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Klara Fall: das glaube, wer mag

  • Görlitz, meine wunderschöne Heimat Teil X – am Viadukt: Kraftort und formschönes Denkmal des technischen Fortschritts

    März 20th, 2023

    Entlang des Viadukts bin ich schon immer gern in Kindertagen unterwegs gewesen. Später führte mich der Weg vom Stadion der Freundschaft aus, (meist nach zwei Sportstunden mit Ausdauerlauf) zurück zur Schule oder nach Hause. Am Fuße des Viadukts herrscht eine besondere Atmosphäre. Man wähnt sich an einem Kraftort. Da ist dieser ruhende Blick über die Lausitzer Neiße, die hier in ihrem Bett zu verweilen scheint. Und diese sagenhafte Stille, obwohl sich nur wenige Gehminuten weiter, die Tore zur Stadt öffnen. Nur das leise Geräusch vorüberziehender Drahtesel unterbricht kurz diese Stille. Langsam gehe ich wieder die Stufen nach oben, blicke noch einmal zurück und weiß zu schätzen, wie wunderschön doch meine Heimat ist.

    Doch zurück zum Viadukt als Bauwerk

    Mit dem Anschluss an das preußische und an das sächsische Eisenbahnnetz bekam die Görlitzer Wirtschaft nachhaltige Impulse. Der Eisenbahnverkehr begann mit dem 1. September 1847. Der von 1844 bis 1847 errichtete Neiße-Viadukt gilt als eine Meisterleistung der Bauschaffenden und als ein kühnes, formschönes Denkmal des technischen Fortschritts.

    Mit 31 Pfeilern und einer Länge von 475 Meter wuchs der Viadukt zu einer der ersten deutschen Eisenbahnbrücken dieser ungewöhnlichen Größe.

    Das 1847 fertiggestellte neue Bahnhofsgebäude sollte für die folgenden 100 Jahre der Anlage von Neubauvierteln mit Wohnungen, Geschäften und Hotels die Richtung weisen. Damals lag es weit vor der Stadt. (Ihr seht es auf dem Foto, eine Lithographie um 1848).

    Vollbracht ist nun das Werk der Macht, der Macht vereinter Volkeskraft

    Dazu berichtet der Görlitzer Anzeiger am 2.9. 1847:“Donnerstag, den 26. August, abends 6 Uhr langte die erste Lokomotive der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn auf dem Bahnhof allhier an. Von den beiden Türmen des Empfang-Gebäudes wehten Flaggen in den preußischen und sächsischen Landesfarben.

    Mittwoch, den 1. September wurde beide Bahnen, die Niederschlesisch-Märkische und die Sächsisch-Schlesische, dem Publikum übergeben.

    Von der Stadt Görlitz wurde dieser denkwürdige Tag der Eröffnung beider hier sich einenden Bahnen mit einem Mittagsmahl gefeiert, wozu die beiderseitigen Gesellschaftsdirektoren und die Oberbeamten geladen waren.

    Vollbracht ist nun das Werk der Macht, der Macht vereinter Volkeskraft. Die Kraft der Eintracht hat’s vollbracht, die Großes will und Wunder schafft. Und allem Guten soll es dienen, und allem Edlen sei’s geweiht: Befestigt sei mit Eisenschienen des ew’gen Friedens goldne Zeit“!

    Eine erhabene Schönheit – ein Riesenkörper aus rötlichem Granit

    Zuvor schreibt der Görlitzer Anzeiger am 26.8.1847: „Der Viadukt stellt sich, nachdem er gänzlich vollendet ist und von seinen umhüllenden Gerüsten nach und nach befreit wird, in seiner großartig erhabenen Schönheit immer mehr dem Auge dar. Den Riesenkörper von rötlichem Granit krönt auf das zierlichste das Geländer von weißem Sandstein., und das letztere verleiht dem massenhaften und schweren Bogenbau eine dem Auge überaus angenehme anmutige Leichtigkeit, welche zu dem Erhabenen das Schöne auf das glücklichste fügt. … wie hoch übrigens die Technik in unserer Zeit gestiegen, haben wir bei unseren Eisenbahnbauten zu bewundern viel Gelegenheit gehabt. … Am Empfangsgebäude des Bahnhofs…, bewundern wir eine prächtige Vorhalle mit einem Überbau von Gußeisen im deutschen Stile…

