Ein Ausflug in „unsere“ Esskultur

Ich hatte eigentlich nach etwas völlig anderem Ausschau gehalten, und bin dann über diesen Artikel gestolpert:

„Im Dezember 1951 eröffnet ein Hamburger Restaurant das erste „Drive“ in Deutschland.“ Die Idee im Auto seinen Hunger zu stillen, kommt aus dem hastigen Amerika.“

Werfen wir also einen Blick auf den Beginn der Perversität einer (später auch in Deutschland) eingeführten „deutschen“ Esskultur…

Am Anfang war die Imbissbude: 1940 eröffneten die Brüder McDonald eine unscheinbare Burgerbar in San Bernadino und erfanden dort die Fließbandfrikadelle. Doch erst ein Vertreter für Milchmixgeräte machte aus dem Drive-In einen Megakonzern – auf Kosten der Erfinder.

Pappbecher statt Gläser, menschliche Roboter statt Köche .

Anstatt der alten Tante-Emma-Läden regierte in Supermärkten und Warenhäusern das Prinzip der Selbstbedienung, eilig hasteten die Menschen von Ort zu Ort. Nachdem Henry Ford bereits 1913 auf Fließbandproduktion umgestellt hatte, übertrugen die Brüder McDonald diesen Arbeitsprozess auf die Gastronomie.

Gläser, Besteck und Teller wichen Pappbechern und Papiertüten, zu essen gab es ab sofort nur noch Pommes, Hamburger und Cheeseburger. In der Küche hantierten keine Köche mehr, sondern ungelernte Billigarbeiter, die wie Roboter ständig die immergleichen Handgriffe ausführten.

Und dann kam Kroc. Der schwatzte Dick und Mac die Franchise-Rechte sowie den Namen McDonald’s ab und eröffnete 1955 seinen ersten McDonalds in Des Plaines, Illinois, einem Vorort von Chicago.

Nach einem Jahr hatte er bereits zwölf Filialen eröffnet, bis 1960 sollten es 200 werden. Der Schlüssel zum Erfolg: Kroc stellte den Franchise-Nehmern Immobilie und Baugrund zur Verfügung und kassierte dafür monatlich Miete und Umsatzprovision. Anstatt seine Partner einmalig zu belangen, band er sie dauerhaft ans Unternehmen. Und legte den Grundstein dafür, dass McDonalds zu einem der größten Immobilienbesitzer der Welt avancierte.

Alles Gute kommt aus „Amerika“… Tatsächlich?

Am 4. Dezember 1971 eröffnete gleich neben dem Fußballstadion im Münchner Stadtteil Obergiesing die erste McDonald’s-Filiale Deutschlands. Die US-Burgerkette hatte den Ruf, schnelles und günstiges Essen zu bieten.

Und so weiter,und so fort… die Entwicklung dürfte bekannt sein.

Ist es nicht so, dass der Deutsche über diese Entwicklung verlernt hat, die „eigene Sprache“ zu sprechen?

Wer mag, im Beitrag im Kommentar machen wir noch einen Ausflug in eine der deutschen „Umerziehungs- (Ver)Bildungsstätten – hier- die Amerika Häuser.

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Quelle

Von Katja Iken

12.05.2010, „Spiegel Geschichte“ – „da haben wir das Braten“

Bertelsmann Lexikothek, Bibliothek des Jahrhunderts Dezember 1951


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