: 1905 Philipp Lenard

    Weitere größere Persönlichkeiten aus dem zum deutschen Reich gehörigen Ostdeutschland sind Imanuel Kant, Kopernikus,  Knobelsdorf,  Schopenhauer, Virchow,

    Borsig, Langhans, Fahrenheit , A. Menzel (Maler) , B. Grzimek  Zoologe)

    Kurt Masur (Dirigent).

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    Über das Kriegswesen der Germanen (ein Auszug aus Germania)

    Könige wählen sie nach dem Adel, Feldherren nach der Tapferkeit. Wie die Könige keine unumschränkte oder willkürliche Gewalt haben, so befehligen auch die Feldherren mehr durch Beispiel als durch Kommando, wenn sie tapfer, vor andern kenntlich und vor der Schlachtreihe tätig sind: Die Bewunderung verschafft ihnen Gehorsam.

    Übrigens ist außer den Priestern niemand berechtigt, jemand hinzurichten, zu fesseln oder selbst zu schlagen.

    Dies alles geschieht nicht wie zur Strafe, noch auf Geheiß der Feldherren, sondern wie wenn es die Gottheit geböte, von welcher sie glauben, dass sie bei den Kämpfenden gegenwärtig sei., weshalb sie auch Bildnisse und gewisse aus Hainen hervorgehobenen Zeichen mit in die Schlacht nehmen.

    Was aber einen ganz besonderen Sporn zur Tapferkeit gewährt, ist das, dass nicht der Zufall oder ungefähre Zusammenhäufung der Geschwader oder den Keil bildet, sondern Familien und Verwandtschaften.

    Dabei haben sie ihre Lieben ganz in der Nähe, so dass das Geheul der Weiber und das Gewimmer der Kinder vernommen werden kann.  Das sind für jeden die heiligsten Zeugen und die größten Lobredner. Zu den Müttern wie zu den Gattinnen bringen sie ihre Wunden, und diese scheuen sich nicht, ihre Zahl und die Art der Verwundung genau zu untersuchen. Ebenso bringen sie den Kämpfenden Speisen und gewähren ihnen Ermunterung.

    —————————

    „Das Schicksal des Staates“ meinte einst Alexander Vinet (1797-1847), hängt vom Zustand der Familie ab.“

    Wenn es stimmt, sieht es für die Bundesrepublik nur bedingt rosig aus. Immer weniger Ehen werden geschlossen, immer mehr geschieden. Immer weniger Kinder werden geboren, immer mehr wachsen bei Alleinerziehenden auf oder schauen bei fremden Menschen aus den Fenstern. Immer mehr Mütter müssen arbeiten, immer mehr Alte sterben in Heimen. Wohlstand hat sich als nicht besonders familienfreundlich erwiesen.

    Von Leo Tolstoi stammt das Zitat „Entbehrung braucht die Familie notwendiger als Überfluss. “ Darin spiegelt sich die Überzeugung, dass (ein gewisses Maß) an Entbehrung charakterformend sei. 

    In dem Zusammenhang möchte ich auch an die Beschreibung Tacitus zu „Ehe und Familie“ (aus Germania) anknüpfen: Gleichwohl sind die Ehen dort streng, und in keinem Punkt möchten ihre Sitten mehr zu loben sein. So leben sie denn in wohlbeschirmter Keuschheit, und durch keine Lockungen von Schauspielen, keine Reizungen von Gastmählern verführt. In jedem Hause wachsen sie halbnackt und schmutzig zu dem Gliederbau, zu der Leibesgestalt empor, die wir bewundern. Jeden nährt seine eigene Mutter an ihrer Brust, Mägden und Ammen werden sie nicht überwiesen.“

     ———————

    Während Cäsar etliche Tage bei Vesontio (Besançon) verweilte, befiel plötzlich eine solche Furcht sein ganzes Heer, daß die Gemüter von allen in hohem Grade verwirrt wurden. Die Römer fragten nämlich bei Galliern und Händlern den Germanen nach, und da rühmten jene von diesen, sie besäßen eine riesige Körpergröße, sowie eine unglaubliche Tapferkeit und Waffenfertigkeit. Oft hatten sie, die Gallier, mit den Germanen zu streiten versucht, aber nicht einmal den Feuerblick germanischer Augen zu ertragen vermocht. Die Furcht bemächtigte sich zuerst solcher Offiziere, welche Neulinge im Kriegswesen waren, und ging von diesen allmählich auch auf die schlachterfahrenen Soldaten über. 

    Nur mit dem leichten Kriegsmantel bekleidet, selten mit Panzer und Helm versehen, gingen diese gegen Frost und Unwetter abgehärteten, dem Hunger und der Ermüdung trotzenden Männer in die Schlacht. Ihre Hauptstärke bestand im Fußvolke, doch kannten und übten sie auch den Gebrauch der Reiterei. Ihre Schlachtordnung stellten sie in Keilrotten auf. Flucht beschimpfte, und die Zurücklassung des Schildes machte geradezu ehrlos. Waffen waren des freien Mannes Kennzeichen, Schmuck und Stolz; sie anzulegen war keinem gestattet, bevor die Gemeinde ihn wehrhaft erklärt hatte.

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    Was taten eigentlich die Germanen in ihrer „Freizeit“ –  über ein Volk ohne List und Trug

    Die Zeit, welche sie nicht mit Jagd und Krieg ausfüllten, verbrachten sie in träger Ruhe oder mit Zechgelagen, welche die beiden großen altgermanischen Laster, Trinksucht und Spielsucht, nährten.