    _______________________________________________

    Da ich zu dem Zeitpunkt nicht vor Ort war, was meinem Alter geschuldet ist, muss ich auf entsprechende Quellen zurückgreifen. 😀

    Hauptquelle: Schriftenreihe zu „Görlitz zwischen Biedermeier und Märzrevolution“, Herausgeber: Städtische Kunstsammlungen / Heft 19 /1. Auflage 1984

    Auf den Bildern seht ihr: Bauarbeiten am Viadukt (eine Presse-Illustration) sowie eine Lithographie von E. Sachse um 1848

    Historische Fotoarbeiten: Werner Hahn, Volkmar Pache, Beatrix Glaubitz, Christel Wagner.

    Die Farbfotos sind privat, und stammen aus dem letzten Jahr, aufgenommen an einem Tag im Spätsommer.

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  • Görlitz, meine wunderschöne Heimat Teil IX – der Kaisertrutz: eine der merkwürdigsten deutschen Stadtbefestigungen

    März 20th, 2023

    Unser Kaisertrutz, errichtet zwischen 1490 und 1520 als Geschützbastei des Reichenbacher Tores, ist eine der merkwürdigsten deutschen Stadtbefestigungen.

    1490 wurde mit dem Bau der größten aller Görlitzer Bastionen, dem Kaisertrutz begonnen, der seit der Belagerung von 1641 seinen gegenwärtigen Namen trägt. Ursprünglich hieß er „das Rondell“.

    1639-1641 belagerten schwedische Truppen Görlitz. Sie hatten sich im „Rondell“ vor dem Reichenbacher Turm verschanzt und trutzten dem deutschen Kaiser, seitdem trägt die Bastion den Namen Kaisertrutz.

    Wer von der Westseite her Einlass in die Stadt begehrte, war genötigt „das Rondell“ im Wirkungsbereich starker Kanonen zu umgehen, um dann das Tor der nördlichen Zingelmauer zu passieren, eher er vor dem eigentlichen Stadttor stand.

    Jeder Bürger, jeder Gärtner und jeder Bauer von Görlitz und dem Weichbild (das ersteckte sich über den sogenannten Bergdistrict des jetzigen Görlitz) musste beim Bau des Rondells mindestens einen Tag Schanzarbeiten leisten oder einen Tagelöhner stellen.

    Noch 1498 erbat der Rat von den Landständen zum Bau der Bastion Hilfe.

    Die äußere Ringmauer, die zugleich den Wehrgang trägt, ist auf der stadtauswärts gekehrten Seite mehr als doppelt so stark als auf der Ostseite. Das Geschoss über dem einst hölzernen Wehr wurde erst 1848 aufgesetzt, während zugleich das einstige Erdgeschoss zugeschüttet ward.

    Noch heute erkennt man dicht über den Grünanlagen des Demianiplatzes die alten Kanonenschießscharten des verschütteten Geschosses. Beim Umbau des 19. Jahrhunderts wurden auch die beiden Eckpylone und ihre Flügelbauten sowie der zwischen ihnen gelegene Portikus errichtet. Während der alte konzentrische alte Turm seine Renaissancehaube verlor und ein neugotisches Obergeschoss mit Zinnen erhielt. 1952 wurde der Kaisertrutz als Museum der städtischen Kunstsammlungen ausgebaut.

    Seit 1947 ist er dazu bestimmt, die stadtgeschichtliche Sammlung, eine Gemäldegalerie, Kunsthandwerk und ein besonderes Ausstellungskabinett aufzunehmen.

    ______________________

    Aufnahmen: Blick vom Reichenbacher Turm auf den Kaisertrutz mit den zwei Zingelmauern, die um 1848 fielen. Nach der Idee Könige Friedrich Wilhelms IV. bekam das nun frei auf dem Platze stehende Bauwerk einen Vorbau mit zwei Türmen und einem Säulentor, statt des Ziegeldaches einen Zinnenkranz und eine Zinnenkrone für das Türmchen. (Zeichnung von F. Thieme, 1841).

