Mit Blick auf den Wiener Kongress im Jahre 1815 und den Folgen.

Gleich nach dem ersten Pariser Frieden (1814) waren die Fürsten und Staatsmänner zusammengekommen, um die Verhältnisse in Europa und im Besonderen in Deutschland neu zu ordnen. Es war eine glänzende Versammlung unter dem Vorsitz des österreichischen Staatskanzlers Metternich. Man strebte vor allem danach, den Zustand vor der großen Französischen Revolution wiederherzustellen (Restauration).

Neben den schwierigen diplomatischen Verhandlungen gingen rauschende Feste und Vergnügungen einher.

Was kam dabei für Europa heraus?

• Das besiegte Frankreich wurde mit einer kaum glaublichen Milde behandelt. Das verdankte es vor allem dem diplomatischen Geschick seines Vertreters, des Ministers Talleyrand, der neben Metternich die größte Rolle auf dem Kongress spielte und von dem das bezeichnende Wort stammt: „Die Sprache ist dazu da, die Gedanken zu verbergen.“ Frankreich behielt die Grenzen, die 1792 – vor Beginn aller Revolutionskriege – gehabt hatte.

• Den größten Gewinn trug England davon, obwohl es die wenigsten Blutopfer gebracht hatte. Es erhielt in Europa Helgoland und Malta sowie die Schutzherrschaft über die Jonischen Inseln im Mittelmeer, ferner wertvollen Besitz in Amerika, Afrika und Asien, vor allem Kapland, Ceylon und Singapur.

• Österreich erhielt – im Tausch gegen die südliche Niederlande – die Lombardei und Venetien und wuchs dadurch immer mehr aus Deutschland hinaus.

• Preußen, dass am meisten geblutet hatte, kam schlecht weg. Blücher sagte: Wir haben einen tüchtigen Bullen nach Wien gebracht und einen schäbigen Ochsen dafür eingehandelt. Es bekam – im Tausch gegen die meisten polnischen Besitzungen – die Rheinlande und die nördliche Hälfte von Sachsen. Im Ganzen wurde es dadurch etwas kleiner als vor 1806, wuchs aber zugleich – im Gegensatz zu Österreich – immer mehr nach Deutschland hinein. Noch immer aber war sein Gebiet zerrissen in einen östlichen und in einen westlichen Teil.

• Die von Österreich abgetrennten südlichen Niederlande wurden mit den nördlichen Niederlanden vereinigt. (Doch zerfiel dieses bereits 1830 wieder in die Königreiche Holland und Belgien).

• Das ungefähr wieder hergestellte Polen wurde durch Personalunion mit Russland verbunden, die russischen Großmacht dadurch unmittelbarer Nachbar von Preußen und Österreich.

Und Deutschland?

Das Deutsche Schicksal wurde durch die Deutsche Bundesakte geregelt, Dadurch, dass diese in die Schlussakte des Wiener Kongresses aufgenommen wurde waren die europäischen Großmächte wieder einmal, wie 1648, Garanten der deutschen Verfassung.

Die 39 Teilstaaten, die nach dem napoleonischen Gewittersturm noch übrig waren – 35 Fürstenstaaten und 4 freie Städte (Hamburg, Bremen, Lübeck, Frankfurt am Main) – wurden zu einem losen Staatenbund vereinigt – Deutscher Bund – genannt. Neben den beiden Großmächten Österreich und Preußen stand eine Gruppe von Mittelstaaten: Bayern, Württemberg, Baden, Kurhessen, Hessen-Darmstadt, Hannover, Sachsen – diese (außer Sachsen) durch Napoleon und die Friedensschlüsse machtpolitisch gestärkt und erheblich vergrößert. Insbesondere sind die südwestdeutschen Staaten in vieler Beziehung Neuschöpfungen der napoleonischen Zeit.

Dieser Deutsche Bund war ein merkwürdiges Gebilde: Österreich und Preußen traten nur mit den Gebieten bei, die zum alten deutschen Reich gehört hatten. Somit blieben Ungarn, die Lombardei und Venetien draußen, ebenso Ost- und Westpreußen. Umgekehrt waren die Herrscher von England, Dänemark, Holland Mitglieder:

• Der König von England, weil er zugleich König von Hannover war.

• Der König von Dänemark als Herzog von Holstein … und

• Der König von Holland in seiner Eigenschaft als Großherzog von Luxemburg.

Eine Bundesregierung gab es nicht. Einziges Bundesorgan war der Bundestag in Frankfurt, de raus den Gesandten der einzelnen Staaten bestand.

Die Folge davon war, dass in wichtigen Dingen kaum jemals ein Beschluss zustande kam. So war der Bundestag nicht mehr wert als der alte Regensburger Reichstag.

Auch sonst fehlte es an allem, was zu einer Einheit gehört.

Zollschranken und verschiedene Münzen, Maße und Gewichte erschwerten allen Handel außerordentlich.

Zwei Gründe waren es, warum es damals zu nichts Besserem kam:

Der Einfluss der fremden Mächte, vor allem Englands, Russlands und Frankreichs, die an einem schwachen Deutschland interessiert waren.

Die Uneinigkeit der deutschen Fürsten und ihrer Regierungen. Der Gedanke der deutschen Einigung lebte nicht diesem, sondern im gebildeten Bürgertum, vor allem der Mittel- und Kleinstaaten.

Der Bund war abhängig von der Einigkeit der beiden Großmächte Österreich und Preußen. Sie bestand im großen Ganzen bis 1848, bei deutlichem Übergewicht Österreichs.

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In den Befreiungskriegen hatte das deutsche Volk, vor allem das preußische Großes geleistet und viel Glut und Blut geopfert. Die deutschen Patrioten hofften daher, dass sie in Zukunft nicht mehr bloße Untertanen wären, sondern selbst mitreden dürften – dass die Rechte von Herrscher und Volk gegeneinander abgegrenzt würden durch eine Verfassung und endlich Schluss gemacht würde, mit dem Absolutismus.

Nur wenige Kleinstaaten hielten ihr Versprechen zur Verfassung (Sachsen-Weimar, Baden, Bayern, Württemberg, Hessen u.a.)

Aber gerade in den beiden Großstaaten Österreich und Preußen kam es nicht dazu. Das lag vor allem an dem österreichischen Staatskanzler Metternich.

Er war der einflussreichste Staatsmann des Zeitalters, weshalb man es auch nach ihm benannt hat (1815-1848). Er bekämpfte alle freiheitlichen Bestrebungen, um die Existenz des habsburgischen Nationalitätenstaates nicht zu gefährden. Auch Preußen stand völlig unter seinem Einfluss.


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