    Aus Feldfrüchten, geronnener Milch und Wildbret bestand vornehmlich ihre Kost; ihr Getränk, das sie im Übermaße liebten, war ein aus Gerste oder Weizen gezogener Saft, zu einiger Ähnlichkeit mit Wein verderbt wie des Tacitus treffender Ausdruck besagt. Dies der Anfang des seither so sorgsam ausgebildeten Nationalgetränkes, welches jetzt unter dem Namen »deutsches Lagerbier« die Runde um die Welt macht. Da es bräuchlich war, Tag und Nacht ununterbrochen fortzuzechen, ging das Gelage nicht selten in Kampftumult über, um mit Totschlag zu endigen.

    Vom Biere erhitzt, mitunter auch nüchtern, Hab und Gut, ja zuletzt die persönliche Freiheit im Würfelspiel einzusetzen, war durchaus nicht ungewöhnlich.

    Andererseits wurden fast alle wichtigen Angelegenheiten beim Gastmahle verhandelt. Hier wurden Aussöhnungen zuwege gebracht und Ehebündnisse verabredet, hier wurden sogar über Krieg und Frieden Beschlüsse gefaßt, hier zeigte sich die Gastfreundschaft, diese von den Germanen bis in ihre äußersten Folgerungen geübte Tugend, in ihrem vollsten Glanze, hier wurde unserer Ahnen liebstes Schauspiel, nackter Jünglinge Tanz zwischen aufgerichteter Schwerter Spitzen und Schneiden, aufgeführt, hier endlich öffnete sich bei »zwangloser Fröhlichkeit des Innere der Brust eines Volkes ohne List und Trug«.

    Quelle:

    • Johannes Scheer Deutsche Kultur- und Sittengeschichte
    • Auszüge aus Tacitus „Germania“

    ————

    Wieder einmal bei Tacitus gestöbert –

    Gleich beim ersten Absatz schoss mir durch den Kopf, welch wunderbare Vorstellung für unsere politische Gegenwart.

    Doch zurück ins alte Germanien! Zu dem politischen und sozialen Leben der Germanen schreibt Tacitus in seinem Werk Germania“:

    „Über geringere Sachen ratschlagen die Häupter, über größere alle, jedoch so, dass auch das, worüber das Volk zu bestimmen hat, von den Häuptern erst in Überlegung gezogen wird.

    Sie kommen, wenn nicht ein zufälliges oder plötzliches Ereignis vorfällt, an bestimmten Tagen, entweder bei Neumond oder bei Vollmond zusammen; denn sie halten dies für den günstigsten Anfangspunkt von Geschäften.

    Auch rechnen sie nicht, wie wir nach Tagen, sondern nach Nächten. Auf dieses Weise setzen sie Termine fest und treffen Verabredungen. Die Nacht erscheint als Führerin des Tages. Eine nachteilige Folge der Freiheit ist es, dass sie nicht zugleich und nicht wie Leute, denen es anbefohlen ist, zusammenkommen, sondern dass selbst der zweite und dritte Tag über dem Zögern der sich Versammelnden hingeht.

    Sobald es dem Haufen gutdünkt, setzen sie sich bewaffnet nieder. Von den Priestern wird Schweigen geboten, welche dann auch das Strafrecht haben. Dann lässt sich ein König oder ein Häuptling, wie Alter, wie Adel, wie Kriegsehre, wie Wohlredenheit einen jeden berechtigt, vernehmen, mehr mit dem Ansehen der Überredung, als mit der Macht des Befehls.

    Missfällt der Antrag, so verwerfen sie denselben mit Gemurr, gefällt er, schlagen sie die Framen zusammen. Die ehrenvollste Art der Beistimmung ist das Lob mit den Waffen.

    Ferner wählt man auch in diesen Versammlungen die Häupter, welche in den Gauen und Dörfern Recht sprechen. Jedem steht ein Geleit von Hunderten aus dem Volke zugleich als Rat und zu größerem Ansehen zur Seite.

    Nichts aber, weder von öffentlichen noch Privatgeschäften, verhandeln sie anders als bewaffnet. Jedoch erlaubt keinem die Sitte, früher die Waffe zu tragen, als die Gemeinde ihn dazu bewährt gefunden hat.“

    Quelle: Caesar-Tacitus, Berichte über Germanen und Germanien by Phaidon Verlag GmbH, Essen

    ————

    An die Deutschen

    Kraft, Freiheit, Glauben! – habt ihr es vernommen?

    Sie sind nicht außer euch, noch in den Dingen.

    Das Herrliche, es kann euch noch gelingen.

    Doch es euch nur aus euch selber kommen.

    Seht, eure Stützen sind euch fortgeschwommen,

    Vergebens mit dem Strom der Zeit zu ringen,

    Das Schicksal nicht, nur euch könnt ihr bezwingen,

    Das ist das Ziel der Starken und der Frommen.

    Ihr saht nur Teile stets und nur das Viele,

    Gesammelt wart ihr nie zum Ganzen, Einen,

    Drum ist gekommen, was ihr selbst verschuldet.

    Jetzt rettet euch zum einzigen Asyle,

    Flieht zur Idee, entflieht dem leeren Meinen,

    Das Rechte tut und das Gerechte duldet. „

    (Zacharias Werner) vermutlich 1806

    —————————–

     …wann das deutsche Volk eigentlich entstand?

    Das erste Reich der Deutschen entstand unter König Heinrich I. (919-936): Um das Jahr 920 erschien zum ersten Mal auf einer Urkunde der Begriff „RegnumTeutonicorum“ (Reich der Deutschen).

    Die Bevölkerung teilte sich damals in fünf Stämme: Franken, Sachsen, Lothringer, Schwaben und Bayern. Übrigens: Jeder Einwohner des Reiches König Heinrichs kommt unter den Vorfahren der heutigen Deutschen etwa viertausendmal vor – so breit haben sich die Gene der mittelalterlichen Ahnen über tausend Jahre und rund 40 Generationen vererbt.