    Weiter seht ihr ein Foto zum Text von Gustav Frommelt: „Der Kaisertrutz zu Görlitz“.

    Die beiden letzten Abbildungen: Der Kaisertrutz mit seinen neuen Türmchen von 1850 glich wie das Ständehaus einer romantischen mittelalterlichen Burg. (Lithographien um 1865.)

    Das Ständehaus von 1854, Sitz der Ständevertretung für die Oberlausitz, Ausdruck der Machtansprüche des Adels.

    ____________________________________

    Quelle: Das Farbfoto mit Kaisertrutz ist eine private Aufnahme aus 1994.

    Die anderen Aufnahmen stammen aus der Schriftenreihe: „Görlitz zwischen Biedermeier und Märzrevolution“ Heft 1

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  • Buch der Leidenschaft (Auszug)

    März 20th, 2023

    Am 3. Februar schippert Gerhart Hauptmann über den Atlantischen Ozean. Er sitzt an Deck der „Möwe“, und notiert diese Zeilen ganz nach seiner Gewohnheit mit Bleistift, in ein Buch, das auf seinen Knien liegt.

    Er schreibt: „So weit ich blicke, kein Land um mich. Das Erlebnis, welches mich an Bord dieses Dampfers geführt, wird hoffentlich durch kein zweites ähnlicher Art künftig in meinen Schatten gestellt werden.“

    An Bord der Möwe der Möwe, 4. Februar 1895:

    „Es stieg ein Morgen herauf zu mir

    in der großen Stadt Paris,

    ein Morgen, trüb wie der trübe Gram,

    und der neblichte Ostwind blies:

    der brachte ein Blatt, ein kleines Blatt

    von einem jungen Reis,

    hereingeschaukelt auf meinen Tisch

    aus des Ostens Winter und Eis.

    Wo kommst du her, du grünes Blatt,

    so zart und unversehrt?

    Von welchem Bäumchen nahm dich der Wind?

    Wer hat dich mir beschert?

    »Kennst du denn nicht den jungen Baum,

    der mich gesendet hierher?

    Stolz trägt er die Krone, sein Stämmchen ist

    so grad wie des Jägers Speer.«

    Ich kannte das Bäumchen, ich kannt‘ es wohl,

    seiner Blätter und Blüten Duft.

    Es stieg aus dem einen verwehten Blatt

    der Frühling und füllte die Luft.

    Ein Licht wie Gold, ein Hauch wie Gras

    und grüner Maienschein

    brach in mein ödes, fremdes Gemach

    mit Klingen und Läuten herein.

    Da flog ein Rabe herein zu mir,

    schwarzflüglig, ins goldene Licht,

    der brachte ein Blatt, ein rotes Blatt,

    wie der sterbende Herbst sie bricht.

    Wo bringst du her das rote Blatt,

    du schwarzer Bote du?

    Mir schlug das Herz so bang und weh,

    und der Rabe krächzte mir zu:

    »Kennst du denn nicht den edlen Baum,

    der dir gegrünet hat?

    der alle seine Früchte dir gab?

    Es ist sein letztes Blatt!«

    Ein leiser Schrei wie ein Todesruf

    durchdrang die Frühlingsglut:

    da weinte das Blatt, das rote Blatt,

    einen roten Tropfen Blut.

    Der Tropfen hing, und der Rabe flog

    hin über das grüne Reis.

    Der Tropfen fiel, und das grüne Blatt,

    es ward wie Schnee so weiß.

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  • Mondnacht

    März 20th, 2023

    Es war, als hätt der Himmel

    die Erde still geküsst,

    dass sie im Blütenschimmer

    von ihm nun träumen müsst.

    Die Luft ging durch die Felder,

    die Ähren wogen sacht,

    es rauschten leis‘ die Wälder,

    so sternklar war die Nacht.

    Und meine Seele spannte

    weit ihre Flügel aus,

    flog durch die stillen Lande,

    als flöge sie nach Haus.

