Wer kennt es nicht, das Bild von den wilden, blutrünstigen Germanen? Dieses Bild wurde vor allem durch römische Propagandisten wie Caesar geprägt. Die antiken Nachbarn stilisierten die in Stämme organisierten Völker als Barbaren, um ihre eigenen Eroberungszüge zu rechtfertigen. Tatsächlich bewahrten die Germanen eine reiche Kultur.

Es ist das Los der (Ur)Naturvölker, die frei und unabhängig lebten, sich als „Wilde“ bezeichnen“ zu lassen, allein aus dem Grund, weil sie sich niemanden unterordnen wollten.
Doch Wilde waren es keinesfalls. Erst heute Morgen haben wir über die indigenen Völker Amerikas, über das Leben der Indianer gelesen, und über das, was man ihnen genommen hat.
Folgen wir doch den (angeblich) streitbaren Vandalen nach Afrika. Ihr Name hat üblen Klang.
Das soll uns nicht stören. Es waren nur etwa 80 000 kampffähige Männer, die da auf der Suche nach einer Heimat mit ihren Familien nach Afrika kamen und auf dem völlig fremden Boden außerhalb des Zusammenhangs der europäischen Länder sich als Herren festsetzten:
Geiserich, Thrasamund ihre bekanntesten Könige aus dem Geschlecht der Asdingen, rechte Recken wie alle diese deutschen Fürsten, die besten Exemplare ihrer Rasse, kühn zugreifend und siegesgewiss.
Sie glichen einem Roger und Robert Guiscard, den romantischen Normannenkönigen des 11. und 12. Jahrhunderts, die da wie Sturmwind über Sizilien und Neapel herfuhren. Aber die Vandalen waren zugleich gelehrig und klug wie alle anderen Germanen und achteten und bewunderten die Gaben der römischen Zivilisation auf das höchste.
Den bäurischen Charakter hatten sie mehr als die anderen Germanenstämme eingebüßt. Sie lernten auch in den Städten zu leben, deren Befestigungsmauern sie freilich niederlegten, freuten sich an Zirkus, Arena und Thermen, hatten ihre städtischen Paläste, ließen vor allem die römische Gesetzgebung und Verwaltung, die sie vorfanden, so weit sie nützlich, unangetastet bestehen und hatten ein offenes Ohr für Theater und Literatur und die Dinge des schönen Scheins und des verfeinerten Genusses.

So liest man es in den Schriften der alten Bücher, die uns überliefert worden sind.
Anders in den Massenmedien. Denn bis zum heutigen Tage hält sich diese häufig von >Vandalismus< geschrieben und gesprochen, vor allem dann, wenn eine besonders große Zerstörungswut – insbesondere von Kunstwerken – angedeutet werden soll, und meist heißt es dann: »Sie hausten wie die Vandalen«.