    ———————-

    „Kein Volk auf der Welt kann an Tapferkeit und Treue die 

     Germanen übertreffen!“ (Tacitus)

    Ein Satz, der ungeheuer nachwirkt, wenn man sich dem nur besinnt!

    ——————————————

    Es gibt eine Sorte

    Es gibt eine Sorte im deutschen Volk,
    Die wollen zum Volk nicht gehören;
    Sie sind auch nur die Tropfen Gift,
    Die uns im Blute gären.

    Und weil der lebenskräftige Leib
    Sie auszuscheiden trachtet,
    So hassen sie nach Vermögen ihn
    Und hätten ihn gern verachtet.

    Und was für Zeichen am Himmel stehn,
    Licht oder Wetterwolke,
    Sie gehn mit dem Pöbel zwar,
    Doch nimmer mit dem Volke.

    Theodor Storm (1864)

    —————————————————

    Auszug aus: „Das Faustrecht der Deutschen“ (1770) von Justus Möser

    Sätze, die nachdenklich stimmen, auch, oder insbesondere in der Gegenwart,

    „Es werden jetzt in einem Feldzuge mehrere Menschen unglücklich gemacht als damals in einem ganzen Jahrhundert. Die Menge der Übel macht, daß der heutige Geschichtschreiber ihrer nicht einmal gedenkt; und das Kriegsrecht der jetzigen Zeit bestehet in dem Willen des Stärksten. Unsre ganze Kriegesverfassung läßt keiner persönlichen Tapferkeit Raum; es sind geschleuderte Massen ohne Seele, welche das Schicksal der Völker entscheiden; und der ungeschickteste Mensch, welcher nur seine Stelle wohl ausfüllt, hat ebenden Anteil am Siege, welchen der edelste Mut daran haben kann.

    Eine einförmige Übung und ein einziger allgemeiner Charakter bezeichnet das Heer; und Homer selbst würde nicht imstande sein, drei Personen daraus in ihrem eignen Charakter handeln oder streiten zu lassen.

    Ich will jetzt der Turniere nicht gedenken, welche als notwendige Übungen mit dem ehmaligen Faustrechte verknüpft waren, ohn erachtet ihre Einrichtung den Geist von mehr als einem Lykurg zeigt und alles dasjenige weit hinter sich zurückläßt, was die Spartaner zur Bildung ihrer Jugend und ihrer Krieger eingeführet hatten; ich will die Vorteile nicht ausführen, welche eine wahre Tapferkeit, ein beständiger Wetteifer und ein hohes Gefühl der Ehre, das wir jetzt zu unser Schande abenteuerlich finden, nachdem wir uns auch selbst in unser Einbildung nicht mehr zu den ritterlichen Sitten der alten Zeiten hinaufschwingen können, auf eine ganze Nation verbreiten mußten.

    Ich will nichts davon erwähnen, wie gemein die großen Taten sein mußten, da die Dichter das Reich der Ungeheuer und Drachen als die unterste Stufe betrachteten, worauf sie ihren idealischen Helden Proben ihres Muts ablegen ließen. Nein, meine Absicht ist bloß, die Vollkommenheit des Faustrechts als eines ehemaligen Kriegesrechts zu zeigen, und wie wenig wir Ursache haben, dasselbe als das Werk barbarischer Völker zu betrachten.

    Rousseau mag noch so sehr getadelt werden: so bleibt die Stärke und die Wissenschaft, solche zu gebrauchen, doch allemal ein wesentlicher Vorzug. Unsre neuern Gesetzgeber mögen dem Menschen Hände und Füße binden; sie mögen ihm Schwert und Rad vormalen; er wird seine Kraft allemal gegen seinen Feind versuchen, sooft er beleidigt wird.

    Unsre Vorfahren wagten es nicht, dieses angeborne Recht zu unterdrücken. Sie gönneten ihm seinen Lauf; aber sie lenkten es durch Gesetze. Und das Faustrecht war das Recht des Privatkrieges unter der Aufsicht der Land-Friedensrichter.“

    —————————————

    Um noch einmal deutlich zu machen, dass der gegenwärtige Zustand unseres Landes gar nicht so ungewöhnlich ist. Mit diesem, nennen wir es einfach mal „deutschen Phänomen“ schlugen sich schon einige Dichter weit vor unserer Zeit herum.

    Hier eine Satire von Johann Benjamin Michaelis

    „Schriftstellern nach der Mode“ (1766)

    … du Göttin, die von Nacht und Erebus gezeugt,

    Hans Sachs mißgebahr und Stoppe uns gesäugt,

    und manches Dichters Haupt bei reimenreichen Stunden

    Dein Mützchen aufgesetzt und Schellen umgebunden.

    O Dummheit deren Macht, die halbe Welt gehört,

    die schon der Ost erblickt, der West mit Zittern ehrt.

    Und Mode! Du, nach der sich fast in allen Ländern

    Die Sitten und das Volk, Lob oder Tadel ändern,

    die du den Deutschen itzt im Schlamm der Seine tauchst,

    jetzt mit dem Kohlendampf des ernsten London schmauchst,

    Heut unsern müden Fuß mit schweren Reimen plagest,

    Morgen entfesselt der Welt auf stolpenden Sylben entjagest;

    Wie lang belagert ihr den patriot‘schen Rhein?

    Die Deutschen wollen nicht, sie können alles seyn.

    Allein sie bleiben stets in andrer Werth verlohren,

    Nachahmend Genies, originelle Thoren.

    Zehn Stümper sagen nach, was einer weislich sprach,

    Sobald ein Deutscher spricht, hallt auch ein Deutscher nach,

    Und wer am meisten gilt, dem liefert auch die Mode

    Lied, Epopee, Idyll, Erzählung, Fabel, Ode.