    (Joseph von Eichendorff)

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  • Wo die Schätze Deutschlands liegen. Heute: Wysburg – ein „KlaraFall“-Ausflugstipp

    März 19th, 2023

    Wer kennt es? Wer hat’s gewusst?

    Ganz in der Nähe des kleinen Dorfes Weisbach werden auf einem Felsrücken seit 1985 Grabungen durchgeführt: Archäologen und Heimatfreunde sind dabei, Licht in die Vergangenheit der versunkenen, vermutlich im 12. Jahrhundert gegründeten Wysburg zu bringen. Mittlerweile sind verwachsene Wallgräben freigelegt, Fundamente und Umfassungsmauern gesichert und wiederaufgeführt worden.

    Wer mag, besucht das Wysburg-Haus im Ort. Hier zeigt eine kleine Ausstellung ausgegrabene Gegenstände. Modelle, Fotos und Grafiken, die auch ein anschauliches Bild von mittelalterlicher Belagerungstechnik vermitteln.

    Hierzu wandert ihr am besten vom Dorfende aus, der gelben Markierung folgend, bergab bis zum Waldrand. Bis dorthin ist auch die Fahrt mit dem Auto möglich. Vom Wanderparkplatz sind es noch etwa 500 Meter bis zur Burgruine über dem Ottergrund, durch den außerdem ein Wanderweg zur Ottermühle führt.

    (Foto aus einem Bild-Report von 2003)

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  • Der Wolf im Schafspelz

    März 19th, 2023

    Bleiben wir noch bei Maximilien de Robespierre, beruhend auf meinen zuletzt verfassten Beitrag:

    Jede Epoche hat seine Gerechtigkeitsschwafler und Verdreher des freiheitlichen Gedankens. Um 1789 war es der Jurist Robespierre (1758-1794), der zusammen mit Danton 1793 die Macht im Nationalkonvent übernimmt. Der bedingungslose Verehrer von Gerechtigkeit entwickelt sich zu einem blutrünstigen Diktator, den seine engsten Anhänger schließlich fürchten.

    Im Jahr 1794 wird Robespierre verhaftet und hingerichtet.

    Weitere Akteure dieser Zeit:

    • Ludwig XVI. (1754-1793) französischer König – wird während der französischen Revolution hingerichtet.
    • Marie –Antoinette (1756-1793) französische Königin, wird neun Monate nach Ludwig XVI. hingerichtet.
    • Friedrich Wilhelm II. (1744-1797), preußischer König, bekämpft das revolutionäre Frankreich.

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  • Ein weiterer geschichtlicher Rückblick: Das Ende der alten Ordnung

    März 19th, 2023

    Kaum eine Zeit in der Weltgeschichte entwickelte eine ähnliche Dynamik wie die folgenden Jahrhunderte. Es entstand das große Germanenreich. Unter Karl dem Großen (748-814) erstreckte es sich vom Ebro bis östlich der Elbe, von der Nordsee bis Süditalien. Es war die Keimzelle des heutigen Europa.

    Nach der Teilung des Riesenreiches für seine drei Enkelkinder entstand das
    Römische Reich Deutscher Nation, das fast 1000 Jahre bestand und erst von
    Napoleon in kleine Gebiete zerstückelt wurde.

    1806 löste Frankreich das Römische Reich Deutscher Nation auf. Napoleons Truppen brachten über Deutschland Not und
    Elend, zerstörten die Städte, verwüsteten Dörfer und Felder, stahlen den Bauern
    das Vieh. Die eroberten Gebiete formt Napoleon zu kleinen Staatsgebilden und
    zersplitterte das Land.

    Napoleons Größenwahn brachte die vollkommene
    Zersplitterung des Deutschen Reiches

    Deutschland musste die Hälfte seiner Staatsgebiete unter französische Herrschaft stellen, alles Land westlich der Elbe abtreten. Große Unterstützung bekamen die
    Franzosen von Polen.