Hier wird – bewusst oder unbewusst – ein Stück auch unserer Vorgeschichte belastet, und das noch ohne Grund.
Das Wort >Vandalismus< wurde von Henry Graf GRÉGOIRE (1750-1831), Bischof von Blois (Frankreich), nachweislich 1794 erstmals benutzt, als er in seinem Bericht an den Konvent in Paris die Plünderungen im Gefolge der Französischen Revolution von 1789 beschrieb. In seinen Memoiren hielt er fest: »Ich schuf dieses Wort, um die Sache zu töten.«
Schon früher wurden den Vandalen Zerstörungen – vor allem von Kunstwerken – vorgeworfen, die sie angeblich bei ihrer Eroberung Roms im Jahre 455 unter ihrem König GEISERICH von Nordafrika aus vorgenommen haben sollen. Aber wahrscheinlich haben die Vandalen Rom dabei gar nicht arg geplündert, denn selbst im Großen Brockbaus steht über GEISERICHS Zeitgenossen Papst LEO I., den Großen: »455 hielt er GEISERICH von der Plünderung Roms ab.«
Am 6. Juli 455 soll LEO nach Abzug der Vandalen einen feierlichen Gottesdienst abgehalten ha- ben, in dem er Gott für die Erhaltung der Stadt dankte, was auch gegen eine mutwillige Zerstörung von Kunstwerken spricht.
Auch andere zeitgenössische Urteile fallen sehr zugunsten der Vandalen aus. So schrieb etwa der römisch-katholische Bischof SALVIA- NIUS VON MARSEILLE (400-480) damals: »Es gibt keine Tugend, in welcher wir Römer die Vandalen übertreffen. Wir verachten sie als Ketzer, und doch sind sie stärker als wir an Gottesfurcht. Wo Vandalen herrschen, sind selbst die Römer keusch geworden. Gott führe sie über uns, um die verwahrlosten Völker durch die reinen zu strafen.«
• Der 17-bändige Brockhaus -von 1887schreibt unter >Vandalismus<: »rohe Zerstörungswut
von Kunstwerken, wie man früher solche mit Unrecht den Vandalen nachsagte.«
• Der vierbändige Neue Brockhaus von 1942 spricht von der »längst widerlegten Fabel von den Verwüstungen bei der Einnahme Roms durch die Wandalen (455)«.
• In seriösen Geschichtsbüchern wird die Eroberung Roms durch GEISE-RICH und die damals übliche Plünderung, die 14 Tage dauerte (15.-29. Juli 455), beschrieben, bei der die Vandalen zwar Beute machten, aber keine Kunstwerke mutwillig und sinnlos zerstörten. Wertvolle Beutegüter wurden nach der neuen Vandalenhauptstadt Karthago mitgenommen.
Es blieb der Neuzeit vorbehalten, ungerechtfertigt einen Germanenstamm mit dem Schlagwort vom >Vandalismus< herabzusetzen.
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Noch ein bisschen was über unsere Vorfahren:
Entgegen dem Klotz-am-Bein-Image besaßen sie eine komplexe Sozialstruktur, betrieben Landwirtschaft und Handel und verfügten über eigene Schriftzeichen (Runen) sowie eine ausgeprägte Mythologie.
Die Bezeichnung „Germanen“ fasste viele verschiedene, oft rivalisierende Stämme zusammen (wie etwa die Cherusker, Chatten oder Markomannen). Sie teilten ähnliche Sprachen und Traditionen, bildeten aber keinen gemeinsamen Staat. Sie waren exzellente Kämpfer und nutzten ihre Kenntnisse der unwegsamen Wälder. Erinnern wir uns an die Varusschlacht im Jahr 9 n. Chr., in der sie drei römische Legionen vernichtend schlugen.
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Theodor Birt (1852-1933).
Emil NACK, Germanien, Länder und Völker der Germanen, Carl Ueberreuter, Wien-Heidel- berg 1963.
Hans REINERTH, Vorgeschichte der deutschen Stämme, Leipzig 1940, Bd. 3
Eure Kommentare:
Gerne würde ich eins hier festhalten wollen, wenn ich darf.
Je älter ich geworden und je mehr ich von der Schule entfernt altere, umso mehr wird mir klar, dass die „Wilden“, Unzivilisierten oder Eingeborenen die wahren Träger von sozialen, gleichberechtigten Strukturen sind. Außerdem fanden sie stets Einklang mit der Natur. Jagden und bauten an, um zu leben bzw. zu überleben. In Eintracht. Nichts wurde verschwendet und stets ging es nur darum in Partnerschaft mit der Natur zu leben. Sie zu verstehen und vorbereitet zu sein. Es gab keine hehere Moral. Der Zusammenhalt machte sie stark. … und dann kamen irgendwann die Zivilisierten Römer, Christen, Juden, Moslems, Klima-Idealisten und wie sie alle heißen mögen. Kamen mit ihrem Gott (Göttern) und zerschlugen den Einklang. Erhoben sich über alles und pachteten (pachten) die Moral.
Aus meiner Sicht sind die Völker, die nach altem Glauben, der Natur nahe sind, die Zivilisierten!
… und irgendwann wird es den Zivilisierten genau so gehen, wie den Menschen in Mesopotamien, die Raubbau an der Natur (massive Abholzung von Wäldern) betreiben. Sie werden untergehen.
Ich musste das einmal los werden, weil sich so viele für so zivilisiert halten.
Danke.
Vom Begriff Vandalen wurde auch der Begriff Wenden abgeleitet und somit stellt sich die Fragen wie es zu einer Gruppe von Slawen kommen konnte
Wenden sind doch keine Slaven, wie damals angenommen. Endungen wie „ow“ oder „itz“ bei Namen und Orten sagen nicht aus, dass die Wenden slawischen Ursprungs sind.?
Spärliche Streusiedlungen bevölkerten das Gebiet zwischen Warthe und Netze.
Bewohnt wurde diese Region durch die dort beheimateten germanisch-gotischen Volksstämme der Wandalen, Rugier, Pomoranen, (Polanen), Heruler, Silinger, Goten und andere germanische Teilstämme. Das Wartheland gehörte im Mittelalter zu Ostelbien, „Vandalia“ genannt.
Die mönchslateinischen Schriften nannten das Land auch „Sclavania“ – das Land der Sclavi, der nicht christianisierten Volksstämme, ohne auf die Herkunft Bezug zu nehmen.Herkunft Bezug zu nehmen.
Es waren die Heiden, die Gottlosen.
Adam von Bremen berichtete im 11. Jahrhundert über die Sclavi: ..„alle waren noch im Irrwahn des heidnischen Götzendienstes befangen. Sie, die Heiden waren die Sclaven der Götzen und des Teufels. Die Sclaven entrichteten der Kirche keinen Zehnten. Es waren verabscheuungswürdige Kreaturen und rechtloses Freiwild, die nicht zu Kreuz kriechen wollten.“
Der Name Sclavi wurde zurzeit Karl des Großen von mönchslateinischen Geschichtsschreibern geprägt. Die Sclavi standen außerhalb jeden Rechts; ihr Gebiet war nach mittelalterlicher christlicher Auffassung herrenlos. Heiden = Sclavi galten als Söhne des Satans. Sie waren Teufelsgenossen, die zu vernichten ein gefälliges Werk war.
Wo kann man mehr darüber lesen?
Im folgenden Buch ISBN 978-3-7386-3786-1
Unter anderem bei Helmut Schröcke: „Germanen /Slawen Vor- und Frühgeschichte des ostgermanischen Raumes“.
Zu den Vandalen kamen die Ostgoten und Alanen dazu. Oh die Alanen ein wundersamer Stamm. Der gemeinsam mit den Ostgoten die Flucht vor den Hunnen antrat. Alanen waren keine Germanen.. wohl eher Verwandt mit dem Stamm der geschnürten Keramik!! Auch sie gelangten bis Nordafrika.
Ja die Alanen, dazu gäbe es auch noch einiges Interessantes zu schreiben…Auch wie ähnlich sich die Stämme in ihren Bräuchen ,Kulturen und auch der Sprache waren. Die Alanen waren eng mit dem Persischen Reich verbunden.
Die später als Vandalen bezeichneten, hatten lt. Tacitus im späteren Schlesien am Zobten/Sleza, ein Kultzentrum mit Prozessionsstrasse. Es gibt dort noch Skulpturen mit Symbolen u. Ausgrabungen an der Ostseite.