    Anzumerken wäre, dass Michaelis den Meistersinger Hans Sachs (1494-1576) nicht nur als Spruchdichter, sondern auch als Befürworter der Reformation sehr schätzte.

    —————————————–

    „Die Sprache eines Volkes, eines Volksstammes, ist das wesentlichste Merkmal seines Volkstums. In ihr zeigen sich Herkunft, Wesen und Eigenart noch deutlicher als in seinen Sitten und Bräuchen, zeigt sich die Seele des Volkes.“

    (Alois Bartsch 1979)

    In Bezug zu den verschiedenen Formen eines Kulturtransfers scheint die Entwicklung glasklar: Dazu zählt das jahrzehntelange Bemühen und die Versuche (insbesondere mit Beginn der 1960er Jahre) die deutschen kulturellen als auch sprachlichen Wurzeln zu (ver)amerikanisieren, westernisieren, (ver)denglishen.

    Auch wenn der Zeitraum dieser Prozesse die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg umfasst, liegen die Anfänge jedoch deutlich früher und reichen mindestens in die Zwischenkriegszeit zurück.

    Ø (Ver)Amerikanisierung bezeichnend für den wirtschaftlichen und kulturellen Einfluss Amerikas.

    Ø (Ver)Westerinisierung bezeichnend für die politisch-ideologische Homogenisierung Westeuropas.

    „Sale“, „Hiring“ oder Coffee to go“ – Ein Amerikaner könnte (beispielsweise) in Düsseldorf einkaufen gehen, ohne Deutsch zu lernen!

    —————————————

    Auszug aus Tacitus (Germania) zu unserer Herkunft

    „Das Volk der Germanen scheint mir ureingeboren zu sein und ganz und gar nicht berührt durch Zuzug oder Aufnahme aus fremden Stämmen. Denn nicht zu Lande, sondern auf vielen Schiffen kamen in der Urzeit die Wanderer, die einen neuen Wohnsitz suchten; und ins unermeßliche Meer dort droben, in eine, ich möchte sagen andere Welt gelangen Fahrzeuge aus unserem Erdkreis kaum.

    Und wer hätte denn auch, ungerechnet die Gefahr auf dem schauerlichen, unbekannten Meere, Asien, Afrika oder Italien verlassen und nach Germanien ziehen mögen, in ein ungestaltes Land unter rauhem Himmel, wüst zu bewohnen und anzuschauen für alle, die da nicht heimisch sind?

    Sie feiern in alten Liedern, den einzigen Denkmälern ihrer Überlieferung und Geschichte.

    Selber schließe ich mich denen an, die Germaniens Stämme, rein und vor jeglicher Mischung mit Fremden bewahrt, für ein eigenes, unverfälschtes, keinem anderen vergleichbares Volk nehmen. Daher auch, unerachtet der großen Menschenzahl, überall der gleiche Schlag: hellblaue trotzige Augen, rotblondes Haar, gewaltige Leiber, nur zu Tat und ungestümem Drängen taugend. Durst und Hitze können sie gar nicht vertragen.

    Kälte aber und Hunger sind sie in ihren Breiten, auf ihrem Boden gewohnt.“

    Quelle: Berichte über Germanen und Germanien /Project Gutenberg aus Tacitus „Die Germania“

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  • Oldenburg in Holstein, Ukleisee, Haithabu, Waabs am Ostseestrand, Eutin und Elsfleth an der Weser – schön, dass ihr uns begleitet habt!

    Mai 24th, 2023

    Noch kurz ein paar Sätze zum Ukleisee – „lieblich zum Auge, gewinnend im Herzen“

    … so beschreibt Gerhard Kaufmann (Herausgeber des Jahrbuchs Norddeutsches Landesmuseum) seine Eindrücke am See.

    Und wie bereits erwähnt: Für den Philosophen Wilhelm von Humboldt war der verträumte Waldsee einfach „göttlich“ und der Lübecker Dichter Emanuel Geibel widmete ihm ein Gedicht: „Ein dunkles Auge, das zur Sonne nur um die Stunde des Mittags aufblickt…“

    Und in diesem Zusammenhang erinnert ihr euch vielleicht, als unsere Wenigkeit erklärte: „Ihr glaubt gar nicht wie schön es hier ist“.

    Schließlich waren wir da und möchten auch unseren „Senf“ dazugeben.

    Was noch interessant ist:

    Am westlichen Ufer des Sees ließ der Eutiner Fürstbischof Ende des 18. Jahrhunderts ein spätbarockes Jagdschlösschen errichten. Der Wanderpfad umrundet von den Parkplätzen an der Zufahrt zum Forsthaus Wüstenfelde aus den malerischen See. Ungefähr 600 Meter nordöstlich vom Forsthaus liegen im hohen Buchenwald auf einer beherrschenden Kuppe am Südufer des Ukleisees die Reste einer germanischen Burg. Es gab noch eine weitere Burg, die auf eine deutsche Ostsiedlung schließen lässt. Von ihr zeugt nur noch der von einem tiefen Graben umschlossene Turmhügel.

    Der Ukleisee war für uns eine Zwischenstation, eine Zufallsbegegnung, weil wir auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz waren. Überhaupt führt uns diese Art der Suche oft an die schönsten Plätze inmitten der Natur.

    Als „schönster Fleck auf dem Erdenkreise“ ist das malerische Wald- und Seenland der Holsteinischen Schweiz schon gepriesen worden. Das können wir nur bestätigen.

    Wenn ihr noch mehr über diese schöne Region und ihre Geschichte erfahren wollt, stöbert gerne auf meiner Website. In der Kommentarspalte findet ihr bereits eine kleine Auswahl.