    Von den Eroberungen und den verheerenden Zerstörungen,
    die Frankreich unter Napoleon über Deutschland brachte, den grausamen Vorgehen
    der französischen Truppen in den Städten und Dörfern berichten die niedergeschriebenen
    Berichte in den Stadt-Archiven und Geschichtsbüchern. Napoleons Größenwahn
    brachte die vollkommene Zersplitterung des Deutschen Reiches.

    Was zuvor geschah:

    1792 – nachdem die Revolution in ihrer
    Heimat die alte Ordnung mit Mord hinweggefegt hatte, fielen die Franzosen plündernd und mordend ins Deutsche Reich ein, besetzten die Gebiete um Mainz, Köln und
    Aachen. So wurden die Deutschen wie schon Jahrzehnte vorher von den Franzosen
    überfallen. Goethe nahm in der Gefolgschaft des Herzogs von Weimar an dem
    Verteidigungsfeldzug teil, die Verbündeten wurden von Frankreich geschlagen. Die
    Franzosen drangen danach über den Rhein in Deutschland ein, verwüsteten die Städte
    (allein Köln war von 1794-1813 von den Franzosen besetzt und musste an die
    Okkupanten Kriegssteuer zahlen). Franzosen vertrieben die Deutschen aus ihren
    Heimatorten. Viele von ihnen kamen ohne Hab und Gut auch nach Weimar.

    Goethe beschreibt in seinem Werk „Herman und
    Dorothea“ die Not der Vertriebenen und im besonderen das Schicksal eines jungen
    Mädchens.

    Die Französische Revolution fand anfangs in Europa
    begeisterten Widerhall, auch bei Goethe. Später verurteilte er sie hart,
    Schiller schrieb: „Mich ekelt vor diesen elenden Henkersknechten“.

    Wie sich die Bilder gleichen!

    Die Franzosen führten zwar die schönen Worte „Freiheit,
    Gleichheit, Brüderlichkeit“ im Munde, aber dies galt nur für die Gesinnungsgenossen,
    für die anderen das Gefängnis oder der Tod da. (Wie später bei der
    Oktoberrevolution und beim Einmarsch der Bolschewisten in Deutschland 1945 und der
    kommunistischen Regierung in Mitteldeutschland von 1945-1989). Wie sich die
    Bilder gleichen!

    Erst die Befreiungskriege 1813-1815 beendeten Napoleons
    Schreckensherrschaft in Deutschland. Deutsche und britische Armeen schlugen
    1815 die französischen Truppen bei Waterloo und bereiteten Napoleon die endgültige Niederlage. Zurück blieb ein in kleine Staaten aufgeteiltes und vollkommen
    verwüstetes deutsches Land.

     

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  • Der Harz – die erzreiche „Schatzkammer Deutschlands“ und eine wundervolle Sagenwelt

    März 18th, 2023

    Als Kind war ich oft im Harz. Das Bild, dass aus dem Fotoalbum meiner Eltern stammt, zeigt mich mit meinem Cousin, der in Nordhausen lebt. Oft sind wir den Einladungen gefolgt, und haben die schönsten Ecken vom Harz erobert.

    Mit seinen Wäldern und Mooren, den rauschenden Wildbächen und zerklüfteten Felsen ist der jüngste Nationalpark Deutschlands ein besonders urwüchsiges Stück Natur.

    Es ist an der Zeit!  Ich habe mir fest vorgenommen, mit meinem Göttergatten in nur wenigen Wochen mit unserem Wohnmobil an die Orte zurückzukehren, die ich einst so liebgewann und um Neues zu entdecken. Selbstverständlich ereilen euch dann ganz viele Bilder und Berichte.

    Harzreise 1806 / 1970 – und ich stimme euch ein, zu meinem Vorhaben noch vor Ostern in den wunderschönen Harz zu reisen.

    Bis es so weit ist, schmökern wir in den Erzählungen aus dem Sagenschatz des Harzes.

    Hier > „Harzreise 1806“, verfasst von Friedrich Gottschalk im selben Jahr.

    „Wer sich die Jahreszeit zu einer Harzreise selbst bestimmen kann, dem rate ich, nie im hohen Sommer zu reisen, teils wegen der größeren Wärme, vorzüglich aber wegen des die Aussichten verdunkelnden Heiderauches. Zu wenig Zeit sich zu einer Harzreise zu nehmen, taugt nicht. Unter 14 Tagen wird man den ganzen Harz nie mit Vorteil bereisen können.

