Vielleicht wiederhole ich mich, aber ich möchte es dennoch nicht unerwähnt lassen. So hatte ich in den 1990-er Jahren eine Diskussion (über die aktuelle politische Lage) mit meiner Mutter. Ich Naseweis (damals gerade mal 28 Jahre alt) unterbrach sie, und meinte: „Ach Mutter, so schlimm wird es schon nicht kommen“, Darauf hin meinte sie nur: „Doch, denn es kommt noch schlimmer“…

Es liegt mir also fern, jemanden belehren zu wollen. Denn niemand kann sich davon frei sprechen, die Entwicklung im Land, wenn auch unbewusst, mit vorangetrieben und unterstützt zu haben. Auch ich habe in meinen jungen Jahren nicht erkannt, was da bereits im „Rollen“ war, und nun als Lawine über uns hinwegzieht.
Und auch das wurde mir von meinem Elternhaus mit auf den Weg gegeben: „Wenn die Deutschen weiter in diese Restaurants und Imbissbuden aus fremden Ländern strömen, wird es bald keine deutschen Gaststätten mehr geben. Die deutsch-regionale Küche stirbt aus.
Dazu eine kleine Anekdote aus der persönlichen Erfahrungskiste:
Kurz nach unserer Flucht in den „Westen“ ´, also mit Grenzübertritt, nahmen sich Journalisten unserer an, um uns über einen gewissen Zeitraum zu begleiten. (Im Rahmen einer Projektarbeit der öffentlich-rechtlichen Medienanstalten). Wir sind ja noch vor der offiziellen Wende ins Westliche gezogen. (Mein damaliger Ehemann mit mir und unseren beiden Kindern).
Diese Journalisten führten uns dann auch in die westdeutsche Esskultur ein:
„Und hier findet ihr die Perversität des deutschen Essens. So nannten sie die „Mahlzeiten“ bei einem amerikanischen Fast Food- Riesen, und fügten hinzu: „Ein echter Magnet für unsere Bürger“.
Was wir allerdings nicht verstanden haben, war, warum diese Journalisten uns einerseits erklärten, dass das Essen dort „pervers“ sei, sie dort aber regelmäßig einkehrten.
Hinzu fügten sie: „Leckerer ist es beim Griechen, da gibt es „Gyros Pita“. Neugierig geworden, wollten wir diese Pita mal probieren. Denn als Mitteldeutsche aus dem Raum Sachsen kannten wir bis dahin den Broiler ( gegrilltes Hähnchen), die Bulette und die dicke Bockwurscht oder die Thüringer Bratwurst mit ordentlich Senf im leckeren Brötchen. Ach ja, und den Rollmops.
Das gab’s hier in den westlichen Gefilden auch – angelehnt zumindest. Nur mit anderen Namen wie Hot Dog, Burger, Chicken u. s. w.
Nach der theoretischen Einführung in die amerikanische Ess-Kultur folgte die, in die italienische: Pizza!
Na gut, das belegte Brot mit Schinken und Ananas kannten wir schon. Sowie einige andere Gerichte auch. Auch Nudeln mit Fleischwürfeln und Tomatensoße waren uns nicht fremd.
Aber was soll’s. Über die Zeit lernten wir, dass es „chic“ war, italienisch Essen zu gehen. Das waren die Maßstäbe, die man hier setzte: „Wir gehen heute Italienisch essen“, gefolgt von „wir waren beim Chinesen“, oder: Das Thai-Restaurant an der Ecke hat neu eröffnet, da müssen wir unbedingt hin.“
Die Aussage: „Wir essen mediterran“ übertönte Sätze wie: Wir haben‘s uns bei einer guten Bulette mit Salzkartoffeln und Mischgemüse beim alten Fritz gemütlich gemacht. Köstlich war das Bierchen aus seiner eigenen Brauerei.“
Dafür tönte es aus vielen Reihen: beim Türken war’s richtig lecker. Vielleicht nicht so exklusiv, aber es gehört sich schon, hier einen Döner zu essen. Und so nahm es seinen Lauf… Die Nachfrage war groß, und ein Döner-Laden reihte sich an den nächsten.

Ich persönlich habe keine dieser Döner-Buden aufgesucht. Wenn mal jemand die Frage stellte, warum ich den Döner nicht mag, habe ich kurz geantwortet: Ich mag’s lieber deutsch. Und tatsächlich kaufte ich diese Art der belegten Brote lediglich an der heißen Theke in unserem REWE Markt.
Nun, was will ich damit sagen? Ganz einfach: Wir hatten es in der Hand, und haben es „verspielt“…
Es verhält sich ähnlich wie mit unserer Sprache: Der Deutsche ist von jeher geneigt, Fremdes anzunehmen, aus Neugierde, vielleicht aber auch aus der Naivität heraus. Hier zeigt sich die Sorte Mensch, die aus dem Leichtsinn heraus, alles Deutsche verachtet und dem Fremden mehr Gewicht schenkt. Wo das hinführt, erkennen wir jetzt. Leider geschieht das nicht das erste Mal in unserer deutschen Geschichte.
Wer bitte, soll denn nun das Volk aus der Misere holen, in die wir uns, streng genommen, über Strecken hinweg, selbst hineinmanövriert haben? Oder besser: haben lassen.
Doch nicht etwa die, die uns dahin bewegt haben? Und damit meine ich all die, die in aller Öffentlichkeit große Töne spucken, um dem deutschen Bürger Möglichkeiten zur weiteren Entwicklung im Land vorzugaukeln.
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Siehe auch Immanuel Kant ( er schrieb diese Definition fünf Jahre vor der Französischen Revolution nieder):
Definition von Aufklärung: „Ausgang des Menschen aus selbstverschuldeter Unmündigkeit“. Hier heißt es: Unmündigkeit sei das „Unvermögen sich seines Verstandes ohne die Leitung eines anderen zu bedienen“.
Freilich sei diese selbst verschuldete Unmündigkeit, so Kant weiter, nicht einem Mangel des Verstandes, sondern einem Mangel an Mut zuzurechnen. Weshalb das Motto der Aufklärung nur lauten könne: „habe Mut zu wissen!“ Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
Oder salopp gesagt: Denke selbst!
Das ist vielleicht unbequem, aber die wohl sicherste Variante, nicht vom Weg abzukommen.
Die wirkliche, nicht korrigierbare Dummheit des Menschen ist und bleibt, andere für sich denken zu lassen.










































































































































































































































