    Nun hat uns der Alltag wieder. Doch die gewonnenen Eindrücke wirken nachhaltig. Da wir uns zumeist an geschichtsträchtigen Orten aufhalten, sind die Unternehmungen sehr aufschlussreich. Vor allem aber, sind wir dem ursprünglichen Geschehen und damit unseren Wurzeln immer sehr nah.

    Schön, dass ihr auch diese Reise mit begleitet habt.

    Und bitte, gebt auch euer Wissen preis. Wir wissen noch längst nicht alles.

    Bleibt die Frage: Wann machen wir uns wieder auf den Weg?

    Auch wenn unser Bert mit den „Hufen“ schart, jetzt müssen wir erst einmal ein paar Taler verdienen, um unser Vorhaben – eine Reise nach Ostpreußen – umsetzen zu können.

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  • Der „heilige“ Ansgar, eine Kirche und das Christentum – Haithabu

    Mai 23rd, 2023

    Vielleicht erinnert ihr euch? Auf dem Weg zu den Häusern Haithabus, die das damalige Siedlungsgeschehen gut vermitteln, fielen mir die zahlreichen Infotafeln auf, welche den Aufruf trugen: „Gott spricht!“  Darunter Psalmen und Auszüge aus der Offenbarung.

    Ansgar wird hier gern als der vorbildliche Christ aufgeführt, der die „ungläubigen Heiden vom „Götzentum“ befreite. Gleich zu Beginn des Weges verweist ein Stein mit der folgenden Aufschrift auf dessen Tun: „Männer und Frauen ließen ab von ihrem abergläubischen Götzendienst, sie bekehrten sich zum Glauben an den Herrn und wurden getauft und es entstand große Freude an diesem Ort.“ (im Foto unten)

    Doch ist dieses „kirchliche Haithabu“ noch unbekannt. Dass um die Mitte des 9. Jahrhunderts Ansgar hier eine Kirche erbaute, ist lediglich aus seiner Lebensbeschreibung bekannt. Nach vorübergehender Schließung erhielt laut seiner Beschreibung die Kirche sogar eine Glocke. Ihr Schicksal in den unruhigen Jahrzehnten des ausgehenden 9. Jahrhunderts ist ebenfalls unbekannt und wurde auch nicht weiter verfolgt. Die lange geäußerte Vermutung, diese älteste Ansgarkirche läge unter der heutigen Kirche von Haddeby, hat sich durch Grabungen nicht bestätigen lassen.

    Auch die in der älteren Forschung vertretene Auffassung, die Ansgarkirche habe nördlich der Schlei gelegen, ließ sich nicht bestätigen und ist nach der gesamten topografischen Situation des Handelsplatzes sehr unwahrscheinlich.

    Noch um die Mitte des 10. Jahrhunderts, als der dänische König Harald bereits zum Christentum übergetreten war und Haithabu als Ostseehafen zum Reich der Ottonen gehörten, scheint nach einer arabischen Quelle das Christentum noch nicht allgemein durchgedrungen zu sein. Um 960 besuchte ein arabisch Reisender Al-Qazwīnī, Kitāb Aṯār al-bilād  diesen Platz. Er berichtet ausdrücklich, dass es am Ort nur eine kleine Christengemeinde gäbe, die Masse der Bevölkerung aber Siriusanbeter darstelle. Sirius = Gleichmäßigkeit der regelmäßig wiederkehrenden Naturerscheinungen.

    Und doch jagt ein Psalm den nächsten – Gott spricht! So steht’s am Wegesrand geschrieben. Man kann es gar nicht übersehen. Menschen bleiben voller Bewunderung davorstehen. Manche zeichnen leise in Gedanken und gottesfürchtig ihr „Kreuz“.

    Ich und auch mein liebster Göttergatte wurden das Gefühl nicht los, dass die Kirche nun auch hier fest Anker gesetzt hat.

    Daher seine Aussage: „Nicht, dass uns am Endes Weges der Pfaffe auflauert, und unseren Taufschein sehen will“.

    Naja, Spaß beiseite: Denn ich persönlich finde es sehr bedauerlich, dass nun auch über den ehemaligen Wikinger-Handelspatz die Kirche ihr Zepter schwingt und den „christlichen Glauben (wenn auch noch unterschwellig) als den wahren Glauben voranstellt! Warum sonst, steht ein Stein mit einer solchen Botschaft gleich am Anfang des Siedlungsbereiches?

    ——————————————-

    Quelle:

    Arabische Berichte von Gesandten an germanische Fürstenhöfe, Berlin und Leipzig: Walter de Gruyter, 1927, S. 29.

    Herbert Jankuhn „Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes NRW –Geisteswissenschaften „Die Ausgrabungen in Haithabu und ihre Bedeutung für die Handelsgeschichte des frühen Mittealters.“

    Infotafel:

    Sirius ist als Begriff zur kultischen Verehrung aus dem Alten Ägypten, dem antiken Babylon und aus Zentralasien bekannt. I

    In der Prosa-Edda des Snorri Sturluson (gest. 1241) heißt es, der Gott Thor habe aus einer eingefrorenen Zehe ein Sternenbild erschaffen.

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  • Eine mächtige Verteidigungsanlage zwischen den Meeren: Sagen und Legenden, wie entstand das Danewerk?

    Mai 22nd, 2023

    War es ein Zwerg, oder doch der Pakt mit dem Teufel?

    Vor etwa 1500 Jahren: Im Westen unzugängliche Sümpfe, im Osten dichte Wälder – trotzdem ist die Gegend nicht menschenleer. Das 5. Jahrhundert u. Z. ist eine Epoche des Umbruchs der Völkerwanderungszeit. Viele Menschen wandern nach England aus. Nur vereinzelt gibt es noch Bauernhöfe.