    Bloße Touren auf den Brocken können, vom Fuße des Harzes an gerechnet, freilich 2,3,4 Tagen abgetan werden.

    Obgleich es auf dem Harze ziemlich sicher ist und Beispiele von räuberischen Anfällen äußerst selten sind, so rat ich doch niemandem des Nachts zu reisen, um selbst der Möglichkeit eines solchen Überfalls zu entgehen.

    Gebirgige Gegenden werden am sichersten, bequemsten und nützlichsten zu Fuße bereist. Nichts entgeht dem Fußreisenden: alle Gegenstände, jeden Stein, jede Pflanze kann er betrachten, mit jedem Menschen sich unterhalten. Vor 30 bis 40 Jahren sahen noch deutsche Wirte Fußreisende von der Seite an, trauten ihrem Beutel wenig zu und behandelten sie oft mit Gleichgültigkeit. Jetzt hat sich das verloren, da so viel zu Fuß gereist wird.

    Wenn schon bei weitem mächtigere und höhere Bergketten das südliche Deutschland durchziehen, so ist doch der silbereiche Harz unter allen Gebirgen unseres Vaterlandes seit altersher das berühmteste.

    Der ganze Harz ist gleichsam, nur ein einziger, fast überall steil aus der hügeligen Ebene aufsteigender, vom Lande aus nur wie eine Masse erscheinender Berg, auf dessen hoch über der Ebene erhabenem, etwas abhänglichem Rücken mehrenteils zu kleinen Anhöhen, Vertiefungen und tief eingeschnittenen  Flußbetten zu sehen sind, aus dessen Nordseite aber ein zweiter´, höherer, weitprallender Berg voller Felsen und Bruchstücke hervorragt.

    Diese zweite Bergmasse besteht aus Granit, hat den Brocken zu ihrer höchsten Spitze und wird daher nicht unschicklich das harzische Granitgebirge oder das Brockengebirge genannt.“

    Tipp: Wer aktuell die Absicht hegt, den Hexentanzplatz aufzusuchen, muss dieses Vorhaben verschieben. Denn dort ist im Moment eine riesige Baustelle.

    Quelle Text: „Aus dem Sagenschatz des Harzes“ Halberstadt 1968

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  • Sagen wir es mit Goethe…

    März 17th, 2023

    „Wer nicht von dreitausend Jahren sich weiß Rechenschaft zu geben, bleibt im Dunkel unerfahren, mag von Tag zu Tage leben.“

    Was genau möchte uns Goethe damit sagen?

    Ganz einfach:

    Nur wer seine Geschichte, die Geschichte seiner Kultur und die Geschichte der Welt kennt, wird im Stande sein, von diesem Erfahrungsschatz bei der Bewertung seiner Umwelt und ihren Anforderungen zu profitieren. Wer seine Geschichte nicht kennt, wird bei der Bewertung oft raten müssen und kann nicht auf Erfahrung

    zurückgreifen, die er als Bewertungsgrundlage heranziehen kann. Er bleibt im Dunkeln, unerfahren und lebt von Tag zu Tag ohne die Zusammenhänge zu verstehen, ohne die Welt zu verstehen, in der er lebt und ohne sie intelligent bewerten zu können, weil ihm die Grundlagen dazu fehlen: das Wissen um seine Geschichte, um die Geschichte seiner Kultur, um die Geschichte der Welt.

    Ein großer Teil der Deutschen kennt nur die Geschichte ab 1933 und ihnen fehlen jegliche Zusammenhänge. Aus Lügen wurden für sie Wahrheiten, mit denen sie leben. Man kann sagen, sehr gut damit leben und an Erlebnisgenerationen unangebrachte bis hin zu frechen Antworten zu stellen, und fordern ihre Behauptungen anzuerkennen.

    Die Menschen glauben viel leichter eine Lüge, die sie schon hundertmal gehört haben, als eine Wahrheit, die ihnen völlig neu ist.

    Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, diese Erlebnisgeneration zu Wort kommen zu lassen. Meine Mutter hat vor wenigen Monaten ihren 100. Geburtstag gefeiert. Ich möchte ihrem Wunsch, endlich gehört zu werden, nachkommen. Ich möchte Niedergeschriebenes und Gesagtes zitieren und an die kommende Generation weitergeben. Ich kann nur hoffen, dass die Ausführungen und Berichte in die richtigen Hände gelangen. Unzählige Menschen haben sich über Jahrhunderte die Finger wund geschrieben, und doch kam nur selten die Wahrheit ans rechte Licht.

    Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern

    Wir bewegen uns gerade in einer Zeit, die für wachsame Menschen eine echte Herausforderung darstellt. Dass sind auch die, die der Geschichte hinter der Geschichte nachlauschen. Das ist gut. Denn so bekommt wenigstens ein Teil der Gesellschaft ein Gespür dafür, was gerade aus dem Ruder läuft und erkennt Zusammenhänge.

    So fahre ich fort, mit den wahren und oft mahnenden Worten meiner Mutter:

    Weil die Germanen in der NS Zeit glorifiziert wurden, glaubt man heute, sie für dumm erklären zu müssen, deren Geschichte und Geschichtsschreiber (wie Tacitus) vollkommen verändert darzustellen. Manche die Geschichte in Schule und Elternhaus nicht kennenlernen durften (und das nicht nur in der DDR) sagen so ganz naiv daher, dass die Germanen noch auf Jagd gingen, während andere Völker schon Häuser bauten.

    Das macht deutlich: Nur bedingt erfolgte eine entsprechende Wissensvermittlung, die auch die große Kultur der Römer und Griechen beinhaltete.

    Die Zeit der Germanen kam später. Sie waren ein wissensdurstiges Volk, unermüdlich fleißig, verantwortungsvoll und gewissenhaft, was ihnen schon bei den Römern große Anerkennung brachte. Mit den Kenntnissen, die sie bei den Römern erworben hatten und ihren eigenen klugen Ideen und dem großen Willen zum Schaffen und zum Denken, bauten sie Mitteleuropa auf, nachdem 476 das Ende des Weströmischen Reiches kam und der germanische Heerführer Odoaker zum König ausgerufen wurde.

    Kaiser Karl der Große, aus dem Stamm der westgermanischen Franken, vereinte die einzelnen Königsländer zum großen Frankenreich und damit erneuerte er auch das alte römische Kaisertum.

    Dieser Riesenstaat wurde später für seine Enkelkinder geteilt. Aus einem Teil bildete sich das Römische Reich Deutscher Nation, das unter der Herrschaft deutscher Kaiser fast 1000 Jahre bestand und erst unter der Gewaltherrschaft Napoleons in kleine Staaten aufgeteilt wurde.

    Man kann, wenn von Tatsachen (bewiesenen) und Wahrheiten berichtet wird, nicht ein anderes Thema verlangen oder verlangen, falsche Aussagen für wahr anzuerkennen.

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  • Noch eine Geschichte aus den Kaiser-und Herrensagen – Gold und Eisen

    März 16th, 2023
    Photo by Susanne Jutzeler, suju-foto on Pexels.com

    Noch eine Geschichte aus den Kaiser-und Herrensagen – Gold und Eisen

    Einst brachten einige Könige der Normannen Gold und Silber vor Karl den Großen, um ihre Unterwürfigkeit zu zeigen, und wollten auch ihre Schwerter überreichen.

    Der König ließ das Geld verächtlich zu Boden werfen, aber die Waffen erprobte er, fasste selbst ein Schwert an beiden Enden und versuchte, die Spitze so herumzubiegen, dass Griff und Spitze sich berührten, aber es zerbrach in seiner Hand.

    Ein fränkisches Schwert, das er sich nunmehr reichen ließ, bestand jedoch die Probe. Stumm und ängstlich blickten die Normannen einander an und sagten dann zu sich: „Möchte doch auch in unserem Lande das Gold so gemein und das Eisen so kostbar erscheinen.“

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