    Die Leute, die geblieben sind, bestellen ihre Felder und versorgen ihr Vieh. Der Bau der Befestigungsanlage des Danewerks beginnt.

    Es war ein Zwerg! Oder doch Teufelswerk?

    Eine sehr alte Geschichte berichtet, dass das Danewerk von der Königin Thyra erbaut wurde. Thyra war die Mutter von Harald Blauzahn und Frau von Gorm , dem dänischen Wikingerführer. Das konnte sie natürlich nicht alleine tun. Deshalb halfen ihr der Sage nach unterirdische Wesen. Sie erbauten das Danewerk an nur einem Tag und einer Nacht.

    Einer anderen Sage zufolge ging Königin Margarethe Sambiria einen Pakt mit dem Teufel ein. Er ließ für sie den Wall erbauen. Dafür muss „die schwarze Grethe“ seitdem als Untote auf dem Wall hin und her reiten. Man kann sie heute noch jeden Tag auf ihrem weißen Pferd sehen.

    Was wir noch wissen:

    In der Wikingerzeit wird vor dem Hauptwall eine drei Kilometer lange, drei Meter hohe und 3 Meter breite Mauer aus Stein errichtet. Die Mauer ist aus ca. 20 Millionen Feldsteinen gebaut. Die Feldsteinmauer ist sehr außergewöhnlich, weil stein im Norden noch nicht als Baumaterial genutzt wurde. Man weiß nicht genau, wer hinter diesem gigantischen Festungsbau steht. Möglicherweise ist es Göttrik, der die Feldsteinmauer errichten lässt. Er herrschte um das Jahr 800.

    Im Jahr 804 übernimmt Karl der Große die sächsischen Gebiete nördlich der Elbe und wird Göttriks unmittelbarer Nachbar.

    Aus den Fränkischen Reichsannalen um 820:

    „Der König der Dänen Göttrik beschloss, die Grenze seines Reichs nach Sachsen zu mit einem Wall zu schirmen, in der Weise, dass von dem Meerbusen dem jene Ostarsalt (Ostsee) nennen, bis zum westlichen Meere, dem ganzen nördlichen Ufer des Flusses (Eider) entlang, ein Bollwerk reichte, nur von einem einzigen Tor unterbrochen, durch das Wagen und Reiter hinaus und wieder hereinkommen könnten.

    Auch wenn dass mit der Eider nicht ganz hinhaut, darf man davon ausgehen, dass das Danewerk gemeint ist.

    ——————–

    Quelle: Infotafeln des Danewerk-Museums in Dannewerk

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  • Oldenburger Wall – eine typische Heinrichsburg?  

    Mai 22nd, 2023

    Auf den vorgegeben musealen Wegen (Oldenburger Wall /Haithabu) gab es einiges, dass uns stellenweise stutzig machte, ein „bitteres Aufstoßen“ erzeugte und historisch abgewandelt erschien.

    Bevor ich mich einem Resümee unseren Reiserlebnisse widme, möchte ich diesen Gedankengang voranstellen.

    Ein aufmerksamer Leser hat mich zur Recherche bewegt, insbesondere den Oldenburger Wall betreffend. Auch fielen mir später die Worte meiner Mutter ein: „Dort gab es überhaupt keine Slawen!“

    Gewisse Ungereimtheiten konnten wir erkennen, nur gelang es mir nicht, diese sofort zu benennen.

    Zum einen entnehme ich aus den Überlieferungen des Sachsenkönigs Widukind, dass die Wallanlage zum Schutz gegen „rückfällige“ christkirchliche Ketten (nichtchristliche Germanen) errichtet wurde.

    Auch fließen über die uns ereilende Historie panslawistische Forderungen der Polen mit ein. Zudem wurden Ausgrabungskampagnen am Oldenburger Wall von sowjetischen Wissenschaftlern begleitet. Also solche Wissenschaftler, die uns den Wikingerfürsten Rurik als eine Legende verkaufen möchten.

    Wenn man dazu unbequeme Fragen stellt, wird man an die entsprechenden Historiker und Wissenschaftler verwiesen.

    Schlendert man nun an den Relikten vorbei, sollten sich manche Historiker die gleiche Frage stellen, die auch wir uns stellen: „In welchen Geschichts- Originalquellen sind jemals „slawische“ Münzen oder gar „slawisches“ Kriegsgerät (Schwerter, Schilder, Feldzeichen usw. gefunden worden? Keine der Quellen gibt einen Hinweis auf die Existenz „slawischer“ Völkerschaften.

    Und doch beruft man sich auf die Slawen-Erfinder August-Ludwig Schlözer (1738-1809) und Johann Gottfried Herder (1744-1803), die bis heute von den Oststaaten für die Entdeckung der „Slawen“ gefeiert werden.

    Indes lesen wir in den Chroniken des Helmold von Bosau von Sclavania (germanisches Heideland).

    Folgt man also der originalen Geschichtsschreibung waren „Slawen“ und Deutsche in Wahrheit Brüder aus einer gemeinsamen Wurzel. Bis zu den Geschichtswerken des beginnenden 18. Jahrhunderts hat es keinen völkischen Gegensatz gegeben, sondern nur einen religiösen!

    Ich muss an dieser Stelle für mich Geschichte „klarer“ denken. Mein Denken und meine Annahmen sind keinesfalls in Stein gemeißelt. Jeder, der sich für die Geschichte interessiert, wird sich bemühen, noch mehr herauszufinden. Von Kindheit an, wurde ich dazu erzogen, alles zu hinterfragen und niemals alles gleichgültig ab zunicken.

    Denn was wir ganz sicher wissen: Die Wahrheit hat es noch nie – zu keiner Zeit – leicht gehabt.

    Nicht zuletzt ziehen wir entsprechende Schlüsse aus dem aktuellen Geschichtsprozedere: Nicht jeder, der sich für einen Wissenschaftler hält, ist auch einer.

    ——————-

    Und weiter (übernommen aus einem Leserbrief aus dem Jahr 1985): „Nicht jeder, der als geschichtskundig gilt, ist es auch wirklich. Die Historie ist dermaßen von Irrtümern und Fälschungen belastet, die sehr schwer rückgängig zu machen sind. Das liegt nicht zuletzt in einer menschlichen Schwäche begründet: Welcher Wissenschaftler gibt schon gerne zu, dass sein ganzes Denkgebäude, sozusagen die Grundlage seines Wirkens, mit Fehlern behaftet oder gar falsch war? Auch ist es viel bequemer mit dem Strom zu schwimmen. Das Vorstoßen zur Quelle kostet nämlich Kraft und Ausdauer. Menschliche Größe ist nun mal sehr rar gesät.

    Das im gleichen Artikel für später in Aussicht gestellte „offene Wort“ der Wissenschaftler zu „gewissen Kreisen“, die die Oldenburger Slawenzeit als eine Geschichtsfälschung bezeichnen“, ist nur dann einer Anerkennung wert, wenn man auch gleichzeitig bereit ist, die gegenteilige Ansicht dem Ohr der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Diese selbstverständliche Toleranz wurde jedoch bisher vermisst.“

    (aus einem Leserbrief (Horst Porath, Horsdorf) zum Bericht „Das Relief des Oldenburger

    Walls soll 1986 fertig sein“)

    —————————

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  • Eindrücke aus unserer letzten Reise: Oldenburger Wall -Haithabu -Waabs-Eutin -Elsfleth – ein Bildband

    Mai 22nd, 2023

    Stationen:

    • Oldenburger Wall
    • Auszeit am Ukleisee mit Übernachtung im Wald
    • Danewerk – eine beeindruckende Kombination aus Wällen, Mauern und Feuchtgebieten
    • Haithabu – die größte Stadt am äußersten Ende des Weltmeeres
    • Auf den Spuren der Wikinger
    • Ausflug in „Odins Biergarten“
    • Museale Eindrücke (Haithabu)
    • Waabs – Auszeit am Ostseestrand
    • Bei „Otto“ zu Besuch: Der Reichskanzler auf dem Aschberg bei Rendsburg
    • Bei Hildegard von Bingen in den Garten geschaut: Ein Stopp am Eutiner Schloss
    • Am Ufer der Weser – ein wunderschöner Abschluss unserer Reise

    Zu den jeweiligen Stationen folgen nach und nach entsprechende Beiträge. Bleibt neugierig!

    Auszeit am Ukleisee

    Danewerk

    Auf den Spuren der Wikinger

    Ausflug in „heiligen Hain“

    Museale Eindrücke

    Waabs -Auszeit am Ostseestrand

    Bei „Otto“ zu Besuch – der Reichskanzler auf dem Aschberg

    Bei Hildegard von Bingen in den Garten geschaut- Stopp am Eutiner Schloss

    Am Ufer der Weser

    Wieder daheim

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  • Himmelfahrt / Vatertag – was wird da eigentlich gefeiert?

    Mai 16th, 2023

    Die Antwort ist einfach: Wieder steht ein Fest vor der Tür, welches die Kirche systematisch aus seinem heidnischen und urtümlichen Zusammenhang gerissen hat.

    Wenn am 18. Mai wieder die Männer in Horden sturzbetrunken durch die Straßen ziehen, erinnert sich kaum einer an den eigentlichen Brauch, den sie heute „Himmelfahrt“ oder auch „Vatertag“ nennen.

    Wie die meisten unter euch wissen, bin ich meinen Eltern sehr dankbar dafür, dass sie mich von klein auf mit den Bräuchen und Gepflogenheiten unserer ursprünglichen heidnischen Kultur vertraut gemacht haben.

    Ich möchte gar nicht soweit ausholen. Doch sollten wir für sämtliche Feierlichkeiten, die anstehen, mehr Bewusstsein entwickeln und uns daran erinnern, dass die meisten Bräuche unserer Vorfahren in tiefer Verbundenheit mit der Natur stehen und insbesondere über die Maitage um den Segen der Ernte gebeten wird.

    So war Beltane (Walpurgis) Anlass, das Land nochmals zu segnen. Oft wurde dieser Segen von den Frauen erbracht.

    Als die Mondzeit noch ein rhythmusgebendes Element war, läutete Beltane eine Zeit der Fruchtbarkeit und Vermählung ein, bis schließlich der Sonnengott Baldur bis zur Sommersonnenwende seine absolute Stärke erreicht.

    Diese lange Feierzeit wurde schließlich zu Beginn des Christentums übernommen und verändert. Ab dato feierte man also Ostern, welches auch ein Mondfest ist (Ostera hat seinen Beginn am 20. März). Dann sind es noch 50 Tage zu einem Fest, was sie heute Pfingsten nennen. Und plötzlich rief man „Christi Himmelfahrt“ als eigenes Fest aus.

    Und so verhält es sich ähnlich wie mit dem Grünen Donnerstag. Die Heiden bejubeln die Göttin der Vegetation, begrüßen die höher steigende Sonne und feiern das Fest der Lebensfreude. Indes jammern die Christen vor dem Kreuz.

    Die Kirche hat über Jahrhunderte hinweg ganze Völker entwurzelt, darüber den Generationen ihren ursprünglichen Glauben genommen und obendrein noch ganze Stämme umgesiedelt.

    Wenn man seiner Wurzeln beraubt wird, und unter Dauerbeschuss mit den falschen Geschichten aufwächst, muss man sich nicht wundern, dass schon bald

    die Menschen wieder in Gruppen sturzbetrunken durch die Gegend stolpern, ohne Sinn und Verstand!

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  • Die Schlacht bei Tannenberg – ein mächtiges Stück deutscher Geschichte

    Mai 15th, 2023

    Vor wenigen Monaten habe ich zu einer längst vergangenen Reise mit meinen Eltern zum Tannenberg-Denkmal ein paar Zeilen dagelassen. Den Beitrag vom 12. März 2023 findet ihr auf meiner Website unter der Rubrik „Deutsche Geschichte kritisch, nicht geschönt…“

    Das Denkmal wurde 1945 entfernt. Der zehn Tonnen schwere Gedenkstein, der den Namen des damals gefallenen Hochmeisters des Deutschen Ordens trägt, ist heute noch vorhanden. Allerdings wurde er nach 1945 durch Polen mit der Vorderseite nach unten gestürzt, so dass die deutsche Inschrift nicht mehr lesbar ist.   

    Lasst uns zurückschauen. Ganz wunderbar beschreibt Hans Rychener (Autor von „Vergessenes Land. Erinnerungen an Ostpreußen) im Jahr 1930 seine gewonnenen Eindrücke, beruhend auf seinem kurzen Ausflug zum /am Tannenberg-Denkmal. Seine bildhafte Beschreibung erfasst die Atmosphäre rund um das Denkmal vortrefflich, wie ich finde.

    Im Anschluss findet ihr noch ein paar Aufnahmen aus einem Artikel /Zeitungssauschnitt, den meine Mutter aufbewahrt habt. Dort seht ihr das Denkmal vor seiner Sprengung und Fotos zur Einweihung nach der Errichtung von 1924-1927 unter Hindenburg. Außerdem Fotos von der Gruft und der eindrucksvollen Trauerfeier im Hindenburgturm. Hindenburg fand hier neben seiner Frau mit zwanzig unbekannten Soldaten seine letzte Ruhe.

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    Textauszug Hans Rychener „Das Tannenberg-Denkmal“

    „Nach kurzer Fahrt erreichte ich (im Sommer 1930) mit der Nebenbahn von Allenstein aus das stille Landstädtchen Hohenstein. Von hier pilgerte ich auf staubiger Straße auf eine sanfte Anhöhe, und da tauchte ein riesiger Mauerkranz auf, der sich mit acht Türmen kraftvoll vom blauen Himmel abhob. Die Umfassungsmauer bildete ein Achteck. In der Mitter jeder Mauerseite stand ein mächtiger viereckiger Turm. Ich muss es gestehen, ich war sehr beeindruckt vom monumentalen Schlachtdenkmal, das in der kahlen Umgebung düster, beinahe unheimlich wirkte. Unbarmherzig brannte die Sonne auf das burgähnliche Backsteinbauwerk.

    Durch das Tor des Eingangsturms gelangte ich in den sogenannten Ehrenhof. In den Nischen der Bogenhallen im Gemäuer erinnerten Standbilder und Schrifttafeln an die an der Schlacht bei Tannenberg beteiligten Regimenter. Auf einem Sockel breitete der stilisierte deutsche Adler stolz die Flüge aus. Noch war der als großer Sieger geehrte (und dann 1934 gestorbene) Hindenburg hier nicht beigesetzt.

    Von der Aussichtsterrasse eines der Türme überblickte man einen großen Teil des Schlachtgeländes. Still lag das weite wellige Land mit seinen Wäldern, Wiesen, Kornfeldern und Seen in der Sonne. Hoher Himmel, ferner Horizont – eine Welt, die nichts als Frieden zu kennen schien. Und doch! Orientierungstafeln gaben Aufschluss über die Umfassungsschlacht, die hier, östlich des nahen Dorfes Tannenberg, in den letzten Augusttagen 1914 getobt hatte.

    Zahlenmäßig strak überlegene russische Heeresmacht war, von Ost und Süd, nach Ostpreußen hereingeflutet. Deutsche Truppenteile, die der Njemen-Armee Rennenkampfs beim bei Gumbinnen gegenüberstanden, lösten sich, unter Zurücklassung schwacher Täuschungskräfte, von den Russen und fielen der Narew-Armee Samsonows, die von Süden gegen Allenstein vorgestoßen war, in den Rücken. In drei Tagen wurde der eiserne Ring um die Narew-Armee geschlossen. Nach deren Untergang erlitt auch die Njemen-Armee an den Masurischen Seen eine vernichtende Niederlage.

    Generalfeldmarschall von Hindenburg, der später (von Hitler abgelöst) Reichspräsident, und Stabschef Ludendorff galten fortan als die Erretter Ostpreußens, als die Helden der durch überlegene Führung gewonnenen Schlacht von Tannenberg.

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    Was dem voraus ging: Im Jahr 1410 (Überfall der Polen auf den Deutschorden)

    Vom großen Kriege und der Tannenberger Schlacht : „In der Nacht, die der schrecklichen Niederlage der Deutschen Ordensritter bei Tannenberg vorherging, erhob sich ein gewaltiges Unwetter, und man konnte am Himmel ein Wunderzeichen erblicken, das den Ausgang des Kampfes wohl verkünden mochte. In der Gegend des Mondes nämlich sah man einen Mönch, der eine Zeitlang mit einem König kämpfte, zuletzt aber besiegt und vom Himmel verjagt ward. Auch während der Schlacht selbst sah man einen Mann in polnischer Kleidung über dem Heere des Königs Wladislaw Jagiello schweben, der die polnischen Völker anfeuerte.“

    ————

    Quelle:

    Auszug Hans Rychener (Autor von „Vergessenes Land. Erinnerungen an Ostpreußen)

    Foto: Zeitungsartikel, Datum unbekannt

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